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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Weißehex.
Veröffentlicht: 17.02.2020. Rubrik: Unsortiert


Die Party

Laute Musik dröhnte vom Nachbargrundstück herüber. Vereinzelt mischte sie sich mit Stimmengewirr und Lachen. Kunert wälzte sich im Bett herum und hielt sich die Ohren zu. Es ging auf halb zwei zu; nichts deutete darauf hin, dass diese Party bald ein Ende nehmen würde, die Musik wurde nicht leiser und vergeblich wartete er auf die Geräusche abfahrender Autos. Keine Zeichen eines wie auch immer gearteten Abschiedes mischten sich in die grellen Klänge. Um zwei Uhr hielt er es nicht mehr aus. Er sprang aus dem Bett, zog sich in fliegender Eile an und ging festen Schrittes hinüber. Zwar schickte es sich nicht, um diese Uhrzeit zu klingeln; doch solcherart Rücksicht konnten seine Nachbarn nicht erwarten; nicht, wenn sie ihrerseits sich nicht an Gepflogenheiten halten wollten.
Ein wenig zauderte er noch vor der Tür: Sollte er es wirklich wagen? Doch dann hob er entschlossen seine Hand und drückte auf den Klingelknopf. Etwas Merkwürdiges passierte: Im selben Moment, als das laute Ding-Dong erklang, verstummte die Musik.
Verdutzt stand er auf der Schwelle, zögerlich, ob er sich nun einfach entfernen sollte. Das Ziel, mit welchem er sich aufgemacht hatte, war just erreicht, als er handelte, aber sich nun einfach davon zu stehlen wie einer, der nicht bereit war, die Konsequenzen seines Handelns zu tragen, das entsprach nicht seinem Wesen. Wenn er diesem ersten Impuls nachgab, würde er auch für den Rest der Nacht keinen Schlaf mehr finden können.
Nun fiel ihm auf, dass auch gar keine Autos vor dem Nachbarhaus parkten; waren alle Gäste zu Fuß gekommen? Noch seltsamer war, dass mit der Musik auch sämtliches Stimmengewirr und Lachen verstummt war. Die Stille, die nun herrschte, wirkte geradezu gespenstisch und ein leichtes Frösteln überkam ihn. Sofort rief er sich zur Ordnung: Selbstverständlich ging hier alles mit rechten Dingen zu.
Er rang mit sich, ob er nun doch einfach gehen sollte wie einer, der nicht die Konsequenzen seines Handelns tragen wollte und zudem noch Angst hatte. Und beschloss, solange zu warten, bis er eine Erklärung für die Vorgänge hatte oder bis ihm die Tür geöffnet wurde.

Heute steht auf dem Nachbargrundstück von Kunert schon seit einigen Jahren eine Statue. Niemand weiß wirklich, seit wie lange und wer sie dort aufgestellt hat. Kunert selbst lebt schon lange nicht mehr dort, er soll auf dem Friedhof bestattet worden sein, aber niemand weiß, wo sein Grab ist. Manche behaupten, die Statue würde ihm gleichen.

Aber das ist natürlich kompletter Blödsinn.

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Christine Todsen am 05.03.2020:

Eine seltsame Geschichte, die viele Fragen offen lässt. Zum Beispiel frage ich mich, ob jetzt auf dem Nachbargrundstück nur die Statue steht oder auch noch das Haus. Wegen dieser „Unklarheiten“ gefiel mir die Geschichte anfangs nicht so gut, aber inzwischen hat sich das geändert. Weglassen würde ich jedoch den letzten Satz. Der Ausdruck „kompletter Blödsinn“ passt mMn nicht zum Stil der Geschichte, und außerdem kann man es mMn dem Leser überlassen, was er glaubt oder nicht glaubt. Alles in allem: gern gelesen.




geschrieben von Weißehex am 06.03.2020:

Hallo Christine, danke für deine Beschäftigung mit meiner Geschichte. Ich schreibe halt manchmal gerne Geschichten über "seltsame" Dinge :-) die Idee zum Schluss kam mir hier übrigens erst während des Schreibens. Ich hatte hauptsächlich Lust, in einer altmodischen Weise zu schreiben und hatte deswegen mit der Geschichte angefangen. Und dann kam mir völlig unerwartet der Schluss in den Sinn. Gut, dass du das Haus erwähnt hast, ich wusste nicht, dass das unklar herüber kommen könnte. Als ich die Geschichte schrieb, stellte ich mir vor, dass die Statue vor dem Haus steht. Zum letzten Satz: Es bleibt doch trotzdem dem Leser überlassen, was er glaubt und was nicht....;-) Liebe Grüße Weißehex

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