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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Aries Szandor.
Veröffentlicht: 10.09.2019. Rubrik: Horror


Die alte Windmühle

Ich schaue aus meinem Fenster. Sehe sie in der Ferne, wie ihr Rad sich dreht. Sie steht auf dem kleinen Hügel und verdeckt den Mond. In seinem Schein wirken ihre Blätter wie skelettartige Arme, die nach den Sternen greifen. Doch die Sterne sind schon lange erloschen. Lange bevor wir ihren Schein sehen.

Morgen gehe ich auf den Hügel und schaue sie mir aus der Nähe an. Das sage ich mir schon seit wir vor kurzem in das Dorf gezogen sind. Doch bisher fehlte mir der Mut. Wovor fürchte ich mich nur? Es ist doch nur eine alte Windmühle. Ich lege mich schlafen und träume.

Ich stehe vor der Mühle und es ist Nacht. Das alte Rad knarrt im Wind und die großen, langen Blätter werfen ebenso lange Schatten. Mir ist kalt, der eisige Wind fährt in meine Knochen. Dann wache ich von der Kälte auf und stelle fest, das ich wirklich vor der Mühle stehe.

Es war kein Traum, sie hat mich zu sich gerufen. Doch wie ist das überhaupt möglich? Ich bin doch nicht Don Quijote. Kurz muss ich bei dem Gedanken schmunzeln und mich erinnern, wie meine Mutter mir immer aus dem Buch vorgelesen hat.

Dann höre ich etwas aus dem Inneren der Mühle, es klang wie ein leiser Schrei. Ich will kehrt machen, will wieder nachhause, doch die Neugierde besiegt die Angst. So öffne ich ihr altes, morsches Tor und ein stickiger Geruch schlägt mir entgegen. Ein paar Ratten rennen auf mich zu, erschrocken weiche ich zur Seite. Es war also nur das Quietschen der Ratten, das ich hörte und kein Schrei. Erleichtert atme ich aus.

Dieser ekelhafte Geruch ist immer noch in meiner Nase und hier ist es so finster. Dann landet eine Spinne auf meiner Schulter, es ist die größte die ich jemals sah. Ich schreie vor Ekel auf und schlage nach ihr, dabei bemerke ich nicht wie ich immer weiter in den breiten Unterraum der Mühle taumle. Auf einmal stolpere ich und lande unsanft auf meinem Hinterteil.

Ich blicke mich um mich, um zu sehen worüber ich gefallen bin. Meine Augen haben sich mittlerweile etwas an das diffuse Licht gewöhnt. Ich sehe Knochen, an denen noch Hautfetzen hängen. Daran haben sich die Ratten gelabt und daher kam der Gestank. Ein halb verwesendes Skelett, aus dessen Brustkorb eine Mistgabel ragt. Wurde ich deshalb hier her geführt? Um diese Gräueltat zu entdecken?...

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Noxlupus am 12.09.2019:
Wieder mal klasse geschrieben. Es fühlte sich für mich an, als sei ich selbst mit in der Mühle. LG




geschrieben von Aries Szandor am 12.09.2019:
Danke, freut mich immer wenn ich eine Gänsehaut bereiten kann.

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