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geschrieben 2019 von Aries Szandor (Aries Szandor).
Veröffentlicht: 09.10.2019. Rubrik: Horror


Die Vogelscheuche

Sie stand am Fenster und beobachtete, wie die Sonne blutrot am Firmament aufging. Es war nun beinahe eine Woche her, seit sie ihren Gemahl das letzte mal gesehen hatte. Er war in die Stadt geritten, doch dort kam er nie an. Der Wachtmeister hatte ihr versprochen nach ihm zu suchen. Das lag nun auch schon drei lange Tage zurück.

Sie betrachtete sich die Vogelscheuche, in dem Maisfeld vor dem Haus, sie wirkte unheimlich. Das sollte sie ja auch, denn sie musste die Krähen von der Ernte fern halten. Kurz war ihr als hätte sich die Vogelscheuche gerührt. Ihr Verstand spielte ihr wohl einen kleinen Streich.
Sie musste lachen, aber es war ein verzweifeltes Lachen. Sie erinnerte sich an die Worte des Wachtmeisters.

" Wir werden nach ihrem Gatten Ausschau halten versprochen, aber zurzeit haben wir viel zu tun. Ich möchte sie nicht beunruhigen, aber in der Gegend treibt sich ein entflohener Mörder herum. Er entkam aus einer Nervenheilanstalt. Halten sie Türen und Fenster geschlossen und verlassen sie, wenn möglich Nachts nicht mehr das Haus. "

Sie verbrachte wieder einen langen Tag in Einsamkeit. Kurz fragte sie sich, ob er sie betrügt, dann ob er vielleicht nicht mehr unter den Lebenden weilt. Sie konnte nicht so recht sagen, was davon schlimmer für sie wäre. Sie tätigte noch am Abend etwas Feldarbeit. Jemand musste es schließlich tun. Sie hörte ein Rascheln, drehte sich um, doch Niemand war zu sehen. Wahrscheinlich nur ein Hase.

Wieder viel ihr Blick auf die Vogelscheuche. Ihr kam es, aus der Nähe betrachtet, vor als würde sie etwas anders aussehen. Irgendwie fülliger. Sie ging noch etwas näher heran, vor ihren Füßen fand sie eine tote Krähe, zur Hälfte gefressen. Wahrscheinlich eine streunende Katze. Langsam wurde es dunkel und sie erinnerte sich an die Worte des Wachtmeisters. Sie sollte rein gehen, aber irgendetwas trieb sie dazu sich die Vogelscheuche weiter zu betrachten.

Da machte sie eine grausige Entdeckung. Unter ihrer Strohmaske blickten sie zwei leblose Augen an. Diese Augen würde sie überall wieder erkennen. Das konnte, nein das durfte einfach nicht wahr sein!
Sie riss ihr die Maske vom Kopf und ihre Befürchtung wurde zur traurigen Wahrheit. Es war Daniel...

Seine Kehle war aufgeschlitzt und irgendwer hatte ihm die Lumpen der Vogelscheuche angezogen, die Maske übergestülpt und ihn aufgehängt. Warum hatte sie nichts davon bemerkt? Es muss in der Nacht geschehen sein, als sie tief und fest geschlafen hatte. Sie keuchte auf und Tränen liefen ihre Wangen hinab. Sie drehte sich um und wollte rasch in das Haus eilen. Da stieß sie mit ihm zusammen, er grinste im Dunklen und das letzte dass sie in ihrem Leben sah, war das aufblitzen der Klinge im Mondschein.

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