Veröffentlicht: 12.08.2026. Rubrik: Satirisches
Was soll man da noch sagen?
Alles begann an einem Montag. Das Wetter war genauso trübe, wie die Stimmung im Amt – genauer gesagt, dem Amt für antidiskriminierende und gendergerechte Sprache AfagS.
Nach einem frustrierten Wochenende lag die Laune der Behördenleiterin B. Bock unter dem Gefrierpunkt und entsprechend gereizt zitierte sie ihre Mitarbeiter zu sich ins Büro.
Ohne Gruß und Vorrede kam sie sofort auf den Punkt: „Wir brauchen ein Gesetz, zum Schutz der allgemeinen Befindlichkeit, aus dem hervorgeht, dass bestimmte Wörter nicht mehr gesagt werden dürften, wobei ich nicht nur die offensichtlich diskriminierenden Worte meine, sondern auch die weniger offensichtlichen.“
Die Angestellten des Amts erwiesen sich als sehr kreativ, denn bereits wenige Monate später wurden lange Listen, mit verbotenen Wörtern, veröffentlicht und die Gespräche begannen zu stocken. Ein Satz begann flüssig, doch mitten im Wort sch… blieb er hängen, als hätte jemand dem Sprecher einen Tennisball in den Mund gestopft.
Gesetzesbrecher wurden sofort enttarnt. Da half auch alles Tuscheln nicht, so wie bei Herrn Meineid, der hinter vorgehaltener Hand geflüstert hatte: „gestern bin ich aus Versehen schwarzgefahren“.
Entsetzt blickten ihn alle Menschen, im Umkreis von 100 Metern, an. Nicht wegen des Schwarzfahrens – sondern weil ein Detektor sofort zu blinken und piepen begann.
„Man darf das nicht mehr sagen“, zischte eine ältere Dame. „Sie müssen sagen: Ich war gestern Fahrgast ohne gültigen Fahrausweis. Sonst gibt’s Punkte.“
Herr Meineid nickte schuldbewusst. Er hatte schon drei Punkte. Bei fünf würde er einen Kurs besuchen müssen: Sprachsensibilisierung für Sprachsünder. Und bei Wörtern, die mit „schwarz“ begannen, verstand die Behörde keinen Spaß. Da war Schluss mit lustig.
Aus schwarzsehen wurde„nicht autorisiertes Folgen, von öffentlichen Medien“.
Aus schwarzer Magie: „okkulte Praktiken mit dubiosen Effekten“.
Und aus Schwarzarbeit: „nicht gemeldete Erwerbstätigkeit mit steuerrechtlicher Relevanz“.
Schwarzbrot suchte man im Supermarkt vergebens, genau wie Schwarztee. Dafür gab alternativ im Sortiment: dunkles Roggenbrot und Tee aus fermentierten Blättern.
Nur beim Schwarzwald gab es bisher noch keine Einigung, aber Anlass für 47 Kabinettsitzungen, 17 Verträge mit unterschiedlichsten Beraterfirmen, Historikern, Sprachwissenschaftlern und, und, und.
Die Menschen lachten darüber – heimlich. Denn Lachen war zwar (noch ) erlaubt, aber nur, wenn es nicht um die Sprachbehörde und die Vergewaltigung unseres Sprachgut ging.
4x




