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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2024 von Kargut (Kargut).
Veröffentlicht: 03.07.2024. Rubrik: Persönliches


Die Traumfrisur

Es liegt in der Natur der Dinge, dass man immer das möchte, was man nicht hat. So wie ich lockige Haare. Zum Glück – oder auch nicht – gab es Friseure und die geniale Erfindung einer Dauerwelle. Mit dem Foto eines Hollywoodsternchens aus einem Hochglanzmagazin bewaffnet besuchte ich den Figaro meines Vertrauens. „Diese Frisur hätte ich gerne“, sagte ich zu ihm, nachdem er mir die obligatorische Frage gestellt hatte „Was machen wir denn heute ?“.
„Sollen wir auch schneiden ?“ fragte er noch. „Das überlasse ich ihnen. Hauptsache es wird so, wie auf dem Bild“, antwortete ich.
Kommentarlos ging der Haarkünstler ans Werk und drehte Strähne für Strähne auf kleine Wickler, was bei meiner Mähne mehr als eine Stunde dauerte und wofür er fast den gesamten Bestand an Wicklern aufbrauchte. Schon bald meldete sich meine, nur in Grenzen vorhandene, Geduld : “ Wie lange dauert das noch ? Ich kann nicht mehr sitzen“. „Es kann nicht mehr lange dauern“ versuchte ich mich und meine schwindende Geduld zu beruhigen. Der Friseur schien meine Gedanken zu erraten und sagte: „So, jetzt noch 15 Minuten unter die Haube und dann haben wir es auch schon bald geschafft“. 15 Minuten und ein Hochglanzmagazin später bat mich eine Assistentin ans Waschbecken. Wickler runter, Abbrausen, Kopfmassage. „Oh, tut das gut“. Ich weiss nicht was mehr schmerzte, mein Gesäß oder meine Kopfhaut. Aber gemäß dem Zitat: “Wer schön sein will muss leiden“, nahm ich alles billigend in Kauf.


Der große Figaro löste seine Assistentin ab und begann die Lockenpracht zu stilen. Obwohl, stilen ist das falsche Wort. Es war eher eine Schadensbegrenzung, denn stilen konnte man da nicht mehr viel. Von Minute zu Minute wurde das Ausmaß meiner Fehlentscheidung, die über Monate hinweg erhalten bleiben würde, deutlicher. So hatte ich mir das Ergebnis nicht vorgestellt. Die Fransen von einem Wischmop hatten mehr mit einer Frisur zu tun, als die Lockenpracht auf meinem Kopf. “Wer schön sein will, muss leiden“. So ein doofes Sprichwort. Ich hatte gelitten und ich würde noch über Monate hinweg leiden. Bei jedem Blick in den Spiegel, nach jedem Haarewaschen, bei jedem Kämmen. Aber wo war der andere Teil des Zitats ? In dem Hochganzmagazin sah die Frisur so bezaubernd aus, aber bei mir ?
Es war mir eine Lehre. Nie wieder waren Fotos aus Hochglanzmagazinen ein Maßstab für mich . Nie wieder sah ich es als erstrebenswert an, die gleiche Frisur wie ein Hollywoodsternchen zu tragen. Heute mag ich meine glatten Haare und nehme maximal eine Lockenbürste beim Föhnen zur Hilfe. Und leiden muss ich auch nicht mehr.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Gari Helwer am 08.07.2024:
Kommentar gern gelesen.
Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich zwei enge und von mir sehr bewunderte Freundinnen, Zwillinge. Sie trugen ihre glatten blonden Haare in einem feschen Kurz(sehr kurz)haarschnitt. Meine Haare sind dunkel und mit Naturwellen versehen und damals trug ich sie mittellang. Dann durfte ich erstmalig allein zum Frisör gehen. Ich wollte es kurz. Noch kürzer. Da auch. Als ich nachhause kam, traf meine Mutter beinahe der Schlag - aber ich sah kein bisschen so aus wie meine Freundinnen... Wir lachen noch heute über die Fotos aus dieser Zeit! LG

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