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geschrieben 2021 von Stephan Heider (Stephan Heider).
Veröffentlicht: 12.12.2021. Rubrik: Nachdenkliches


Vier Worte für die Ewigkeit

Der Junge würde sich in seinem Leben noch sehr oft fragen, ob die vier Worte bewusst gewählt waren oder aus der Hilflosigkeit geboren. Als sie in seinen Körper eindrangen, fühlten sie sich für den Elfjährigen an, wie die Wucht einer elektrisierten Axt. Die unheilbare Wunde, die sie hinterließ, war eine klaffende Seelenleckage, die in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen, aber sich niemals mehr schließen konnte. Dazu war seine Seele noch zu klein, zu wenig abgerieben von Lebenserfahrung. So sensibel, wie das Wundfleisch unter einer aufgegangen Brandblase. Die Worte haben die schützende Epidermis darüber achtlos weggerissen und die empfindsamen Nervenenden des Seeleninneren offengelegt.
Sehr, sehr lange hat der Junge nicht begriffen, dass die vier Worte der Nachbarin die Bedeutsamsten seines Lebens waren. Ihn zu dem machten, was er heute ist. Jahrzehnte hat er nicht verstanden, dass die Worte nicht nur verheerend, sondern auch wertvoll waren. Ihn Furcht, aber auch Achtsamkeit lehrten. Der Junge wird die Worte nie vergessen, die ihm Frau Lüdcke im Sommer 1979 gesagt hatte, nachdem er mit seinen Freunden von einem unbeschwerten Freibadbesuch zurückgekehrt war. Worte, die ihn so prägten, wie niemals mehr etwas Anderes. Es veränderte sich alles für immer, als sie ihn am Arm fasste und sagte:
"Dein Vater ist tot".

Heute hat der Junge verstanden, dass diese vier Worte das wahre Erbe seines Vaters waren und der Schatz darin die hochgradige innere Empfindsamkeit, die ihn heute befähigt, so zu fühlen, wie er es an sich mag.

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