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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von RudiRatlos.
Veröffentlicht: 26.09.2021. Rubrik: Unsortiert


MotorradBestattung

Von der neuzeitlichen Pietätlosigkeit Verstorbener gegenüber:

Wenn die Beerdigung zum Event wird (einige wenige Texte aus Zeit-online vom 4.10.2011) ...

... sie wollen individuelles Flair; und sei es nur das Lieblingslied, das während der Zeremonie gespielt wird.

Manch einer will in den Weltraum geschossen oder zum Diamanten gepresst werden,
den Sarg oder die Urne bemalen.
Friedwälder und Seebestattungen sind da noch verständlich.
Ein Bestatter bietet Angehörigen beispielsweise einen Abschiedsraum: ein schlichtes Zimmer in der Firmenzentrale zum Trauern neben dem Sarg. Seine Gestaltung steht Angehörigen offen. Dort standen schon selbstgemalte Bilder, ägyptische Statuen und einmal ein Motorrad.

Der Trend geht zur Wohnzimmeratmosphäre, weg von Särgen und schwarzen Klamotten, weg vom Tod durch Sterben,
der Umgang damit ist dadurch selbstverständlicher geworden.

Aber das ist für das Opfer keinesfalls
identitätsstiftend, sondern provokant und pseudogenial.
Genial wäre, den Verblichenen im eigenen Garten beizusetzen. So könnte man jeden Abend seinen eigenen Tagesablauf in einem Selbstgespräch vor dem Grab mitteilen.

Aber auch die Profitgier hält Einzug im Totenreich:
Werbung, TV-Sendungen (Bestatter-Serien wie "Six Feet Under" oder "Der Tod ist kein Beinbruch").

Oder das Gegenteil: AuslandMarketing mit PappSärgen oder der BilligstVerbrennung im Ostblock.

Das einstimmige ProArgument:
"Aber er ist doch so gerne ..."

was denn?
Motorrad gefahren?
in Kneipen gegangen?
Professionelle besucht?

Den Aufschrei wollte ich hören, wenn sich einer wünscht, im Haus der Freuden beigesetzt zu werden. Aber vielleicht kommt das auch noch.

Eine politische Diskussion ist überfällig, z.B. dass Bestatter kein Ausbildungsberuf ist. Dass Abzocke in dieser Branche sittenwidrig ist und dass nicht alle Splins der Angehörigen toleriert werden dürfen.

P.S.

unter solchen Vorzeichen will ich
.
.
.
.
.
überhaupt nicht sterben.

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