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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 13.04.2018. Rubrik: Total Verrücktes


Aberglaube

Samstag der Vierzehnte ist der Lieblingstag der Paraskavedekatriaphobiker. Also aller derjenigen Leute, die sich vor Freitag dem Dreizehnten fürchten. Am Tag danach freuen sie sich entweder darüber, dass doch nichts passiert ist, oder aber darüber, dass sie mit ihren Unkenrufen richtig lagen. (Letzteres trifft zum Glück nur sehr selten zu.)

Für die extrem abergläubische Paula jedoch war Samstag, der 14. Februar 2015, der traurigste Tag ihres bisherigen Lebens. Der erste Valentinstag mit ihrem Freund Ben hätte es werden sollen – und tags zuvor, eben am gefürchteten Freitag dem Dreizehnten, hatte er mit ihr Schluss gemacht! „Ich kann deine Spinnerei nicht mehr ertragen!“

Heulend verbrachte sie das Wochenende und hätte sich am Montag am liebsten krankschreiben lassen. Da sie jedoch pflichtbewusst war und zudem hoffte, sich durch die Arbeit ablenken zu können, ging sie wie üblich ins Büro.

*

Der nächste Freitag der Dreizehnte des Jahres 2015 kam schon einen Monat später. In einer anderen Abteilung der Firma hatte an diesem Tag jemand Geburtstag. „Der Ärmste!“, dachte Paula, „was für ein Unglücksjahr wird ihm bevorstehen!“ Sie war froh, dass sie mit jener Abteilung nichts zu tun hatte und dem Kollegen nicht gratulieren musste.

Wieder einmal verlebte sie ein langweiliges, einsames Wochenende. Am Sonntag klingelte ihr Handy. Immer noch hegte sie die unvernünftige Hoffnung, Ben würde sich wieder melden. Aber es war ihre Freundin Mara, eine der wenigen Personen, die von ihrem Kummer wussten. „Schade, dass du noch immer nicht wieder unter die Leute willst. Vorgestern waren mein Freund und ich auf der Geburtstagsfeier von Tom Jäger, meinem Cousin. Kennst du ihn? Er arbeitet in derselben Firma wie du.“

„Ja, ich weiß, aber ich kenne ihn nur vom Sehen.“

„Wäre der nicht was für dich? Er ist Single!“

Paula schluckte. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre, Mara. Er ist an einem Dreizehnten geboren…“

„Das darf doch wohl nicht wahr sein! Tom hat im Leben nur Glück gehabt. Das mit der Dreizehn ist absoluter Quatsch! Lies mal im Internet, wo dieser Aberglaube herkommt, und spring dann über deinen Schatten!“

*

Am Freitag, dem 13. November 2015, ging Ben spätnachmittags an einem Café vorbei. Als er zufällig durchs Fenster sah, traute er seinen Augen nicht. Paula – die früher an einem solchen angeblichen Unglückstag nur das Notwendigste erledigt hatte und schnurstracks von der Firma nach Hause gegangen war – saß lachend mit zwei anderen jungen Frauen an einem Tisch. Abends rief er sie an. Er hatte damit gerechnet, dass sie das Gespräch nicht annehmen würde, aber sie tat es doch. Allerdings mit äußerst kühler Stimme.

„Paula, ich habe mich so gefreut, als ich dich heute so fröhlich im Café sah. Obwohl Freitag der Dreizehnte ist…“

„Na und? Ich habe mich von dem Aberglauben befreit.“

„Es tut mir leid, dass ich damals Schluss gemacht habe. Können wir nicht noch einmal…“

„Zu spät! Es gibt einen anderen!“ Weg war das Gespräch.

*

Am Freitag, dem 13. April 2018, verlobten sich Paula und Tom. Sie beschlossen, in spätestens einem Jahr zu heiraten. „Natürlich an einem Freitag dem Dreizehnten“, sagte Paula.

Tom informierte sich im Internet über die in Frage kommenden Tage. „Das ist ein bisschen schwierig“, seufzte er. „Das nächste Datum wäre der 13. Juli 2018 – das ist zu kurzfristig – und das übernächste erst der 13. September 2019 – das ist zu spät.“

Paula war zuerst enttäuscht, aber dann lachte sie. „Dann nehmen wir eben einen anderen Tag. Ich will ja GAR NICHT MEHR abergläubisch sein. Ob Unglückstag oder Glückstag - beides ist im Grunde Unvernunft. Unser Hochzeitstag soll uns auf jeden Fall Glück bringen!“

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Weißehex am 16.04.2018:
"Paraskavedekatriaphobiker" ist ein tolles Wort, das ich noch nie gehört habe. Und jetzt muss ich mal im Internet schauen, wo der Aberglaube überhaupt herkommt. Eine hübsche Geschichte!

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