Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
hab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Weißehex.
Veröffentlicht: 21.10.2019. Rubrik: Unsortiert


Das Ehepaar von gegenüber

„Es ist genau 6.15 Uhr", verkündete eine fröhliche Stimme aus dem Radio genau in der Sekunde, als Karl Jucklen den Vorhang am Küchenfenster zurückzog, auf die Straße blickte und feststellte, dass im gegenüberliegenden Haus alle Lichter brannten. „Was für Stromverschwender", dachte er und wollte sich seiner Kaffeemaschine zuwenden, als eine Bewegung auf der Straße seine Aufmerksamkeit erregte. Frau Schnürr verließ gerade das Haus. Sie hatte ihren Koffer dabei und ging mit schnellen Schritten zum Auto.
„Verreist sie schon wieder und lässt den Alten allein zuhause", dachte Karl. Doch was ging es ihn an. Herr Schnürr war kein Kind von Traurigkeit und Karl hatte öfters beobachtet, wie während Frau Schnürrs Abwesenheit hübsche junge Frauen gegenüber ein- und ausgingen. Frau Schnürr wusste das vermutlich nicht. Aber aus solchen Sachen hielt Karl sich raus. Was ging es ihn auch schließlich an.
Er schaltete die Kaffeemaschine ein und sah, wie Frau Schnürr das Auto startete oder besser gesagt starten wollte, denn es sprang nicht an. Der Motor hustete nur kurz, dann erstarb er. Das wiederholte sich vier- oder fünfmal. Beim fünften Mal grinste Karl Jucklen vergnügt vor sich hin. Das würde wohl nichts mehr werden heute mit Wegfahren, jedenfalls nicht mit diesem Auto..... Aber auch da würde er sich schön heraushalten.
Um Frau Schnürr nicht begegnen und womöglich seine Hilfe anbieten zu müssen, ging er zum Hintereingang hinaus, um in seine Garage zu gelangen. Als er mit seinem Auto auf die Straße fuhr, stand Frau Schnürrs Auto immer noch vor dem Haus, sie selbst war allerdings nirgends zu sehen. Karl fuhr an dem Auto vorbei und registrierte, dass der Kofferraum leicht aufstand. Eine Lache von braunroter Flüssigkeit hatte sich unter dem Auto gebildet, bei dem strömenden Regen war die Farbe aber nicht wirklich zu erkennen.
„Öl verliert das Ding wohl auch noch", dachte Karl, „sieht fast aus wie Blut."
Im Haus brannten immer noch alle Lichter. Weder Herr noch Frau Schnürr waren zu sehen.
Fröhlich pfeifend, weil er es geschafft hatte, beide nicht zu treffen, fuhr er vorbei.

hab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Weitere Kurzgeschichten von diesem Autor:

Die Bibliothek war mein Zuhause
Die Ur-Ur-Ur-Enkelin
Ein 🔽 oder ist mein Leben nicht wunderbar?
Ein Kind am Missouri River
Eine wirklich schlimme Geschichte