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geschrieben 2017 von Jörg Rennert (DerGraue).
Veröffentlicht: 01.05.2019. Rubrik: Fantastisches


Meine Emily

Es war ein trüber, nasskalter Samstagmorgen im Oktober 2005. Ich konnte endlich mal wieder ausschlafen. Kein Wecker der mich um 5:00 Uhr aus dem Bett scheucht. Heute durfte ich länger im Bett liegen bleiben und mich meinen Träumen hingeben. Herrlich! Nach einer guten halben Stunde trieb es mich dann doch aus dem Bett.
Leider! Ein Blick aus meinem Küchenfenster ließ mich frösteln. Es nieselte und ein böiger Wind bewegte die Zweige der Bäume. Kein guter Tag die wohlige Wohnung zu verlassen. Erst einmal ich in aller Seelenruhe Frühstücken.
Heute Vormittag wollte ich in die Altstadt fahren. Im Internet hatte ich recherchiert, dass es dort einen Marionettenladen gab.
"Gabi Dellinger, Marionettenwerkstatt".
Ich hatte mir fest in den Kopf gesetzt mir dort eine Marionette zu kaufen. Als ich durch Straßen sparzierte ging mein Blick zur Sparrenburg. Nebelfetzen hingen am Teutoburger Wald. Wenige Menschen waren auf den Straßen, was bei diesem Wetter verständlich war.
Nach einigem Suchen stand ich dann endlich vor dem Marionettenladen. Neugierig blickte ich durch die Tür und das kleine Schaufenster hinein. Ich war gespannt, was mich dort erwarten würde. Gleich als ich den Laden betrat umfing mich eine Welt die mich träumen ließ. Diese vielen verschiedenen Marionetten die überall unter der Decke, an Regalen hingen oder liebevoll arrangiert waren. Clowns, ein schwarzbärtiger Seemann, Hexen mit furchterregendem Gesicht, ein riesengroßer Zauberer mit Hut, ein Koch mit Mütze.
Wohin mein Blick auch fiel, Marionetten, Marionetten aber auch ein paar Sitzpuppen.
Eine Frau mittleren Alters, einfach gekleidet, eher unscheinbar. Dunkles kastanienbraunes, etwas gewelltes Haar. Sie trug einen schlichten grauen Wollpulli über einer blauen Jeans. Ein dunkelblaues Halstuch hatte sie sich um ihren Hals gebunden.
Freundlich lächelnd kam sie mir entgegen.
Ich trat auf sie zu und sagte zu ihr: >Das freut mich. Wo haben sie gesucht? Bei Google? Die meisten geben dort Marionetten ein.>Ganz genau. So habe ich sie auch gefunden.
Wie war meine Freude groß, als ich dann las, dass es eine Marionettenwerkstatt hier in Bielefeld gibt. So habe ich sie heute hier gefunden.>Es freut mich jedenfalls. Und dass sie sich bei diesem Schmuddelwetter.
Da schickt man doch keinen Hund vor die Tür.>Was kann ich für Sie tun?>Ich suchen eine kleine Waldkoboldin.
Ich hatte auf ihrer Seite gelesen, dass sie auch Kleinmarionetten herstellen, 28 cm groß.>Ich glaube sie meinen eher die kleinen Sitzpuppen. Ja, die habe ich auch.>Schauen sie sich in aller Ruhe um.
Wenn sie Fragen haben, dann stehe ich ihnen gern zur Verfügung.>Der sieht aber recht furchterregend aus.>Ich lebe für meine Marionetten. Sie sind meine Familie>Jede Einzelne ist ein Unikat. Jede hat ihren eigenen Charakter. Sie gibt es nur so.>Der möchte ich auch nicht im Dunklen begegnen>Bitte nimm mich mit. Ich mag dich. Mir gefällt dein graumelierter Schnauzbart.>Die soll es sein! Sie sieht einfach frech aus. Das gefällt mir!>Da haben sie wirklich eine kleine, stupsnasige Waldfee gefunden.>Sie ist für mich keine Waldfee. Sie ist eine Koboldin. Meine Waldkoboldin!>Ich wünsche ihnen ganz viel Spaß mit der Waldfee.<<
Sie winkte mir noch hinterher als ich am Schaufenster vorbeiging. So kam Emily zu mir.
Sie sitzt nun im Wohnzimmer oberhalb des Zweisitzers an der Wand, und schaut mir in meinem Tun zu oder hängt ihren Träumen nach, wenn ich nicht da bin.

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