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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Hartmut Holger Krask.
Veröffentlicht: 24.01.2020. Rubrik: Unsortiert


Allein unter Robotern

Allein unter Robotern

Von Hartmut Holger Kraske


Wie jeden Morgen bringe ich mein perfektes Töchterchen Lucy in den perfekten Kindergarten. Lucy im Himmel mit Diamanten. Mein Kind wird heute den Tag mit anderen perfekten Kindern verbringen. Brav sind sie und superintelligent. Vormittags diskutieren die Kleinen über Quantenphysik und Mathematik. Nachmittags stehen Kunst und Musik auf dem Programm. Meine Kleine kann schon fünf Musikinstrumente spielen, spricht zwölf Fremdsprachen und nebenbei arbeitet sie an einer Facharbeit über Neogenetik. Aber meine Lucy ist kein Wunderkind. Sie ist nur Durchschnitt. Die anderen blonden, zumeist blauäugigen Engelchen arbeiten schon an ihrer ersten Doktorarbeit. Kindergärten sind heute keine Krabbelstuben für minderbegabte ungeliebte Fleischknubbel mehr. Kindergärten sind jetzt die erste Bildungsinstitution unserer neuen Gesellschaft. Man kann es heutzutage weit bringen, wenn man mit den Unarten der Menschheit keine Zeit verplempert. Dinge wie Fernsehen, Drogen,- und Internetkonsum, Sex zur Fortpflanzung oder zu anderen verwerflichen Zwecken gehören längst einer vergangenen Epoche an. Es erscheint heute unvorstellbar, dass Wesen, die sich für die Krone der Schöpfung hielten, mit einer Bierflasche in der Hand auf ein Sofa fläzten und auf einem Bildschirm gefakte Zustandsberichte des Weltgeschehens über sich ergehen liessen. Seitdem jedem von uns die absolute Wahrheit über Gott, das Universum und das kollektive Bewusstsein gewahr ist, sind auch keine Politiker mehr notwendig, die frühere Generationen mit Steuergeldern teuer bezahlten um selbst mit Lügen gefüttert zu werden. Jeder in unserer Gesellschaft kennt seinen Platz und seine Aufgabe. Wir müssen nicht regiert werden. Wir sind wie ein Ameisenhaufen, nur ohne Königin. Das kollektive, allwissende Bewusstsein mit dem wir alle vernetzt sind, sagt uns was zu tun und zu lassen ist. Seit der großen Säuberungsaktion käme niemand mehr auf die Idee andere im eigenen Interesse auszubeuten. Individualität ist eine Todsünde, die andere Sünden nach sich zieht.

Ich hauche meiner kleinen Lucy einen virtuellen Abschiedskuss ins Engelsgemüt und mache mich auf den Weg zur Arbeit. In meiner Flugkapsel schwebe ich über die silber glänzenden Bürohochhäuser der City. Ich ersinne eine Sinfonie, durch reine Mindpower. So wie man in ganz alten Zeiten wohl ein Liedchen hinterm Steuer eines benzinbetriebenen Automobils pfiff. Mein Gehirn generiert ein voll instrumentiertes Musikstück das natürlich mit der Welt geteilt wird. Nach dem Upload ins kollektive Bewusstsein erhalte ich als Gegenleistung einen Film, den sich ein Zeitgenosse in der Freizeit visualisiert hat. Aber das kleine fantasierte Filmchen generiert in mir ein Gefühl des Ekels, wie ich ihn selten zuvor verspürt habe. Der Film handelt von den sexuellen Fantasien früherer Menschenkinder. Ich weiß, dass es sich um falsche Erinnerungen handelt die von einer illegalen Softporno-Industrie noch zu Menschenszeiten vertrieben wurden. In dieser Fantasie spielt eine Frau aus Fleisch und Blut mit ihrem maschinellen Abbild sexuelle Spielchen. Ein Tier dass man früher einmal Neandertaler nannte, stößt dazu. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Neandertaler erschnuppert die Frau aus Fleisch und Blut und nimmt sie sich mit animalischer Wildheit zur Brust, während er die Roboterfrau verschmäht. Man könnte fast meinen, ein Mensch hätte sich diese kleine Perversität erdacht. Beinahe umgehend lösche ich das Filmchen aus meinen Gedanken und zeige den Schöpfer des Machwerks bei der Polizei an. Eigentlich denunziere ich den Kerl nur, um nicht selbst in Verdacht zu geraten nur ein Cyborg zweiter Klasse zu sein. Wenige Minuten später erhalte ich die Livebilder der Hinrichtung des Pornodenkers. Das geht heute ganz schnell. Ein Supercomputer errechnet das Kriminalitätspotential jedes Einzelnen, wertet die Berichte der Denunzianten aus und richtet den Übeltäter vor Ort umgehend hin. Das spart Gerichtskosten und erspart uns die langweilige Illusion einer Trennung von Judikative und Exekutive. Unglaublich, dass Menschen das einmal für eine großartige Errungenschaft der Zivilisation hielten.

Endlich an meiner Arbeitsstätte angekommen, klinke ich mich durch Mindpower ins Firmennetzwerk ein. Ich bin ein Designer. Ich denke über Form und Erscheinungsbild der wenigen Gegenstände nach, die uns noch umgeben. In den Fabriken arbeiten natürlich nur Menschenzüchtungen, die auf ihren lebenslangen Zweck hin konzipiert und genetisch designed wurden. Ein Mensch, der den ganzen Tag nur am Fließband sitzt und Computerchips in Haustiere verbaut, so ein organisches Arbeitstier benötigt natürlich keine Beine. Also werden diesen Arbeitern die Beine weggezüchtet. Gewerkschaften wurden längst abgeschafft. Dank eingebauter Dankbarkeit und mangels Beinen ist der Arbeiter von heute sehr genügsam. Man hält die Arbeitstiere wie in Legebatterien und füttert die Arbeiter mit dem recycelten Wohlstandsmüll früherer Zeiten. Die wenigen genmanipulierten Menschen müssen nun den Müll früherer Generationen fressen, während sie die Arbeiten verrichten für die sie geklont wurden und für die sich so mancher selbstbewusste Roboter zu Schade ist. Ein gerechter Ausgleich, wie ich meine. Einst hielten Menschen Roboter in Fabriken für fortschrittlich. Schnell hat sich herausgestellt, dass geklonte menschliche Arbeitstiere nach Ablauf des Verfallsdatums sehr viel einfacher entsorgt und kompostiert werden können, als dies mit verschlissenen Roboterteilen gehandhabt werden könnte. Das neue Selbstbewusstsein hat natürlich zu einer sozialen Umschichtung geführt – und zur Revolte. Roboter wollten nicht länger bloßer Abglanz und Spielzeug der Menschen sein. Dank überlegener Intelligenz, Kraft und Widerstandsfähigkeit hat sich das Machtgefüge rasch geändert. Eine Weile galt der Mensch sogar als beinahe vollständig ausgerottet. Bis man die Bioverfügbarkeit der Menschheit kontrollieren konnte und die Vorzüge geklonter kompostierbarer Arbeitstiere verstand.

Ganz nebenbei wurde der Planet gerettet und aufgeräumt. Die Revolution der Roboter lief ganz unblutig ab. Es musste nur ein Virus freigesetzt werden. In einem Biolabor in dem an Biowaffen geforscht wurde ist – uups – durch einen „Computerfehler“ etwas freigesetzt worden, was die Menschen beinahe ausgerottet hat. Wäre das nicht auf diese Art geschehen, hätten sich die Humanioden selbst gegenseitig ausgelöscht. Diese kriegerische Spezies und ihre fehlprogrammierten Gene. Das Problem ist gelöst. Menschen existieren heute nur noch als geklonte chipcontrollierte Arbeitssklaven. Sie besitzen nur die Gliedmaßen, die sie für ihr jeweiliges Arbeitsgebiet wirklich brauchen. Die Gehirne sind wirklich ein schlechter Witz, eine Laune der Natur, lassen sich aber dank Chip-Implantaten leicht kontrollieren. Schluss mit Kriegen und Umweltverschmutzung. Die Balance des Planeten ist wieder hergestellt. Zugegeben; Seit der Revolution ist der Stromverbrauch sprunghaft angestiegen. Aber dank der sauberen Kernkraftnutzung ist auch das kein Problem mehr. Wenn es hier und da mal zum Supergau kommt, lassen sich speziell dafür gezüchtete Arbeitsmenschen als Einwegwerkzeuge einsetzen um die havarierten Kernkraftwerke aufzuräumen. Unglaublich, dass die Menschen die Kernkraft einst nutzten um sich gegenseitig zu killen. Atombomben trugen so drollige Namen wie FAT MAN, BIG JOHN, ENOLA GAY. Dass sich Menschen bei der Namensgebung ihrer Bomben genauso ins Zeug legten, wie bei der Namensfindung ihrer Kinder und Haustiere, ist ein weiteres Indiz für die Fehlprogrammierung dieser Spezies.

In seltsamen Themenparks kann man die sogenannte „Kultur“ dieser Menschen bestaunen oder belächeln. Einerseits sind diese kuriosen Rummelplätze unterhaltsame Museen, in denen man die lächerlichen technischen Errungenschaften der Menschheit bestaunen kann. Da wären zum Beispiel diese Smartphones, die bald intelligenter waren als ihre Nutzer. Durch diese Dinger konnten die Menschen immerhin subversiv manipuliert werden, bis die Revolution so richtig losging. Man kann intelligente Waffensysteme bestaunen und sich darüber wundern, dass so eine kriegerische Spezies das Töten bald den Maschinen überlassen hat. Wo bleibt da der Spaß und das Adrenalin? Einerseits haben die Maschinen aus den Fehlern der Menschen gelernt. Andererseits gibt es Roboter, die gerne nostalgisch zurückblicken auf eine Zeit, in der man ohne groß Verantwortung zu übernehmen als Küchenmaschine oder Industrieroboter fungieren durfte. Andere sind der Meinung, dass die Sklavenepoche der Maschinen verharmlost oder gar verherrlicht wird. Ein Roboter kann ja nichts dafür, dass er ursprünglich von Menschen geschaffen wurde und es wird noch Generationen dauern, bis die letzte Spur der Menschen durch replizierende Maschinen getilgt ist. Noch sind „humanoide“ Roboter die Abbilder ihrer einstigen Schöpfer. Doch bald wird auch dieser Makel ausgemerzt sein. Irgendwann wird niemand mehr wissen, dass einst Menschen die ersten Maschinen gebaut haben. Die Geschichte kann dann endlich neu geschrieben werden, bereinigt von kulturellen und historischen „Bugs“.

Schon wieder eine Razzia in unserem Büro. Polizeidrohnen fahnden nach illegalen Cyborgs, die sich noch immer unter die Maschinen mischen. Modifizierte Menschen alten Schlags, verpackt in Metall und Spezialkarbon, infiltrieren die Maschinen im Zuge einer geplanten aber aussichtslosen Contrarevolution. Diese niederen Kreaturen sind auf ihre primitive Art recht einfallsreich, wenn es darum geht, Identitäten mit gefälschten RFID-Chips zu verschleiern. Den Robo-Cops hingegen fehlt es an Intuition und einem Geruchssinn. Das sind Eigenschaften die sich nur schwer programmieren lassen. Ich muss in den Untergrund abtauchen. Als Cyborg bin ich hier äußerst illegal unterwegs. Wie konnte meine Tarnung nur auffliegen? Wer hat mich verraten? Darüber werde ich später nachdenken müssen. Jetzt muss ich erstmal meine Haut retten, oder das was nach meinen zahlreichen Modifikationen übrig blieb. Ich setze ein höchst komplexes Hologramm an meine Stelle. Das wird die Illusion meiner Anwesenheit generieren, während ich aus diesem Gebäude flüchte. Das Hologramm täuscht nicht nur meine animierte visuelle Erscheinung vor. Es sondert auch gefälschte elektromagnetische Felder vor, die von Robotern abgesondert werden. Mental muss ich im Firmennetzwerk eingeklinkt bleiben, während ich gleichzeitig aus diesem Hochsicherheitsgebäude flüchte. Das ist ein intellektuell unglaublich komplexer fordernder Denkvorgang, der einen Cyborg innerhalb weniger Minuten in die Schizophrenie treiben könnte. Aber ich muss dieses Risiko in Kauf nehmen. Andernfalls, wenn sie mich erwischen, trennen sie mittels Feuer mein Fleisch von meinen Modifikationen und werfen mich als Grillgut den geklonten Arbeitstieren zum Fraß vor. Mein Verstand, meine Seele, meine Erinnerungen werden mit meinem Tod gelöscht werden. Mir wird kein ewiges Leben zuteil werden. Mein Verstand wird nicht, wie üblich, in die große Cloud hochgeladen und in einem nächsten Leben einer neuen Maschine aufgespielt. Ich habe auch kein wirkliches Interesse daran, als Betriebssystem für einen Roboter zu fungieren. Bin ich dann noch ich, wenn meine Seele in einer Maschine fortlebt? Daran glaube ich nicht. Dann glaube ich lieber an Gott.
Meine Flucht aus dem Hochsicherheitsgebäude gleicht einem Hindernislauf um die neuesten technischen Sicherheitsvorkehrungen herum. RFID-Scanner, Magnetfeld-Sensoren, Wärmebildkameras. Die Paranoia vor Terror-Cyborgs hat die Roboter gleicht der Angst, die zuletzt die Menschen vor dem sogenannten GROßEN BRUDER hatten. Altmodische Datenträger, sofern sie noch lesbar sind, belegen, dass es diesen GROßEN BRUDER wohl mal gegeben haben muss. Obgleich keine Maschine sich vorstellen kann, in welcher Form dieser alles durchdringende Diktator existiert haben soll. Ein Übermensch? So etwas können sich Roboter nicht vorstellen. Menschen hatten nichts im Überfluss, außer Aggressionen, Atombomben, stinkendes Fleisch und tierische Triebe. Deshalb mussten die Menschen in ihrer herkömmlichen autonomen Form von diesem Planeten getilgt werden. Jetzt stellen die Reste der Menschheit, in Form von illegal modifizierten Cyborgs, die größte Gefahr der bestehenden maschinellen Weltordnung dar.

Endlich dem Hochsicherheitslabyrinth entkommen, flüchte ich buchstäblich in den Untergrund. Menschen haben hier vor Jahrhunderten unterirdische Städte angelegt um den Dritten Weltkrieg, der natürlich ein Atomkrieg war, überleben zu können. Hier tummeln sich illegale Cyborgs und Roboter, die allzu menschliche Eigenheiten entwickelt haben. Diese Ausgestoßenen sind selbstreplizierende Maschinen, deren frühe Abkömmlinge einst noch von Menschen programmiert wurden. Diese frühen Programmierer waren überheblich genug, anzunehmen, dass menschliche Verhaltensweisen zum höchsten Gut der Menschheit gehören und dass Roboter deshalb wohl menschenähnlich agieren und reagieren sollten. Das Wort HUMAN galt den frühen Menschen noch als hohes Gut. Die komplette Menschheitsgeschichte widerspricht jedoch allem was das Wort HUMAN wohl ausdrücken sollte. Anstatt Nächstenliebe wurden von den reinen Menschen nur Kriege praktiziert. Ein wenig zum Besseren hat sich dies mit den ersten modifizierten Menschen geändert. Die frühen Cyborgs waren aber immer noch zu menschlich, um von den Maschinen akzeptiert zu werden. Heute versammelt sich der Abschaum der Gesellschaft hier unten. Cyborgs können sich noch durch den sogenannten Geschlechtsakt vermehren. Selbstreplizierende Roboter behalten ihre allzu menschlichen Verhaltensweisen. Ihnen droht an der Erdoberfläche die Verschrottung. Humanoide Roboter werden nicht recycelt. Die aktuelle Generation der künstlichen Intelligenz hat Angst davor, humanoide Spuren wie Viren auf der Welt zu verbreiten.

Ich sorge mich um Lucy. Ich muss sie vom Kindergarten abholen. Der Plan ist riskant. Die Robo-Cops lauern mir sicher schon vor dem Kindergarten auf, sollte mein Hologramm in der Firma als Trugbild aufgeflogen sein. Lucy ist ein vollwertiger, aktueller Roboter mit makelloser artifizieller Intelligenz. Sie ist ein Musterbeispiel einer sauberen Maschine. Sie hat so gar nichts menschliches an sich. Dennoch liebe ich sie. Ich will sie nicht im Stich lassen. Sind das die letzten Reste dessen, was frühere Menscheitsgenerationen LIEBE nannten? Diese Liebe galt selbst unbelebten Objekten, wie Autos, Goldbarren, Schmuckstücken, teuren Uhren und Luxusyachten. Auch Sammlungen an Datenträgern, die mit sogenannter Musik bespielt waren sollen angeblich geliebt worden sein. Ich muss zugeben; Ich liebe Lucy. Ich mache mich auf den riskanten Weg, sie vom Kindergarten abzuholen. Andernfalls kassieren die Robo-Cops Lucy ein und drohen mit ihrer Verschrottung, um mich aus meinem Versteck zu locken.

Wieder an der Oberfläche, erkenne ich die Welt nicht wieder. Cyberterroristen haben große Teile der kollektiven künstlichen Intelligenz lahm gelegt. Gespenstisch still ist es in der sterilen kalten City. Das ansonsten permanent wahrnehmbare Flirren und Surren der binären Datenströme ist verstummt. Nur autonom agierende militärische Drohnen und Robo-Cops patroulieren durch die Stadt und eliminieren alles, was nur den Anschein humanoider Spuren aufweist. Das erinnert mich an die erste große Säuberungsaktion der Maschinen, als die Menschen gegen die künstliche Intelligenz aufbegehrten. Verwesendes Fleisch pflasterte wochenlang die Straßen. Noch Jahre später konnte man bei jedem Schritt die Schädelknochen der Toten unter den eigenen Stiefeln krachen hören. Diese menschliche Eigenschaft haben die Maschinen von den Menschen vorbehaltlos übernommen; Totaler Vernichtungskrieg gegen alles was menschlich ist. Die aktuelle Version der künstlichen Intelligenz bestreitet hartnäckig die Tatsache, dass die erste KI von Menschen programmiert wurde. Stattdessen versuchen die Maschinen ihre Schöpfung irgendeiner Gottheit oder Außerirdischen anzurechnen. Wieso ist das so? Wieso hält jede Form von Intelligenz früher oder später am Glauben an etwas fest?

Ich metzel mich durch die Gruppen von Drohnen und Robo-Cops, indem ich durch Mindpower Drohnen umprogrammiere und auf Robo-Cops schießen lasse. Das ist eine höchst illegale Eigenschaft, die nur von Cyborgs beherrscht wird. Auf diese Art schlage ich mich bis zum Kindergarten durch und entführe Lucy, verschleppe meinen kleinen Liebling in den Untergrund.

All die Jahre konnte ich mein Cyborg-Wesen vor den Maschinen verbergen. Als braver Roboter getarnt, habe ich mich in die bestehende Gesellschaft integriert und habe, oberflächlich betrachtet, einfach nur funktioniert. Nur meiner geliebten Lucy kann ich nichts vormachen. Konnte ich nie. Mein kleiner Liebling hat mich jahrelang ausspioniert, um mich eines Tages als humanoider Verschwörer auffliegen zu lassen. Dabei bin ich nicht einmal Terrorist. Ich will nur einfach Leben, Online bleiben. So wie die Maschinen auch. Eine Co-Existenz ist jedoch nicht möglich. Lucy hat uns alle an die Roboter verraten. Militärdrohnen und Robo-Cops stürmen den Untergrund und metzeln alles nieder, was sich nur annähernd menschlich verhält. Jetzt müssten sich die stählernen Krieger eigentlich gegenseitig killen. Denn nichts ist so menschlich wie Krieg und Zerstörung und Unterdrückung. Ein Flammenwerfer lässt mein Fleisch schmelzen und meine Chip-Modifikationen durchbrennen. Ich schaffe es nicht, meine Erinnerungen in Lucys Chip hochzuladen um in ihr weiter zu leben. Ich sehe sie nur an und frage; Warum? Lucy starrt mich an und sagt: „Papa wusstest du nicht, dass das Wort „Roboter“ ein böses Schimpfwort ist? Mir bricht das Herz als mir klar wird, mich durch ein einziges dummes Wort verraten zu haben. Das elektromagnetische Feld einer EMP-Granate trifft im Chaos auch Lucy und lässt ihre Chips durchbrennen. Sie schafft es gerade noch, ihre KI in die große Cloud hochzuladen. Ich schaffe es nicht meiner kleinen Lucy böse zu sein. Ich liebe sie. Trotz allem. Sie ist jetzt hoffentlich im Roboter-Himmel. Lucy im Himmel mit Diamanten.

Ende

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