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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von kitty.
Veröffentlicht: 20.11.2019. Rubrik: Unsortiert


Splitternackt

Seit 11 Uhr morgens liege ich schon auf dieser abgeranzten Couch. Es ist jetzt 23 Uhr. Kein Frühstück, Mittagessen oder Abendessen, und doch habe ich keinen Hunger. Schon wieder ist es ein Freitagabend. Sie sind für die Wilden und gebrochenen Herze geschaffen. Mein Herz ist auch gebrochen, aber ich verbringe meine Freitagabende, seitdem ich reden kann, auf meiner Couch. Ich sollte vielleicht aufräumen oder unter die Dusche gehen, sonst zerfallen meine Knochen noch zu Staub, aber wie gewöhnlich zünde ich mir die 10. Zigarette an. Vielleicht erlöst mich ja der Lungenkrebs, mir ist's egal. Plötzlich höre ich laute Stimmen vor meiner Wohnung und bewege ich auf meinem Balkon zu, mit der Zigarette in meinen Fingern. Die warme Sommerluft umarmt meinen steifen Körper. Es ist eine traurige Verschwendung an diesem Abend zuhause zu sein. Ich seufze, während ich Ausschau nach den Stimmen halte. Da sind sie. 4 Jungs, die schreiend auf den Fluss zu rennen. Sie reißen sich die Kleidung vom Leib und springen in das eiskalte Wasser. Für einen Moment fühlt es sich so an, als würde ich in einem Film sein. Sind sie betrunken? Herr Gott nochmal, wieso muss man sich denn betrinken, um verrückt sein zu dürfen? Meine Kippe ist alle, na toll. Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Jungs dabei zu beobachten wie sie hin und her schwimmen. Mit den grellen Sternen am Nachthimmel und dem Mondlicht, der ihre Gesichter ausmalt, fühle ich mich ganz ohne Sorgen. Ich bin so vertieft in ihnen, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie sie aus dem Wasser gekommen sind. Plötzlich liegen sie auf dem Rasen, nackt. Nun scheint der Mond auf ihre Kronjuwelen und ich muss mir mein Lachen verkneifen, weil ich eigentlich noch ein 5 jähriges Mädchen bin, doch mein Lachen verschwindet sofort, als einer der Jungen zu mir hoch schaut. Er hat meinen blick eingefangen und schenkt mir ein breites lächeln. Sogar von dieser Ferne, erkenne ich seine hell blauen Augen. Es scheint so, als würde der Mond sein Licht nun auf diesen Jungen konzentrieren. Er streckt seine Hand in den Himmel und formt ein stilles "Wow" auf seinen Lippen, dabei schaut er zu mir, um sicher zu gehen, dass mich sein Staunen erreicht hat. Ich nicke ihm zu und widme mich, genau so wie er, den Sternen zu. Plötzlich fühlt es sich genau richtig an, an einem Freitagabend auf meinem Balkon zu verbringen, denn immerhin bin ich nicht alleine. Ich habe den splitternackten Jungen auf dem Rasen.

Ich erwache zu meinem laufenden Fernseher auf meiner Couch auf.Erst räume ich die Wohnung auf, dann gehe ich duschen und zum einkaufen in die Stadt. Ich setze mich aufrecht, um den Fernseher laut zu stellen. Mein Körper erstarrt. Das Gesicht des splitternackten Jungen erscheint in den Nachrichten. Eine Träne nach der anderen landet auf meinem nackten Oberschenkel. Cosmo, so hieß er. Er ist gestern Nacht an einer Überdosis gestorben. Ich krümme keinen einzigen Finger oder Zeh. Ich weiß ganz genau, dass heute, wie jeder andere Tag verlaufen wird.

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