Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
5xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 07.06.2026. Rubrik: Satirisches


Chemische Verbindungen

Günter, dessen Erscheinungsbild genauso „glatt“ war, wie sein Name, hatte seinen 30. Geburtstag bereits vor einigen Jahren erfolgreich ignoriert. Wann genau, das konnte er auch nicht mehr sagen. Er nutzte sein Gedächtnis ausschließlich für ein überdurchschnittliches Wissen in Chemie – das war ihm wichtiger. An keinem Ort auf dem Planeten, fühlte er sich wohler als in seinem Labor, dessen Tür meistens mit einem Schild warnte: “Eintritt verboten! Versuchsreihe läuft.“ Den Begriff Privatleben hätte Günter erst einmal nachschlagen müssen, wie alles, wofür es keine chemische Formel gibt. Diese Wissenslücke erklärt, warum Günter die Zahl seiner Damenbekanntschaften an einer Hand abzählen konnte.
Und während er auf das Ergebnis bei einer Zentrifuge wartete, las er, ganz beiläufig, die Suchanzeige einer jungen Frau in einem Dating Portal. Die Worte trafen Günter mit atomarer Sprengkraft. Alles, was vor einer Stunde noch von Bedeutung war, schien ausgelöscht – weg – pulverisiert. Und ein einziger Gedanke, ein einziger Name hatte das dadurch entstandene Vakuum ausgefüllt: Nina.

SatirepatzerSatirepatzerBereits 3 Tage später kam es zu einem ersten Treffen. Nina, die ihr Äußeres offensichtlich besser pflegte, als den Inhalt ihres Kopfes, erschien mit einer - für sie minimalen -Verspätung von 35 Minuten zu dem vereinbarten Treffen. Günter: schweißgebadet vor Aufregung. Nina: in eine Wolke Tussi delux eingehüllt. Die Fingernägel zu lang, dafür war der Rock etwas zu kurz. Und mit einem schrillen: „Bist Du der Günti“, am Eingang des Lokals, sicherte sie sich die Aufmerksamkeit aller, wirklich aller Anwesenden.

Günter stand auf und stellte sich vor. Durch sein verlegenes Stottern verpasste er jedem Wort eine zusätzliche Silbe. Der Rotton seiner Schläfe wirkte beängstigend, um nicht zu sagen ungesund. Stocksteif stand er da und beobachtete fasziniert, wie Nina vor dem Tisch hin und her tänzelte.
Mit den Worten: „S-setz Dich d-doch“, zog Günter einen freien Stuhl zurück und bot Nina Platz an.

„Ach wie süß“, bedankte sie sich kichernd.
Nachdem die bestellten Getränke serviert waren, suchte Nina nach einem Gesprächsthema, das Günter ausnahmsweise nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten konnte.

„Ich tanze für mein Leben gern. Und was magst Du so?“
„Ich finde die Synthese und Modifikation von Molekülen spannend.“
Ninas Blick wirkt, als hätte Günter auf Chinesisch geantwortet. Für eine Antwort fehlten selbst Nina die Worte.

Günter glaubte in dem Blick Interesse und Bewunderung zu erkennen und begann einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten, bei dem Nina, im 10-Minutentakt auf „Reset“ schaltete.

„ …. die Erzeugung komplexer Moleküle aus Edukten. Dies geschieht schrittweise über definierte chemische Reaktionen, um gezielt neue Bindungen zu knüpfen …“ hörte sie und schaltete sofort wieder auf Durchzug.

Günter war so in seinem Element, dass er selbst bei Ninas Toilettenbesuch weiterredete.

Als sie wiederkam, machte sie einen letzten Versuch: „Kennst du das Pascha? Die haben immer tolle Musik.“

Günter verneinte und setzte seinen Vortrag fort. Nina floh.

Frustriert betrat Günter am nächsten Tag sein Labor und grübelte, was bei diesem Treffen falsch gelaufen sein könnte. Er seufzte: „Ach, wenn doch nur alles so einfach wäre wie die Synthese von Molekülen!“

counter5xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Mehr von Catarina (Catarina):

Jans erste Flugreise
Ich bin ja schon groß
Alte Türen
Wer zu spät kommt
Good bye deutsche Sprache