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geschrieben von Ernst Paul.
Veröffentlicht: 17.03.2021. Rubrik: Unsortiert


Sekretär Knott und die Zauneidechsen

Sekretär Knott war fest entschlossen, auch die letzte Forderung, welche die Zauneidechsen stellten, zu erfüllen. Sie forderten einen sicheren Übergang über den Elberadweg.
Seit 7 Jahren kämpfte Sekretär Knott für den Bau des Elbradweges zwischen Leckwitz und Nünchritz. Als er diese Aufgabe übertragen bekam, glaubte er, dass ein Weg von 1400 m Länge und 3 m Breite, da nur geschottert und mit einer Asphaltdecke versehen, in einem halben Jahr gebaut sei. Für die Fahrradfahrer würde das Verlassen des Elberadweges und das zweimalige Überqueren der viel befahrenen Fernverkehrstrasse S88 wegfallen. Sie wären dann der Gefahr einer Kollision und der hohen Lärm- und Schadstoffbelastung auf der S88 nicht mehr ausgesetzt. Ein ehrbares Ziel. Doch er sollte sich täuschen. Durch ständige Forderungen der Zauneidechsen und die Umsetzung derselben wurden 7 Jahre bis zur Fertigstellung benötigt. Und er war verantwortlich. Die Zauneidechsen erhielten an der Leckwitzer Schanze neuen Lebensraum, der durch besonnte Bereiche noch aufgewertet wurde. Sekretär Knott ließ auch zwei Gebäude, die zwei Kilometer vom Radweg entfernt standen, abreisen. Der dabei frei werdende Boden wurde entsiegelt und rekultiviert. Auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern ließ er Feldgehölze anpflanzen. Ein Domizil für jede Zauneidechse. Doch die Zauneidechsen wollten, dass sie auch weiterhin die Elbe besuchen können, um dort zu Urlauben. Sie forderten deshalb eine sichere Unter- oder Überführung des Elberadweges.
Eine sichere Unterführung konnte Knott nicht zusichern. Die Elbe führt jährlich Hochwasser und der materielle und finanzielle Aufwand wäre zu hoch, um diese Unterführung gegen Hochwasser zu schützen. Er lehnte deshalb diese Forderung strikt ab. Auch eine Überführung kam für ihn nicht infrage. Der Fahrradverkehr wird in den kommenden Jahren zunehmen, auch auf dem Elbradweg. In weißer Voraussicht, auch diese Problematik mitzulösen, hatte Knott schon ein Patent für ein Tandem angemeldet, welches nicht hintereinander, sondern übereinander gebaut wird. Dieses Gefährt spart Platz beim Radfahren in der Stadt und auf Radwegen. Allerdings ist auch bei einer Überführung eine lichte Höhe von 3,74 m nötig. Eine Überführung von 3,74 m Höhe über den Elberadweg können kranke und alte Zauneidechsen nicht bewältigen. Das würde den zusätzlichen Aufbau von zwei Aufzügen für diese Tiere bedeuten. Zu teuer. Auch diesen Vorschlag wies Sekretär Knott kategorisch zurück. Stattdessen setzte er sich mit seinem Vorschlag, den Radweg ebenerdig zu bauen, durch. Die Zauneidechsen gaben, wenn auch widerwillig, nach, forderten aber einen Zebrastreifen für die Überquerung.
Sekretär Knott akzeptierte diesen Vorschlag, um endlich mit dem Bau beginnen zu können. In nur einem halben Jahr war das Projekt „Elberadweg“ realisiert. Endlich, so glaubte er, wäre diese Aufgabe erfüllt und er könne sich nun neuen Aufgaben widmen. Er bereitete alles für die Abnahme des Projektes vor und wies seine Sekretärin an die verantwortlichen Regierungsmitglieder einzuladen.
Der Gesandte des Landtagspräsidenten und Obmann der Zauneidechsen, Graf Proschwitz, und der Vertreter der Landesregierung Regierungsrat Freiherr von Hirschstein, erschienen zur Abnahme. Graf Proschwitz lobte die hohe Einsatzbereitschaft und das diplomatische Geschick von Herrn Knott und fand auch den Zebrastreifen als akzeptable Lösung. Jedoch sollten, sinnierte er, wie bei einem unbeschrankten Bahnübergang Warn Barken aufgestellt werden und der Fahrradfahrer sollte verpflichtet werden diesen Zebrastreifen nur zu Fuß zu überqueren. Freiherr von Hirschstein nickte zustimmend und ergänzte, man könne auch überprüfen, ob der Aufbau oder gar die Installation einer Fußgängerampel sinnvoll sei. Zustimmendes Kopfnicken. Sekretär Knott protokollierte diese Vorschläge, und sagte, er werde eine neue Arbeitsgruppe benennen, die diese Vorschläge bearbeitet. Zusätzlich werde er prüfen lassen, ob es nicht das Sicherste ist, eine Umgehungsstraße um den Zebrastreifen zu bauen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Susi56 am 17.03.2021:

Durchaus dem Leben abgeschaut...




geschrieben von Ernst Paul am 17.03.2021:

Danke Susi. Die sieben Jahre Vorbereitung zum Bau dieses Stück Weges, auch das die Zauneidechsen umgesiedelt werden mussten, entspricht den Tatsachen. Alles andere ist Fiktion




geschrieben von Susi56 am 18.03.2021:

Dachte ich mir fast, wirkte doch - leider- sehr realistisch. Aber gut gemacht!

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