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8xhab ich gern gelesen
geschrieben 2016 von StoryGirl.
Veröffentlicht: 03.12.2016. Rubrik: Historisches


Mondlandschaft

Die Sonne scheint durch das dichte Blätterdach und wirft tanzende Schatten auf den Erdboden. Die Blätter bewegen sich sacht im Wind und es herrscht eine einzigartige Stille. Sanfte Hügel und Senken erstrecken sich kilometerweit. Es könnte beinahe idyllisch sein. Wenn man nicht wüsste, was genau hier vor einhundert Jahren geschehen ist.

Die Natur hat sich alles zurückgeholt. Jeder Hügel, jede Senke ist mit Gras überwachsen. Dort wo einst das Blut in die Erde sickerte, thronen jetzt majestätische Bäume. Schilder beschreiben die Gebäude, die einst in dieser Landschaft gestanden haben. Bevor die Granaten die Ebene zerstört haben. Bevor hundert tausende Soldaten ihr Leben gelassen haben.

Man würde sich am liebsten auf den warmen Waldboden legen und der Stille lauschen. Wenn man nicht wüsste, dass um einen herum Knochen von tausenden Soldaten und Granatsplitter aus einer fast vergessenen Zeit liegen.

Man hört viele Geschichten, doch man kann sie nicht so recht begreifen. Wie könnte man es auch? Nichts an der Landschaft erinnert an die sinnlose Schlacht. Nichts außer den Steintafeln, die an Ereignisse und gefallene Soldaten erinnern.

Man sagt, dass der Boden von Blut getränkt gewesen sein soll. Dass in den Schützengräben Ratten Seite an Seite mit den toten Soldaten gelegen haben sollen. Zahlen von gefallenen Soldaten gehen einem durch den Kopf, die man nicht begreifen kann. Beschreibungen, die so schrecklich sind, dass sie einfach nicht wahr sein können. Oder?

Sie sind wahr. Jede einzelne von ihnen. Die Attacken haben den Boden zerstört, die Gase alles vergiftet und die Granaten den Boden in eine Hügellandschaft verwandelt. An manchen Stellen wachsen bis heute nur wenige Pflanzen.

Das Gebiet wird als Mondlandschaft bezeichnet. Und wenn man es sieht, weiß man auch warum.

Der Krieg hatte alles zerstört und vergiftet, die Natur hat sich alles zurückgeholt. Wenn man ganz still ist meint man noch die Geschosse zu hören. Die stummen Schreie der Gefallenen hallen über die Ebene.

Und plötzlich wird einem eng in der Brust, man muss diesen Grausamkeiten entkommen, man will einfach weglaufen. Man will fliehen, wie es die Soldaten nie gekonnt haben.

Man begreift plötzlich was der Krieg bedeutet. Wie grausam und machtvoll er ist. Verdun gleicht heute einer Mondlandschaft. Geformt durch einen Krieg, in dem es keine Gewinner gegeben hat.

Und niemals geben wird.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von metti am 05.12.2016:
Eine kurze Geschichte. Aber mehr Worte braucht sie auch nicht. Hab ich gerne gelesen.

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