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5xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 22.06.2026. Rubrik: Historisches


Wen der Herr liebt ...

„Wen der Herr liebt, den züchtigt er“
steht da, schwarz auf weiß, Hebräer 12, Vers 6,
als wäre Schmerz ein Sakrament
und ein blutiges Gesäß der Beweis für göttliche Nähe.
Früher nickten die Kinder nur, fromm, folgsam,
gehorsam bis ins Knochenmark.
Erwachsene hatten den biblischen Freibrief:
„Schlag zu, es ist zu ihrem Besten.“
Ob der kleine Rudolf das verstanden hatte,
der aus dem Fenster der Schule kletterte,
um sein vergessenes Pausenbrot zu Hause zu holen?
Ein Mädchen verpetzte ihn,
und der Lehrer legte ihn über die Bank.
Mit einem Haselnussknüppel,
zwei Zentimeter dick,
verpasste er ihm fünfzehn Schläge,
mit fünfzehn Gründen,
warum Kinder früher vor Erwachsenen mehr Angst hatten,
als vor jedem Monster unter dem Bett.
Auch zu Hause,
kein Trost. Kein „Was ist passiert?“
Nur ein kaltes: „Du wirst es schon verdient haben.“
Prügel als Pädagogik.
Bis in die 60er Jahre so selbstverständlich
wie Milch im Glas und Gott im Himmel.
Eltern, Lehrer, Lehrherren-
bewaffnet mit Gürtel, Stock und einer lockeren Hand.
Alltag, so wie das in der Ecke stehen, Gesicht zur Wand,
um zu lernen, dass Scham ein Werkzeug ist
und Stille eine Strafe.
Stubenarrest, Kellerarrest.
Erziehung durch Dunkelheit
mit dem Mantra: „Es wird ihnen schon nicht schaden.“
„Wir wollen doch nur ihr Bestes.“
„Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Ein Satz, wie ein weiterer Schlag ins Gesicht und Generationen haben ihn geschluckt, bis er ihnen im Hals stecken blieb.
Und heute stehen wir da, sehen zurück, und fragen uns: War das Liebe? War das Erziehung? Oder war es einfach nur Gewalt im Sonntagsgewand?

counter5xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 22.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Catarina, ich kenne noch eine alte Geschichte, die mein Opa immer zu Familienfesten zum Besten gegeben hat.
Sein Vater hatte unmittelbar neben der Schule eine Schreinerei. Mein Opa war der älteste Sohn und muss als Kind ein ziemlich aufgewecktes Bürschlein gewesen sein.
Irgendwie ist er bei seinem Lehrer in Ungnade gefallen und hatte mit dem Rohrstock des Paukers mehrere Schläge auf die Handflächen bekommen, sodass sie aufgeschlagen waren.
Der Opa ist dann heulend zu seinem Vater nach Hause gerannt.
Der Vater war so sauer auf den Lehrer, dass er mit einem Holzhammer in der Hand in die Schule gestürmt ist und dem Lehrer damit eine verballert hat.
Nicht, weil er seinen Sohn verteidigt hat, sondern weil mein Opa mit seinen aufgeschlagenen Händen die nächsten Tage nach der Schule nicht in der Schreinerei arbeiten konnte.

Eine Geschichte, die nachdenklich macht. Sehr gern gelesen!
Viele Grüße von Jo




geschrieben von Catarina am 22.06.2026:

Lieber Jo Hannes
auch in meiner Kindheit lag ein Bambusstöckchen immer griffbereit - bei meinen Schulkameradinnen waren es die Gürtel.
Die Erziehung wurde von "Schwarz" auf "Weiß" geändert. Evtl. hätte man es mit "Grau" einmal versuchen sollen.
Viele Grüße
Catarina

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