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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2020 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 13.09.2020. Rubrik: Unsortiert


Töne und Geräusche (5)

Meistens ließen sie ihn mit seinem Bruder zusammen. Es kamen regelmäßig Leute zu ihnen. Manchmal viele, manchmal nur einer. Meistens redeten sie viel und wenn viele Menschen kamen redeten sie oft laut und wild durcheinander. Dreimal am Tag kam ein Mann und brachte ihnen etwas zu Essen und zu Trinken. Das Essen schmeckte gut. Es war häufig etwas anderes, aber immer lecker.
Einige Menschen kamen mehrmals täglich. Der große Mann war einer von ihnen. Der redete immer viel und er zuckte oft zusammen, wenn er begann zu reden. Meistens wusste er nicht was der Mann von ihm wollte, aber weh getan hatte er ihm, oder seinem Bruder, noch nie.
Die Frau mochte er am liebsten. Sie strahlte immer Ruhe aus und er konnte sich bei ihr entspannen. Er hatte noch nicht viele Frauen kennen gelernt, aber die meisten waren still und hatten ihm nicht weh getan.
Seit kurzem kam auch eine jüngere Frau. Die redete etwas mehr. Aber nicht so laut, dass es ihm unangenehm war. Vor ihr hatte er nie Angst. Immer wenn sie ihm zu nah kam oder etwas tat, was ihm nicht gefiel, knurrte er sie an und sie wich erschrocken zurück.
Sie kam auch jetzt wieder. Vorhin hatten sie seinen Bruder nach draußen geholt und nun saß er alleine vor seinem Schlaflager, als sie mit einem Stapel Karten in der Hand herein kam und sich ihm gegenüber setzte. Sie begann zu reden und es klang, wie eine schöne Melodie. Dann legte sie eine Karte vor ihm hin. Darauf war ein Mann, eine Frau und zwei Kinder abgebildet. Sie deutete auf jeden einzelnen und sagte dazu immer etwas. Dann legte sie die nächste hin. Darauf war eine Frucht. Sie sagte: "Apfel."
Aufmerksam sah sie ihn an und wiederholte: "Apfel." Sie legte eine weitere Karte mit etwas langem, gelben darauf daneben und sagte: "Banane." Dann deutete sie wieder auf die erste Karte. "Apfel."
Wollte sie ihm erklären, dass das eine ein Apfel war und das andere eine Banane?
Sie deutete auf ihn und wiederholte: "Apfel."
Was wollte sie denn von ihm? Dieses Ding hieß offenbar so. Aber, was sollte er damit?
Sie deutete wieder auf das gelbe Ding und sagte: "Banane." Dann machte sie eine Handbewegung zwischen ihm und ihrem Mund und seinem Mund und machte ihren auf und zu und gab Geräusche von sich und sagte: "Banane."
Ist ja gut, sie nennt das Ding Banane. Und?
Sie deutete wieder auf ihn, gab Geräusche von sich und stupste ihn an, stupste ihn doller an und machte ihren Mund auf und zu.
Sie sah ihn erwartungsvoll an.
Dann bewegte sie den Kopf rauf und runter und machte: "Jaaa." und anschließend bewegte sie ihn von einer Seite zur anderen und machte: "Nein."
Sollte er jetzt auch den Kopf hin und her schütteln?
Doch während er noch darüber nachdachte, sagte sie wieder "Banane", stupste seinen Mund an und seinen Hals und summte dabei. Er knurrte. Das war definitiv zu nah. Sie nickte und sagte wieder: "Banane." und fasste ihm an den Hals.
Er war zu verwirrt um sie anzuknurren. Wollte sie, dass er Banane sagte?
Aber das geht doch nicht, diese Wörter sind doch nicht für ihn. Wenn er sie benutzt bekommt er Schläge, und überhaupt, sie sind laut und Unheil verkündend. Nein, das ist nichts für ihn.

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