Veröffentlicht: 05.07.2026. Rubrik: Satirisches
Erziehung
Unsere Eltern haben ihren drei Kindern, also Mädchen, Junge, Mädchen (in dieser Reihenfolge) vieles für ihren späteren Lebensweg mitgegeben. Ich kann nicht für meine Schwestern schreiben, da ich nicht weiß welche furchtbaren Ereignisse sich da möglicherweise abgespielt haben. Bei mir, und das gestehe ich ohne Androhung von Gewalt jeglicher Art, war es mein Vater, der aus mir einen halbwegs guten Schachspieler machte und meine Mutter, die mir die Altersweisheit mit auf dem Weg gab, dass viel Butter das gute Sehen fördere. Nun war ich von Jugend an ein Brillenträger (kurzsichtig). Meine Mutter sagte mir immer das käme von dem vielen heimlichen Lesen unter der Bettdecke, mit Taschenlampe. O ja, ich habe schon als Kind nachhaltig gelebt und die Leuchtenergie der 40 Watt Deckenfunzel meiner Kammer nur sehr sparsam zum Einsatz gebracht und vielleicht habe ich mit meinem Verhalten dazu beigetragen, dass die DDR immerhin 40 Jahre alt wurde.
Das aber nur am Rande. Ich beschloss dem Ratschlag unseres weiblichen Elternteiles zu folgen, dem mit dem GUTEN GUCKEN. Kurz, ich bestrich die Gläser meiner Brille dick mit der damals erhältlichen Markenbutter. Immerhin wurden ja die Grundnahrungsmittel vom Staat finanziell gestützt und so fühlte ich mich durchaus auf der rechtlichen Seite…und von den Alten lernen heißt siegen lernen (oder so ähnlich) Zum einen, richtig gewonnen habe ich nicht, denn ich war damals Leistungssportler und habe es trotz Butter nie zu einer Goldmedaille gebracht, obwohl ich an ziemlich viel Wettkämpfen teilnahm. Zum anderen, nachdem ich meine Brillengläser dick mit Butter bestrichen hatte, habe ich rein gar nichts mehr gesehen. Mehr noch, selbst nach intensivsten Wischversuchen erschien alles so schlierig und unscharf. Wobei, wenn der Lichteinfallwinkel ein günstiger war, habe ich alles in Regenbogenfarben gesehen.
Fazit: Nicht in allem hatten die Erziehungsberechtigten recht oder werden es haben!
(O.R.F.)
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