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geschrieben 2019 von Sebastian Haas (Marquis de Carabas).
Veröffentlicht: 26.04.2019. Rubrik: Menschliches


Ein Blech Semmeln und viel Liebe

Vor gar nicht all zu langer Zeit; nein, stimmt ja gar nicht, vor ganz ganz langer Zeit, als Menschen noch in Burgen und den Fachwerkhäusern verwinkelter kleiner Städte lebten, rannte ein kleiner Junge durch die Gassen.
Er wollte sich mit einem Mädchen treffen und die wartete bestimmt schon bei der Brücke vor der Stadt auf ihn, deshalb rannte er so schnell er konnte!
Da übersah er in seiner Eile den dicken Bäcker, der gerade mit einem großen Blech frischer Semmeln aus seiner Backstube kam. Der kleine Junge prallte auf den dicken Bäcker und die frischen Semmeln flogen durch die Luft! Hier hin und dort hin flogen sie und landeten im Dreck!
Der Bäckermeister war ganz verärgert, denn es war um die vielen Semmeln Schade und jetzt musste er ein ganzes Blech davon noch einmal neu backen! Er wollte den kleinen Jungen deswegen gerade schimpfen, aber der war schon am weiter rennen. Der Bäckermeister erkannte den kleinen Jungen aber auch von hinten. Seine Wut verflog gleich schon wenig, denn er kannte den Jungen gut und der würde bestimmt später wiederkommen um sich für das Missgeschick zu entschuldigen. "Sicher hat er grade etwas ganz Wichtiges zu tun!", so dachte sich das der Bäckermeister. Und da fiel ihm das kleine Mädchen ein, mit ihr hatte er den kleinen Jungen schon einmal gesehen. Da verstand er auf einmal ganz genau, wie die Lage war und zu wem der Junge so schnell hin rannte, und sein Ärger verschwand ganz und gar.
Weil er ahnte, wie gern also der Junge das Mädchen wohl haben musste, da musste der Bäckermeister mit einem Mal an seine Frau denken und wie lieb er sie hatte. Da hatte er vor lauter Arbeit schon ganz lange nicht mehr dran gedacht! Da konnte der Bäckermeister dem kleinen Jungen vor lauter Überraschung und Freude überhaupt gar nicht mehr böse sein.
Er würde zwar immer noch das Blech Semmeln neu backen müssen, aber weil der Junge ihn daran erinnert hatte, wie lieb er seine Frau hatte, hatte er ihm schon verziehen. Er klaubte erstmal die Semmeln vom Boden auf und tat sie in eine Sack; der Schweinehirt würde sie sicher als Futter brauchen können. Dann ging er in seine Backstube zurück und dachte gar nicht mehr an seinen Ärger, sondern überlegte, während er den Teig für die Semmeln knetete, was er Schönes für seine Frau tun könnte und ihm war ganz leicht ums Herz.

In des rannte der kleine Junge schon auf den Rand der Stadt zu. Er hatte sich nach dem Zusammenprall noch schnell fest gemerkt, dass er sich später, auf dem Heimweg, noch bei dem dicken Bäcker entschuldigen musste, für die Semmeln. Dann war er in Gedanken schon wieder ganz bei dem Mädchen, die er gleich zum Spielen treffen würde.
Die Freude darüber erfüllte ihn ganz und gar und da war er auch schon aus der Stadt herraus und lief auf die Brücke zu. Sein Herz hüpfte in seiner Brust, als er das Mädchen von der Mitte der Brücke zu ihm laufen sah.
Sie hatte sich schon Sorgen gemacht, weil er sich verspätet hatte und er würde sie ja nur warten lassen, wenn etwas Schlimmes passiert war! Um so mehr freute sie sich, dass doch gar nichts passiert und er da war, denn sie hatte ihn genauso gern wie er sie.
Glücklich liefen sie Hand in Hand über die Brücke hinaus auf die Wiese und spielten dort den ganzen Tag zusammen. Sie sammelten Blumen und bauten Kränze, spielten Ball werfen und ließen Holzstöcken auf dem Fluß treiben. Als sie hungrig wurden aßen sie ihr mitgebrachtes Mittagsbrot und spielten dann Fangen und Verstecken zwischen den Bäumen am Rand des Waldes, der neben der Wiese lag.
Sie waren ganz in ihr Spielen vertieft, sonst hätten sie vielleicht den dicken Bäcker am anderen Rand der Wiese bemerkt. Der hatte beschlossen, während die neuen Semmeln schon im Ofen backten zur Wiese zu gehen, um dort einen schönen Strauß Blumen für seine Frau zu pflücken. Der Bäckermeister war seinerseits in Gedanken ganz bei seiner Frau und so bemerkte auch er die Kinder nicht, die weiter draussen auf der Wiese spielten. Statt dessen ging er mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einem schönen Strauß Blumen zurück zu seinem Laden und stieg die Treppe hinauf zur Wohnung.
Seine Frau saß gerade in der Stube am Fenster beim Stricken. Sie hatte sich in der letzten Zeit allmählich daran gewöhnt, das ihr Mann sich nach und nach ganz in seine Arbeit und die Alltagssorgen zurückgezogen hatte. Das machte sie allerdings immer ganz traurig und die Welt draussen schien selbst im hellen Sonnenschein des Tages ganz trüb und blass.
Da war sie ganz schön überrascht, als ihr Mann plötzlich mit einem schönen Blumenstrauß in der Hand und einem strahlenden Lächeln im Gesicht herein kam und sie wie frisch verliebt an sah!
"Da bist du ja wieder", sagte sie sanft zu ihm. Denn es war ihr, als wäre ihr Mann die lange letzte Zeit gar nicht wirklich da gewesen wenn er bei ihr war.
Dass ihr Mann seine Liebe zu ihr nun wiedergefunden hatte, berührte sie ganz tief und als die beiden sich nun fest umarmten, war sie so gerührt, dass sie Tränen vergoss.
Tausend Sachen hatte der Bäckermeister sich zusammen gedacht, die er seiner Frau hatte sagen wollen, wie leid es ihm tat, dass er sie so lange nicht mehr lieb haben hatte können. Als sie sich dann aber ansahen, sagte er einfach nur, "Ich hab dich lieb" und wischte ihr sanft die Tränen weg. "Ich hab dich auch lieb", sagte seine Frau und sie umarmten sich noch eine lange Zeit.
Dann läuteten aber die Türglöckchen von unten im Laden zu ihnen hinauf. "Jetzt musst du aber auch wieder Bäckermeister sein, mein lieber Mann", sagte sie dann zu ihm. Und das war nun wirklich so, da konnte man nichts machen. Er drückte sie zur Antwort noch einen Moment lang ganz innig an sein Herz, sah ihr liebevoll in die Augen und ging dann munter wieder in den Laden hinunter.
Seine Frau hielt einen Moment inne und stellte dann die schönen Blumen in eine Vase aufs Fensterbrett. Dann setzte sich erstmal selber wieder ans Fenster, sah einfach hinaus auf die Welt, die im Sonnenschein durch die zurückgekehrte Liebe wieder ganz wundervoll leuchtete und fühlte die Wärme in ihrem Herzen.

Als es nun anfing spät zu werden und die Schatten der Bäume schon weit über die Wiese fielen, machten sich der kleine Junge und das kleine Mädchen auf den Heimweg. Sie waren ganz erschöpft und zerzaust vom Spielen und Herumlaufen aber glücklich einen so schönen Tag miteinander verbracht zu haben. Beim Verstecken und Fangen war nun auch das Kleid des Mädchens dreckig geworden. Es war so schön am Leben zu sein und zusammen zu spielen, da hatten sie auf so etwas nicht acht gegeben. Das würde ihrer Mama aber gar nicht gefallen! Das machte dem kleinen Mädchen Sorgen. Aber jetzt im Moment waren sie beide zu glücklich um darüber nachzudenken.
So gingen sie, Hand in Hand, zur Stadt zurück, über die Brücke auf der sie sich getroffen hatten und zwischen die ersten Häuser hinein.
Dort blieben sie einen Moment lang betrübt zusammen stehen, denn hier trennten sich ihre Wege und das war Schade. Aber sie hatten auch schon ausgemacht, sich morgen wieder zu sehen und wo sie sich noch zum Abschied umarmten waren sie beide sehr glücklich. Er war glücklich, weil er jemanden so gern hatte, die ihn genauso gern hatte und sie war glücklich, weil sie jemanden gern hatte, der sie genauso gern hatte.
Und dass sie sich so gern hatten und sich morgen wieder sehen würden, das war so schön, das nahmen sie ihm Herzen mit und von diesem Glücksgefühl ganz durchdrungen trennten sie sich für heute.
Das kleine Mädchen ging zu ihrem Zuhause fort und der kleine Junge sah ihr nach. Bevor sie in die nächste Gase bog, drehte sie sich noch einmal um und die beiden winkten sich kurz zu. Dann ging sie glücklich und mit ganz leichtem Herzen nach Hause.

Der kleine Junge hingegen straffte nun die Schultern und nahm seinen Mut zusammen. Denn jetzt, das hatte er sich ja fest gemerkt, jetzt musste er zum dicken Bäcker und für sein Missgeschick am Morgen gerade stehen.

Eine Frau verabschiedete sich gerade vom Bäckermeister als der kleine Junge in die Bäckerei herein kam und mit aufrechtem Gang auf den dicken Bäcker zu ging. Ein wenig Angst hatte er schon, weil er sich schon denken konnte, das der dicke Bäcker sehr ärgerlich auf ihn war. Aber er war sich auch ganz sicher, daß er jetzt gerade das Richtige tat und das gab ihm Mut.
Den brauchte er auch, denn der dicke Bäcker sah wirklich sehr verärgert aus!
Dem war, als der kleine Junge jetzt in seinen Laden kam, trotz allem der Ärger vom Morgen über die verlorenen Semmeln und die zusätzliche Arbeit doch wieder hoch gekommen und die stand ihm jetzt ins Gesicht geschrieben.
Obwohl ein Teil von ihm nun doch gern einfach davon gelaufen wär, ließ sich der kleine Junge selbst davon nicht verunsichern.
"Herr Bäckermeister", sagte er, "das tut mir leid wegen ihrer Semmeln und ich will es auch wieder gut machen; wenn ich kann!" Der Ärger wich wieder ganz aus dem Gesicht des Bäckermeisters. Er mochte den kleinen Junge ja gern und hatte ihm ja auch schon verziehen gehabt. Und das er sich nicht getäuscht hatte in dem kleinen Jungen, der sich entschuldigen kam, das gab dem Bäckermeister zu seiner frisch wieder gefundenen Liebe zu seiner Frau eine weitere Freude hinzu.
Er blieb aber erst noch ernst und sagte mit ernster Stimme,"ein ganzes Blech Semmeln neu backen, das ist schon viel Arbeit!" Er dachte kurz nach, wie er es wohl anstellen konnte, dass der Junge es wieder gut machen konnte, er aber nicht zu streng mit ihm war.
"Hör zu", sagte der dicke Bäcker dann. Und der kleine Junge hörte ganz aufmerksam hin, was wohl sein Schicksal sein würde.
"Es ist schon etwas spät und ich mache gleich sowieso meinen Laden zu", fuhr der dicke Bäcker fort, "hilf mir heute Abend die Bäckerei sauber machen und das soll als Wiedergutmachung gelten. Einverstanden?" Er hielt dem kleinen Jungen gewichtig seine große Hand hin, so wie er es zu tun pflegte, wenn er einen wichtigen Handel abschloss.
Der kleine Junge hatte sich selbst nun schon ganz schlimme Strafen ausgemalt! Da war er schon sehr erleichtert, nicht sein ganzes Taschengeld abgeben zu müssen oder über Nacht im Keller eingesperrt zu bleiben oder etwas ähnlich Schreckliches! "Einverstanden!" sagte er er also und bemühte sich, dabei genauso ernst zu klingen wie der dicke Bäcker. Er nahm dessen Hand mit seiner, so wie er es schon auf dem Marktplatz gesehen hatte, wenn sich Erwachsene auf etwas einig wurden. Freilich, er konnte mit seiner kleinen Hand nur zwei Finger des dicken Bäckers fassen, aber der Handschlag galt und die Abmachung war besiegelt.
Jetzt musste er sich aber erst noch waschen, denn beim Spielen war er ja auch schmutzig geworden und da konnte er wohl kaum sauber machen. Er lief die Treppe zur Wohnung des dicken Bäckers hinauf und begrüßte die Bäckersfrau, die ihr Strickzeug wieder aufgenommen hatte und vor sich hin summend am Fenster strickte mit einem freundlichen "Guten Tag, liebe Frau Bäcker", denn er wusste ihren Namen ja gar nicht. "Hallo", sagte diese freundlich und sie zeigte ihm, wo er sich waschen konnte.
Sauber wieder zum dicken Bäcker herunter gekommen, nahm er den großen Besen, den dieser ihm hin hielt. Der Bäckermeister trug in ein dickes Buch ein, wie es mit der Kasse stand und der kleine Junge fegte erst einmal den ganzen Fußboden im Laden. Und während der dicke Bäcker einen schweren Sack Mehl für das Backwerk am nächsten Morgen aus dem Keller herauf trug und ein paar Sachen im Laden zurecht rückte, wischte der kleine Junge, auf einem Holzschemel stehend, die breiten Backtische in der Backstube ab. Dabei musste er sich oft ganz lang machen und auf den Zehenspitzen stehen um überall mit dem Lappen hinzukommen. Dann fegte er noch um die Tische und den großen Ofen herum und damit war das Saubermachen beendet.
Der Bäckermeister sah sich alles an und fand, das war sehr schön gemacht. Er legte dem kleinen Jungen seine große schwere Hand auf die Schulter, weil er so stolz auf ihn war. "Gut gemacht!" sagte der dicke Bäcker zu dem kleinen Jungen, nickte billigend und begleitete ihn zur Tür der Bäckerei, denn damit war ihre Abmachung erfüllt und der kleine Junge konnte nach Hause gehen.
Es war inzwischen aber recht spät geworden und als der dicke Bäcker die Tür nach draussen aufmachte, fiel das Licht der Bäckerei hinaus in eine schon dämmrige Gasse.
Das tat dem Bäckermeister leid, denn er wollte nun nicht, dass der kleine Junge noch Ärger bekam, weil er so spät nach Hause kam. Vor allem wo dieser sich doch so ehrenhaft verhalten hatte! Da gab er dem Jungen eine Tüte mit drei süßen Brötchen in die Hände, als Entschuldigung für die Sorgen, die sich seine Eltern wahrscheinlich gemacht hatten, verabschiedete sich von dem kleinen Jungen und schickte ihn mit herzlich guten Wünschen auf den Heimweg.
Der kleine Junge fand die dämmrige Gasse und die bedrohlich aussehenden Schatten in den Ecken und Winkeln der Häuser schon etwas zum Fürchten. Aber wie Stolz der dicke Bäcker auf ihn war und wie stolz er auf sich war, heute so viel geschafft zu haben, das gab ihm Kraft und Zuversicht in sich selbst. Mit einem tiefen Atemzug schritt er aus dem Lichtkegel vor der Bäckerei in die Dämmerung und ging ohne weiteres Zögern in Richtung nach Hause davon.
Der Bäckermeister stand noch eine Weile freundlich lächelnd in der Tür und sah ihm nach bis er ihn nicht mehr sehen konnte. Dann schloss er die Tür seiner Bäckerei zu und ging zu seiner Frau in die Wohnung hinauf.

Während dessen war das kleine Mädchen schon länger zuhause angekommen und die Mama war doch sehr ärgerlich gewesen! Das ihre Tochter so zerzaust und verdreckt aussah, da war ja keine Sache, die wusch sich ja sowieso jeden Abend, aber das Kleid sauber machen, daß war viel Arbeit zu jener Zeit. Die Mama kniete sich neben das kleine Mädchen, fasste sie an den Armen und sagte, "Dass dein Kleid so dreckig ist, das ärgert mich schon sehr! Da werd ich viel Arbeit mit haben!" Die Freude über den schönen Tag verschwand langsam aus dem Gesicht des kleinen Mädchens.
Der Mutter war es aber schon aufgefallen, wie glücklich ihre Tochter nach Hause gekommen war und das wollte sie ihr jetzt nicht kaputt machen. Sie wischte ihrer Tochter ein bisschen Dreck aus dem Gesicht und umarmte sie. "Paß' morgen besser auf beim Spielen!" fuhr die Mutter fort. Da war das kleine Mädchen wieder glücklich, weil die Mama sie trotzdem sie sie schimpfte noch lieb hatte. Und gerade wo sich das kleine Mädchen schon Sorgen gemacht hatte, dass sie wegen dem schmutzigen Kleid morgen daheim bleiben müsste, fand sie das jetzt ganz toll von der Mama.
Die besänftigte dann auch ihren Mann. Der war inzwischen dazu gekommen und sah auch ganz verärgert aus, wegen dem Kleid aber hauptsächlich weil er den Ärger seiner Frau mitgespürt hatte.
Diese wandte sich wieder an ihre Tochter. "Was wir wegen dem Kleid machen, das überlegen wir uns noch, aber morgen ziehst du zum Spielen Hosen an", befand die Mama. "Da haben wir noch ein altes Paar von deinem Bruder."
Das ein Mädchen aber in Hosen herum lief, das war in jenen Tagen noch ganz unerhört und der Papa war erst ganz und gar dagegen. Denn Tradition und die Meinung der Nachbarschaft, die waren ihm sehr wichtig. Aber auch er hatte seine Tochter sehr lieb und dass sie so glücklich war, mit dem kleinen Jungen auf der Wiese zu spielen, das wollte auch er ihr nicht wegnehmen.
"Ach," sagte er dann, halb zu sich, "sollen die Leute doch reden!" Und er setzte sich neben die Mama und seine Tochter in die Hocke und nahm beide in den Arm, weil er sie so lieb hatte.
In dem Moment kam auch der große Bruder heim, der war beim Schreiner in der Lehre und da umarmten sie sich alle noch einmal. Der große Bruder wusste erst gar nicht, wie ihm geschah, aber das machte ja auch nix, er freute sich einfach, dass sie sich alle so lieb hatten.

Als nun auch der kleine Junge, spät und mit seiner Tüte süßer Brötchen, zu sich heim kam, hatten sich seine Eltern schon ein wenig Sorgen gemacht und so fragten sie ihn erstaunt, was denn geschehen sei.
Der kleine Junge, die Brötchentüte ihm Arm, fing also an zu erzählen, was ihm an diesem Tag alles geschehen und wo er gewesen war und was er gemacht hatte.
Als er zu der Stelle kam, da er in den dicken Bäcker gerannt war und ihm seine Semmeln herunter geworfen hatte, da wollten seine Eltern ihn schon deswegen schimpfen, auch weil er einfach weiter gerannt war. Aber ihr Sohn war ja noch nicht fertig mit seiner Geschichte und so beschlossen beide, mit einem stillschweigenden Blick zueinander, daß sie sich das Schimpfen für später aufheben würden, wenn die Geschichte zu Ende erzählt war. Wenn es dann überhaupt noch nötig war.
Denn da war ja auch die Tüte mit den süßen Brötchen und da hatten sie so eine Ahnung, dass ihr Sohn irgendwie schon alles in Ordnung gebracht hatte.
Der erzählte ihnen gerade, wie er sich mit dem kleinen Mädchen getroffen hatte und wie sie zusammen gespielt hatten und wie lieb er sie hatte und weil er so glücklich war, daran zu denken, erzählte er mit einem Strahlen auf dem Gesicht ganz lange davon, bis ihm sein Papa liebevoll über den Kopf streichelte. Die Mama nahm Tüte Brötchen, stellte sie beiseite und nahm ihn in die Arme und sagte "Hach, das ist wirklich schön!"
"Aber," sagte der Papa, " ich will doch noch wissen, was aus der Sache mit dem Bäckermeister geworden ist!" "Und warum du so spät gekommen bist, ich hab mir schon Sorgen gemacht!" warf die Mama ein.
"Muss ich denn morgen zum Bäckermeister gehen und mich entschuldigen?" fuhr der Papa fort. "Nein", sagte der kleine Junge, "das hab ich schon selbst gemacht!" Und er erzählte stolz, wie er zum dicken Bäcker gegangen war und sich entschuldigt hatte und wie er ihm zur Wiedergutmachung geholfen hatte und dass er deshalb so spät gekommen war.
Da ging seinen beiden Eltern das Herz auf, weil sie so stolz waren auf ihren Sohn, der sich so ehrenvoll und mutig verhalten hatte.
"Was aber ist mit den süßen Brötchen in der Tüte?" wollte die Mama noch wissen.
"Die hat mir der dicke Bäcker mitgegeben, weil es ihm leid tut, weil es so spät geworden ist!" antwortete der kleine Junge.
Zu dem Stolz der Eltern auf ihren Sohn und wie lieb sie ihn hatten und zu dem Glück, das sie in seinem Herzen spürten, dass er so einen wundervollen Tag mit dem kleinen Mädchen verbracht hatte, die er so gern hatte kam diese Freundlichkeit des Bäckermeisters nun noch dazu und ihre Herzen waren voll von Liebe.
Die Mama umarmte ihren Sohn und der Papa sah ihn einen Moment voller Stolz an und umarmte ihn. Dann umarmten sich die Mama und der Papa noch und dann umarmten sie sich alle nochmal zusammen.
Dann aßen sie zu Abend, damit hatten sie auf ihren Sohn gewartet. Zum Nachtisch gab es die süßen Brötchen vom dicken Bäcker und die waren sehr lecker.
Dann ging der kleine Junge, erschöpft vom Tag aber überglücklich ins Bett. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, einer unbändigen Freude, das kleine Mädchen das er so lieb hatte morgen wieder zusehen und voller Liebe zur Welt und all den Menschen um ihn herum schlief er ein.

Nachdem das kleine Mädchen sich gewaschen und ebenfalls mit ihrer Familie zu Abend gegessen hatte, gab ihr der große Bruder noch ein Paar seiner alten Kinderhosen, damit sie morgen wieder mit dem kleinen Jungen auf der Wiese spielen konnte.
Mit der Freude, dass sie so glücklich sein durfte und ihre ganze Familie für sie da war und der Vorfreude auf Morgen, wo sie den kleinen Jungen, den sie so lieb hatte, wiedersehen würde, schlief auch sie ganz glücklich in der Wärme ihrer Familie und mit der Wärme in ihrem Herzen ein.

Das Dunkel der Nacht hatte sich nun vollständig ganz sanft über die Häuser und Gassen gelegt und bald darauf gingen auch die Eltern des kleinen Mädchens glücklich und voller Liebe zueinander und zu ihren Kindern zu Bett. "Hach", seufzte die Mama, als sie noch einmal an dem schmutzige Kleid vorkamen. Dann verschob sie diese lästige Sache für sich einfach auf den nächsten Tag und ließ sich ihre Freude, dass sie und ihre Familie sich so gern hatte für diesen Abend nicht nehmen.
Auch die Eltern des kleinen Jungen gingen bald nach ihrem Abendessen, Arm in Arm und voller Liebe schlafen. Der Vater lächelte, wie groß sein Sohn an dem Tag geworden war und die Mutter freute sich auch, dass er ein so nettes Mädchen kennengelernt hatte.
Die Frau vom Bäckermeister aber gab ihrem Mann einen dicken Kuss, weil es sie so glücklich machte, dass er sie wieder lieb hatte und sie ihn wieder lieb haben konnte und weil sie es so schön fand, wie er mit dem kleinen Jungen umgegangen war. Und so gingen auch diese beide voller Liebe zueinander glücklich schlafen.

Und am Himmel funkelten die Sterne und der Mond leuchtete klar und hell über den Dächern einer Stadt, in der es soviel Liebe gab.

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