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geschrieben 2018 von Carl-Paul Hénry (Carl-Paul Hénry).
Veröffentlicht: 14.04.2018. Rubrik: Spannung


Feuerteufel im Quartier

Der Mensch und das Feuer. Eine endlose Geschichte, wie mir scheint. Auch in meinem Leben setzte sie sich fort und schon als kleiner Bub war ich von diesem Element der Faszination be-geistert.

Mein erstes Feuer machte ich im Alter von gerade mal vier Jahren. Wir wohnten damals mit sechs Personen auf knapp 40 Quadratmetern im westlichen Stadtrand, zwischen dem Friedrichsberger Friedhof und dem Thyraweg. Mutti war in der Küche am Kochen und Werkeln und ich hatte ihr mal wieder eine Schachtel Streichhölzer aus dem Vorkriegsküchenschrank geklaut. Im Kinderzimmer standen vier Betten, ein Schrank und ein kleiner Tisch, unter den ich die Halskette (mit großen Holzkugeln) meiner kleinen Schwester gelegt hatte. In diesen Kreis hatte ich zusammengeknüllte Seiten aus dem Schöpflinkatalog (vielleicht war es auch der direkt von "Quelle") gepackt und zündete nun dieses Papier an. Das Versandhaus Schöpflin aus Haagen wurde 1964 von Quelle übernommen, behielt aber noch lange seinen Namen.

Jedenfalls schlugen die ersten Flammen empor und ich warf die Streichholzschachtel mit den noch verbliebenen Zündhölzern noch zusätzlich ins Feuer. Es dauerte auch nicht lange, bis es eine Stichflamme gab und das Feuer bis hoch an die Tischplatte leckte.

Gerade war ich schwer am überlegen, wie ich diese Krise bewältige, als meine Mutter die Kinderzimmertür aufriss und hineinstürmte. Sie muss es gespürt haben: Mutterinstinkt eben und weil es so merkwürdig still hintr der Kinderzimmertür war. Das Feuer wurde gelöscht und ich bekam eine heftige Ohrfeige. In der Folgezeit machte ich immer wieder hier und dort ein Feuer, so auch hinter den Garagen, die am Ende des Haithabuwegs, wo dieser in den Haithaburing übergeht, standen.

Das mit dem Feuer ging immer gut aus, obwohl das nicht selbstverständlich war. Vor allem in dem folgenden Fall. Ein paar Jungs, Peter, Alfons, Kurt und Wolfgang und ich, hatten mal wieder irgendwo Streichhölzer her, und wir zogen durch die Schrebergärten Richtung der Bunkerruine, die oberhalb der alten Kiesgrube stand. Links davon befand sich ein kleines Wäldchen und unterhalb dieses Wäldchens gab es eine Kohlehandlung, die auch mit Heizöl handelte. Ausgerechnet hier machten wir unser Feuer.

Es waren die Sommerferien und es hatte seit Wochen nicht geregnet. Wir hatten ordentlich Holz aufgeschichtet, und als uns die Flammen entgegenschlugen, bekamen wir die Panik. Wir versuchten das Feuer auszutreten, gar auszupusten und spuckten in es hinein. Völlig kontraproduktiv und unsinnig. So ergriffen wir die Flucht, wohl wissend, dass es bei der Kohlehandlung nicht nur Kohlen gab. Als wir bei den Garagen am Haithabuweg angekommen waren (damals gab es da eine kleine Wiese mit Stangen und Wäscheleinen), packte uns doch das schlechte Gewissen und wir kehrten zum Tatort um. Da kam uns einer von den Halbstarken entgegen und meckerte auf uns ein und erzählte, dass er unsere Aktion und Flucht von der Ruine her beobachtet und das Feuer dann gelöscht hätte. Wahrscheinlich auch auch er so eine Art von Schutzengel in meinem Leben.

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