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6xhab ich gern gelesen
geschrieben 2022 von Stephan Heider (Stephan Heider).
Veröffentlicht: 12.05.2022. Rubrik: Unsortiert


Eine Mordsidee

Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern. Im richtigen Gesicht, wie in dem von Brigitte Bardot kann sie sehr apart wirken. In meinem Gesicht möchte ich jedoch keine. Besonders nicht, wenn das putzige Ding von Smith & Wesson hergestellt wurde und ein feuriges Temperament hat, das vorzugsweise schöne Grüße vom Kaliber 357 Magnum verschickt.
Gerade im Moment hat sich so eine in meinem Gesicht verirrt. Ich starre in das Loch, dessen Ende trotz der Kürze des Laufes im Dunkeln liegt und dieses beklemmende Gefühl auslöst. Ob mein Herz vor Angst zuerst stehen bleibt oder es gleich eine Riesensauerei an der Wand hinter mir gibt, die meine Putzfrau Frieda mir nie verzeihen würde, wird sich gleich entscheiden. Als der Hahn vor Spannung klickt, überlege ich, warum ich Trottel heute morgen diese bescheuerte Anzeige aufgegeben hatte.

"Ideenloser Autor sucht interessanten Killer zwecks Kooperation. Sind Sie ein psychopatischer Serienkiller oder ein gerissener Raubmörder? Kommen Sie vorbei und erzählen Sie mir Ihre Geschichte. Ich schreibe ein Buch über Sie, natürlich diskret und unter geänderten Namen. Die Erlöse aus Verkauf und Lesungen gehören zur Hälfte Ihnen."

Seither hatten mir im Laufe des Tages fünf völlig durchgeknallte Profikiller, Affektmörder und zwanghafte Psychopathen haarsträubende Geschichten erzählt, die allesamt Bestsellerpotential besitzen.
Ich hatte sie alle für drei Uhr nachmittags, also jetzt, wieder herbestellt, um bekannt zu geben, wessen Story ich für die erfolgversprechendste halte.
Ob es sich um die adrette, neidzerfressene Hausfrau Caroline handelt, die regelmäßig erfolgreichen Berufsbläsern die Kehle aufschlitzt, nur weil ihre eigene Saxophonkarriere an ihren zwei Kindern von einem untreuen Ehemann gescheitert ist.
Oder macht vielleicht Hartmut das Rennen. Der psychopathische Axtmörder kümmert sich aufgrund seiner irreversiblen Errektionsschwäche seit geraumer Zeit um arrogante Escort-Ladys.
Auch Giftengel Theresa und Geldeintreiber Bernie, genannt Baller-Bernie sind interessante Kandidaten. Zumindest waren sie das, bevor Harry Callahan hier aus ihren Körpern rote surrealistische Kunst an den weißen Wänden des Warteraums vor meinem Büro machte, indem er seine "snubnosed" hat hysterisch bölken lassen.
Fünf Leichen mit großen Löchern darin lagen nun im Vorraum. Der Peacemaker war kompromisslos brutal, Frieda würde ausrasten. Und einen Meinungsverstärker hat Harry Callahan noch in der Trommel des Revolvers, der mich angähnt mit seinem mörderisch rauchenden Maul.
"Die Geschichten". Harry macht eine fordernde Geste mit seiner freien Hand und lugt auf meine Notizen.
"Was hast Du vor? ", flüstere ich. Harry muss herzhaft lachen. "Na was glaubst Du wohl, Du Schwachkopf", furzt er mich an.
"Ich schreibe das Buch meines Lebens. Ich danke Dir für die Idee. Als ich heute Vormittag Deine Anzeige gesehen habe, war mir sofort klar, das ist der Plot... DER PLOT."
Mir bleibt die Luft weg. "Ich kenne Dich doch", stammel ich. "Deine Visage läuft doch gerade die Medien rauf und runter."
Als ich ansetze und ihn enttarne " Du bist doch dieser Sebastian Fi...", donnert die Stupsnase mir die letzte Kugel zwischen die Augen und verteilt meinen Hinterkopf so großflächig im Büro, dass Frieda morgen endgültig den Putzlappen an den Nagel hängen wird.
Ich schrecke schweissnass hoch. War eingeschlafen über meinem Laptop. Der Cursor blinkt hinter dem Satz
"Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern."
Der erste Satz meines Manuskripts steht dort seit vier Tagen, ohne fortgesetzt zu werden. Schreibblockade!
Ich schreibe los, wie im Wahn, bevor mein haarsträubender Traum in Vergessenheit verpufft, als es klingelt.
Ich öffne die Tür, ein zwei Meter grosser ungepflegter Mann steht verlegen davor. "Tach auch, ich komme wegen der Anzeige. Mein Name ist Hartmut."
Hartmuts Kopf explodiert. Ausgelöst durch Friedas Smith & Wesson. Ihr reicht es wohl.
Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und starre auf mein Manuskript, dessen erster Satz lautet.
"Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern".
Der grandiose Traum, der mich aus meiner Schreibblockade führen könnte, verflüchtigt sich aus meiner Erinnerung, bevor ich ihn aufschreiben kann.

6xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Ohnelly am 13.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Wow! Hat mich voll mitgerissen. Hab ich gelacht! Ich liebe die Idee mit Frieda und den herrlich absurden Schlusssatz. Schade, dass es schon wieder vorbei ist :-)




geschrieben von Stephan Heider am 13.05.2022:

Lieb von Dir Conny, vielen Dank. 🙂




geschrieben von Gari Helwer am 13.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Wunderbar! Spannend und lustig, besonders der Sebastian Fi... ! ;-)




geschrieben von Stephan Heider am 13.05.2022:

Danke Gari. Ich könnte ihn umbringen, weil er so gut ist. Aber selbst da ist er mir zuvor gekommen 😉.

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