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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 13.03.2019. Rubrik: Lustiges


Schackeline will Fürstin werden

Schackeline war eine wunderschöne Achtzehnjährige. Leider war sie völlig bildungsfern. An ihren Eltern lag dies nicht. Zwar waren auch sie keine Bildungsbürger – sonst hätten sie den Namen Jacqueline richtig ausgesprochen oder einen anderen Namen gewählt –, aber sie hatten ihre Tochter immerhin stets angefleht, wenigstens den Hauptschulabschluss zu machen. Schackeline jedoch hatte dies aufgrund ihrer Schönheit nicht für nötig gehalten. Das einzige Schulfach, für das sie sich einigermaßen interessiert hatte, war Rechnen gewesen. Von ihrer verstorbenen Oma hatte sie einen kleineren Geldbetrag geerbt und wollte diesen gewinnbringend anlegen, um davon leben zu können, bis…

Ja, Schackeline hatte einen großen Zukunftsplan. Sie wollte Fürstin werden! Genauer gesagt die Gemahlin von Fürst Axel, dem Staatsoberhaupt des Fürstentums Hohenburg, der in allen Klatsch- und Tratsch-Zeitschriften als der begehrteste Junggeselle Europas bezeichnet wurde. Als er in einem Interview kundgetan hatte, sich auch eine Bürgerliche als Ehefrau vorstellen zu können, hatte Schackelines Entschluss festgestanden.

„Spinnst du?“, hatte Schackelines Freundin Schantall gefragt, als sie davon erfuhr.

„Wieso?“ Schackeline war beleidigt. „Fürst Axel kann froh sein, eine so wunderschöne Frau wie mich zu bekommen! Ich werde ihm jetzt mal schreiben und ihm Fotos von mir schicken. Sag mal, könntest du den Brief für mich schreiben? Du bist doch besser in Rechtschreibung und so. Zur Belohnung darfst du immer kostenlos im Schloss Urlaub machen, wenn ich Fürstin geworden bin.“

*

Zwei Jahre waren seitdem vergangen. Tatsächlich hatte Schantall ihrer Freundin den Wunsch erfüllt. Doch nie kam eine Antwort des Fürsten. Stattdessen musste Schackeline eines Tages beim Vorbeigehen an einem Kiosk die Schlagzeile lesen, die ihre gesamte Zukunftsplanung in sich zusammenfallen ließ: Fürst Axel von Hohenburg heiratet Prinzessin Bea von Hartenfels!

Schackeline konnte sich gerade noch bis zu ihrer Wohnung schleppen. Dann ließ sie sich aufs Sofa fallen und heulte.

Drei Stunden später hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie die Situation einigermaßen nüchtern überdenken konnte. Der Traum vom Fürstenschloss war ausgeträumt, soviel stand fest. Sie würde arbeiten und ein ganz normales Leben führen müssen. Was sie jedoch im Augenblick am meisten fürchtete, war die Reaktion ihres Umfelds. Nicht nur Schantall, sondern auch vielen anderen hatte sie erzählt, dass sie demnächst Fürstin würde.

Plötzlich fiel ihr ein früherer Mitschüler ein, Tschastin. Er war in sie verliebt gewesen, aber sie hatte ihn abgewiesen, weil sie ja Fürst Axel heiraten wollte… Bald wusste sie, was sie den Spöttern erwidern würde.

Ihr Telefon klingelte. Es war Tschenni, eine ihrer Bekannten. Ihre Stimme triefte vor Häme. „Ich hab soeben gelesen, dass dein Fürst eine andere heiratet! Eine Prinzessin!“

„Na und?“, gab Schackeline ungerührt zurück. „Soll er doch. So ein lumpiger Fürst interessiert mich sowieso nicht mehr. Ich könnte nämlich einen König haben!“

Tschenni war offenbar völlig verwirrt, denn sie legte wortlos auf. Wenig später rief Schantall an. Tief besorgt fragte sie: „Schacki, geht es dir nicht gut? Das mit Fürst Axel tut mir ja leid. Aber Tschenni meinte, du hättest irgendwas genommen…“

Schackeline lachte. „Weil ich gesagt habe, ich könnte einen König haben? Das stimmt tatsächlich. Oder stimmte zumindest. Früher war er jedenfalls ganz verrückt nach mir, der Tschastin König.“

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