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geschrieben von Myrtelbaum (Myrtelbaum).
Veröffentlicht: 08.05.2017. Rubrik: Nachdenkliches


Mein schönes zweites Leben.

Inzwischen in die Jahre gekommen, will ich aus meinem Hundeleben erzählen. Meine Eltern nannten sich Schäferhund. Die Zeiten, als ich noch ein knuddeliges Hundemädchen war, sind längst Vergangenheit. Irgendwann wird ein Mensch mich ausgewählt haben, um
mich in seine Familie aufzunehmen. Aus dieser Zeit sind mit Erinnerungen nicht mehr gegenwärtig. Aber ich will ja aus meinem zweiten, schönen Leben erzählen. Leider beginnt diese Zeit mit sehr traurigen Erinnerungen, die sich tief in meine Hundeseele eingegraben haben. Mein Mensch, der bis jetzt mein ganzes Vertrauen und meine ganze Zneigung hatte, fuhr eines Tages mit mir hinaus in die Natur. In einem Waldstück angekommen, wunderte ich mich, dass ich nicht wie gewohnt frei herumtollen durfte. Mein Mensch benahm sich eigenartig, er schien sehr unruhig zu sein. Seine Bewegungen waren hektisch, so kannte ich ihn nicht. Er befestigte die lange Laufleine an einem Baum, fuhr mir mit der Hand über den Rücken, um sich dann schnell von mir zu entfernen. Meine klagenden Laute halfen nichts, mein Mensch verschwand aus meinem Blickfeld. Ich zerrte an der Leine, wollte mich befreien. Es blieb mir nichts übrig, musste mich in mein Schicksal fügen. Ich blieb alleingelassen zurück. Meine Sinne waren sehr angespannt, ich nahm jedes Geräusch um mich herum mit besonderem Gespür auf.
Allmählich brach die Nacht herein, meine Verzweiflung war übermächtig und liess mich müde werden. Die kühle Dunkelheit in diesem Waldstück liess mich frösteln, sodass ich mich erhob, um das unwirtliche Gefühl aus den Gliedern zu schütteln. Das Erwachen am nächsten Morgen war schlimm für mich. Meine Gedanken waren bei meinen Menschen, denen ich um diese Zeit immer Gesellschaft leistete, wenn man am
Frühstückstisch saß. Ich wartete dann sehr geduldig, ob mir ein Mitglied der Familie etwas vom Tisch zureichen würde. Jetzt aber spürte ich auf der Zunge eine quälende Trockenheit und begann nervös zu hecheln. Meine Ohren waren aufgerichtet und lauschten in alle Richtungen, ob ich ein vertrautes Geräusch vernehmen konnte. Ich hörte, wie eine Autotür
geräuschvoll zugeschlagen wurde. Nun sprang ich wie wild umher, soweit es mir möglich war und gab verzweifelte Laute von mir. Durch das Unterholz bewegte sich jemand auf mich zu.
Angesichts meiner misslichen Lage überkamen mich fremde Empfindungen, ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte und liess meine klagenden Laute nicht verebben. Es war auch wieder ein Mensch, der sich mir näherte. Er redete auf mich ein, aber seine Worte konnte ich nicht verstehen. Es klang alles fremd für mich,...aber der Tonfall beruhigte mich, sodass ich mein zunächst noch feindseeliges Knurren einstellte. Der Mensch löste die Leine vom Baum und führte mich zu seinem Auto. Ich folgte ihm widerstrebend, dann aber auch bereitwillig, denn ich war nicht mehr an diesen grässlichen Ort verbannt. Ängstlich folgte ich den gestikulierenden Anweisungen und sprang in das Gefährt. Der Mensch fuhr mit mir los und erst nach geraumer Zeit war die Fahrt zu Ende. Als ich befremdet das Auto verliess, konnte ich mit meiner feinen Nase einen vertrauten Geruch wahrnehmen. Es war ein uns Hunden anheim typischer Geruch. Ich befand mich vor den Toren eines Asyls für Tiere. Die Menschen hier nahmen mich in Augenschein, sie redeten miteinander und führten mich dann einen langen Gang entlang. Von rechts und links wurde ich begutachtet, mal mit Gleichmut
oder mal mit Interesse. So manche Hundenase wollte mich intensiv wahrnehmen. Eine aus Maschendraht bestehende Tür wurde geöffnet, und ich trottete in einen Raum hinein, welcher zunächst meine Unterkunft sein sollte. Eine Decke lag bereit, auf der ich mich erschöpft
niederließ und meine vier Pfoten von mir streckte, nachdem ich den bereitstehenden Wassernapf fast bis auf den Grund geleert hatte. Ich wurde umsorgt, hatte täglich eine Mahlzeit und konnte durch eine kleine Öffnung nach draussen an die frische Luft. Hier kamen nun immer wieder neue Menschen den langen Gang entlang, um uns Tiere anzuschauen.
Eines Tages sollte auch ich auserwählt sein, um mein notdürftiges Zuhause verlassen zu können. Es wurde wieder einmal das Tor geöffnet, und alle hier etablierten Hunde machten lautstark auf sich aufmerksam. Ich verhielt mich ruhig und sah den Dingen gelassen entgegen. Ein Mensch verlangsamte seine Schritte, als er auf der Höhe meiner Unterkunft war. Behutsam richtete ich mich an der Tür auf, schnupperte nach draußen um den Menschen mit meiner Nase zu begrüßen.
Dabei glitt ich mit der Pfote durch den Maschendraht. Der Mensch auf dem Gang berührte meine ausgewachsene Pranke und ich machte unvermittelt einen Freudentanz, sprang erneut an der Tür empor. Der mich täglich umsorgende Futtermensch redete etwas mit dem Besucher und meine Tür wurde geöffnet. Ich machte vor lauter Freude Luftsprünge auf dem Gang. Sollte ich nun einen neuen Menschen bekommen haben, der mich zu sich nimmt? Man legte mir eine Leine an und der neue Mensch musste noch einige Fomalitäten erledigen. Ich war ein Fundtier und es gab noch einige Dinge zu regeln. Ich war außer Rand und Band, als wir beide durch das Tor nach draußen gingen. Dabei zog ich so sehr an der Leine, dass mich mein neuer Mensch zur Räson rufen mußte. Auf dem langen Spazierweg zum Haus des Menschen stellte sich heraus, warum ich die neuen Wörter nicht verstehen konnte. Ich war diese Lautäußerung nicht gewöhnt, es war eine andere Sprache. Mein Begleiter hatte auch schon bemerkt, dass es etwas gab, was wir überbrücken mußten. Er gab mir jetzt Kommandos, die meinem Gehör geläufig waren. Er sprach jetzt englisch mit mir.
Nach einem ausgedehnten Marsch hatten mich meine Pfoten zum Ziel des Weges gebracht. Jetzt erschreckte mich etwas, sodass ich mich mit allen Vieren sperrte, um die Treppenstufen vor dem Haus zu erklimmen. Mein neuer Mensch hatte meine Ängste erkannt und nahm mich beherzt auf den Arm, um mich über dieses Hindernis hinaufzutragen. Die Haustür schloß sich hinter uns, und ich hatte die ganze Nase voll zu tun, um die neuen Gerüche aufzunehmen. Ich war schrecklich aufgeregt und wollte mich nur noch in einer Ecke verkriechen. Ich lief ziellos durch die Räume und verschwand in der Veranda hinter einem Sessel, der dort in einer Ecke stand. Hier passierte mir vor Aufregung ein Malheur,...es gab einen kleinen See. Meine Schnauze ließ ich dennoch neugierig hervorlugen, um etwas mitzubekommen. Der neue Mensch beseitigte wortlos das Malheur. Ich schnaufte ein paarmal und legte meinen Kopf auf die Vorderpfoten.
Der neue Mensch, der mich in sein Haus genommen hat, ließ nicht nach, um meine Aufmerksamkeit zu wecken. Er legte mir etwas in greifbare Nähe, dessen ich nicht wiederstehen konnte und mit der Pfote danach langte. Es war ein beseeltes Geschmackserlebnis, was sich sogleich hinter meinen Lefzen verteilte. Ich verlor allmählich meine Scheu und robbte immer mehr hinter dem Sessel hervor. Es gab noch etliche Stücke mehr von diesen herrlichen Teilen. Inzwischen hatte ich mich etwas akklimatisiert, war hinter dem schützenden Möbelstück hervor gekommen. Ich schüttelte mich kräftig, sodass meine Krallen auf dem Parkettboden zu hören waren. Jetzt beschnupperte ich alles, was meine Nase erreichen konnte. Hier und da musste ich mal niesen, es war eben alles neu für mich. Der neue Mensch redete behutsam auf mich ein und
ich hörte immer wieder die gleichen Laute, indem er mir mit der Hand über mein Fell streichelte. Er nannte mich von nun an Asta, das sollte mein Name sein. Am gleichen Abend lernte ich noch die Stelle kennen, wo mein neuer Mensch seinen Schlafplatz hat. Ich verstand seine Handbewegungen, mit denen er mir deutlich machte, wo ich abliegen sollte. Am nächsten Morgen fand man mich jedoch ausgestreckt direkt vor dem Menschenschlafplatz. Von nun an kamen so viele neue Eindrücke auf mich zu , es gab so viele Türen, hinter denen die
Menschen verschwanden und wieder zum Vorschein kamen. Eine Tür wurde immer geöffnet, wenn mein Futternapf bereitgestellt wurde. Der Mensch hatte jedesmal etwas in der Hand, wenn er diese Tür wieder schloss. Damit wurde mein Futternapf gefüllt und oben drauf gab es auch mal richtig herzhaftes Sauerkraut. Etwas wollte ich aber unbedingt beachtet wissen und das habe ich mit Nachdruck gezeigt. Während der Mahlzeit wollte ich ungestört sein, kam mein Mensch zu nahe an meinen Futternapf, dann habe ich geknurrt.
Die Zeit eilt, die Zeit heilt,...das gilt wohl auch für uns Hunde. Ich spürte zusehends, wie ich mich zu meinem neuen Menschen mehr und mehr hingezogen fühlte. Ich folgte ihm auf Schritt und Tritt, wartete
geduldig vor jeder Tür, wenn ich mal nicht mit hinein sollte. Einen festen Platz, der nur mir allein gehörte, hatte ich inzwischen auch. Das war der Vorflur, der eine verglaste Tür hatte, sodass ich jederzeit informiert war, wenn sich auf der Straße etwas bewegte. An schönen warmen Sommertagen hatte ich eine richtige Aufgabe zu erfüllen. Ich mußte darauf achten, dass sich keine Katze dem Vogelkäfig näherte, um dem Papagei Angst und Schrecken einzujagen, wenn dieser einen schattigen Platz im Garten hatte. Von meinem neuen Menschen habe ich sehr viel Liebe und Zuneigung erhalten. Ich habe es genossen, wenn mein Fell mit einer Bürste gepflegt wurde, wobei mir jedesmal ein angenehmer Schauer über den Rücken lief. Jeden Abend wartete ich ungeduldig darauf, dass mein Mensch die Leine vom Haken nahm und wir noch einen kleinen Weg um das Quartier machten. Einmal gab es eine Begebenheit, die ich lieber ungeschehen wüsste, aber es war der überwältigende Duft, der aus der offenen Kellertür zu mir heraus drang. Mein Mensch hatte einige Gäste eingeladen, und zu diesem Anlass waren ein paar grosse Futternäpfe für Menschen vorbereitet worden, die im kühlen
Keller abgestellt waren. Meine Nase führte mich direkt dorthin, wo der Ursprung des verführerischen Duftes war. Meine Lefzen standen komplett unter Wasser,...die Menschen sagen dazu, dass einem das
Wasser im Munde zusammen läuft. Ich konnte mich nicht erwehren,...probierte so lang meine Zunge war, von diesem Menschenfutternapf. Ich verließ den Ort der Versuchung und trottete zu dem Platz, wo die Menschen sich fröhlich unterhielten. Jemand entdeckte, dass ich meinen Fang nicht sorgfältig genug gesäubert hatte. Einige Menschen mußten sogleich lauthals lachen, andere hielten erschrocken die Hand vor das Gesicht. Ich glaube, dass an diesem Tag ein Menschenfutternapf weniger auf dem Tisch stand. Mein Mensch lief schnell in den Keller, während ich mich lieber in den Hintergrund verzog und nicht darauf wartete, eine weitere Kostprobe vom Tisch zu bekommen. Mein Mensch kam zu mir,...na Asta, hat es gut geschmeckt? Er strich mir mit der Hand über den Rücken und ich stuppste mit meiner Nase zurück. Das war ja mal gut gegangen, dachte ich mir, ließ mich mit einem Schnaufer nieder und legte meinen Kopf auf die Vorderpfoten.
Ende

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Svenson am 29.05.2017:
Das ist eine Tiergeschichte, die sich gut Kindern vorlesen lässt. Vielen Dank.

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