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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2020 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 06.09.2020. Rubrik: Unsortiert


Polternd und groß (3)

Die neuen Räume waren grundlegend anders. Hier standen viel mehr Gegenstände. Es gab drei Stühle, die um einen Tisch herum standen. Außerdem einen weichen Platz zum Schlafen mit einer bunt gemusterten Decke. Doch sie blieben lieber auf dem Fußboden sitzen, wie sie es gewohnt waren- und wie sie es gelernt hatten. Stühle waren nicht für sie. Die waren nur für die Männer.
Trotz der Gegenstände im Raum, gab es einige wesentliche Ähnlichkeiten mit den alten Räumen: Es gab keine Fenster und die Tür war geschlossen. Die beiden Brüder kauerten schweigend nebeneinander. Sie brauchten keine Laute um sich zu verstehen. Es reichte eine kleine Geste, ein Blick oder ein lauter Atemzug. Aber im Moment gab es nichts, worüber es sich zu verständigen galt.
Ein Mann kam in den Raum. Ein Mann den die Jungen noch nicht kannten. Er war groß und hatte kräftige Hände. Seine Stimme war polternd. Irgendwie anders, als die Stimmen, die er kannte. Es lag weniger an der Lautstärke oder dem Ton. Vielmehr war es die Melodie, die Wörter. Der Mann kam auf sie zu, blieb einige Meter entfernt stehen und schaute sie erwartungsvoll an. Sollten sie irgend etwas machen? Er hatte nichts mitbekommen und ein kurzer Seitenblick verriet ihm, dass sein Bruder auch nichts mitbekommen hatte. Sollten sie weg gehen? Weiter weg ging nicht. Sie saßen schon an der Wand. Woanders hin? Aber wohin?
Der Mann fing wieder an zu reden. Viele Töne und Handbewegungen. Er kam auf sie zu. Was wollte er denn nur? Bestimmt würde er gleich böse werden, weil sie nicht das taten, was er von ihnen wollte. In Erwartung einer Strafe wandte sich der Junge ab und umschlang mit seinen Armen die Beine, während sein Bruder sich etwas hinter ihm verkroch. Der Mann blieb stehen und betrachtete sie schweigend. Dann kniete auch er sich hin und streckte ihnen die Hand entgegen. Die Jungen rührten sich nicht und der Mann stand brummelnd wieder auf und ging raus.

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