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geschrieben 2021 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 24.11.2021. Rubrik: Total Verrücktes


Der Zwanziger

REPORTER: Herr Ziegler, Sie werden scherzhaft „Der Zwanziger“ genannt, obwohl Sie, nun ja, kein Twen mehr sind…

ZIEGLER (lacht): Nein, ich bin schon 71. Pensionierter Polizeibeamter. Daher habe ich auch Zeit für mein Hobby. Im Berufsleben war ich vor allem mit dem Erkennen von Fälschungen befasst. Eine ganz besondere, seltene Art von Fälschungen decke ich jetzt auf.

REPORTER: Ja, die Zwanziger-Fälschungen. Womit nicht etwa falsche Zwanzig-Euro-Scheine gemeint sind…

ZIEGLER: …sondern Jahreszahlen. Viele Leute begnügen sich bei Datumsangaben mit den letzten beiden Ziffern der Jahreszahl. Also zum Beispiel „21“ statt „2021“. Das ist in der Regel auch nicht schlimm, denn niemand käme auf die Idee, diese „21“ könnte sich auf ein anderes Jahrhundert als das jetzige beziehen.

REPORTER: Nur bei dem Jahr 2020 gibt es ein Problem.

ZIEGLER: Ja, aber auch hier ist die bloße „20“ als Jahreszahl unmissverständlich. Das Problem liegt vielmehr darin, dass Fälscher die Zahl verlängern können. Ein Dokument mit dem Datum, sagen wir, „25.11.20“ kann somit bis zum „25.11.2000“ rückdatiert und bis zum „25.11.2099“ vordatiert werden!

REPORTER: Ich las mal, dass die Leute damals gewarnt wurden. Sie sollten die Jahreszahl lieber ausschreiben oder zumindest einen Apostroph vor die „20“ setzen. Aber offenbar haben viele diese Warnung in den Wind geschlagen.

ZIEGLER: Stimmt, und deshalb bekomme ich jetzt Dokumente zugeschickt, deren Datierung angezweifelt wird. In ca. 80 Prozent der Fälle stelle ich tatsächlich fest, dass die letzten beiden Ziffern der Jahreszahl später hinzugefügt wurden.

REPORTER: Warum wird die Datierung angezweifelt? Sind die Fälschungen für Laien erkennbar?

ZIEGLER: Rein technisch sind die Fälschungen meist gekonnt. Dass die Leute die Jahreszahl in Frage stellen, liegt eher an inhaltlichen Überlegungen. So in der Art: „Seltsam, dass der Bewerber schon seit 2015 diesen Beruf ausgeübt haben soll! 2020 könnte eher passen! Moment, da war doch mal was mit Datumsfälschungen…“

REPORTER: Herr Ziegler, besten Dank für dieses Gespräch. Eine Frage noch: Können Sie sich an eine besonders ungewöhnliche Fälschung erinnern?

ZIEGLER (lacht): Ja, einmal hatte ich ein Schriftstück, das auf 2017 rückdatiert worden war. Technisch so perfekt, dass ich beinahe selber darauf reingefallen wäre. Aber zum Glück macht auch der beste Fälscher Fehler. Das ursprüngliche Datum war der 29.02.20 gewesen, und er hatte nicht bedacht, dass 2017 keinen 29. Februar hatte!

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