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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Weißehex.
Veröffentlicht: 13.02.2020. Rubrik: Satirisches


Darauf haben alle gewartet

Die Probe lief gut. Trotzdem hatte Leo Schultze ein unbehagliches Gefühl, als er in die Bütt kletterte. Etwas würde doch bestimmt noch schief gehen..... Und da kam das Unheil auch schon in Gestalt von Zacharias Zimmer, einer der Mitglieder des Elferrats, um die Ecke. Zimmer steuerte auf ihn zu.
„Herr Präsident,.... " begann er.
„Lass den Quatsch, so brauchst du mich nur während der Sitzung anzusprechen", raunzte Schultze ihn an. „Was gibt es?"
„Unsere Prinzessin hat sich den Fuß gebrochen."
Schultze hatte es doch gleich gewusst, das war alles viel zu glatt gelaufen. Etwas hatte ja noch in letzter Minute passieren müssen.... Konnte diese dumme Pute nicht auf ihre Füße aufpassen?
„Verdammte Scheiße", sagte er. „Und was machen wir jetzt?"
„Ich dachte, das würdest du uns sagen, Leo. Du bist doch der Präsident."
„Das weiß ich auch", knurrte Schultze ungehalten. „Ich werde eine andere Prinzessin finden müssen. Macht der Prinz wenigstens noch mit?"
„Leider nicht. Er meinte, mit einer anderen Prinzessin als seiner Frau will er nicht auftreten."
Schultze seufzte. „Wunderbar, dann kann ich ja noch ein ganzes Prinzenpaar aus dem Hut zaubern."

Noch für den gleichen Abend berief er eine Sitzung des Elferrats ein mit dem Hinweis an alle, dass diese unglaublich wichtig sei und
jemand nur mit gutem Grund fehlen sollte. Es erschienen tatsächlich alle.
„So, Leute, wir müssen ein neues Prinzenpaar finden", begann Schultze die Sitzung.
„Das klappt doch nie", äußerte sich Kurt Kramer, „so kurz vor der ersten Kappensitzung. Wer soll das denn machen? Es war ja schwer genug, das letzte zu finden."
„Wie wäre es, wenn dein Sohn den Prinzen macht?" meldete sich Zacharias Zimmer zu Wort.
„Mein Sohn?" Kramer schaute entgeistert in die Runde.
„Soviel ich weiß, hat er mal erwähnt, dass er sich zur Verfügung stellen würde. Mit seiner Frau. Wenn es kein anderer macht", sagte Zacharias Zimmer.
„Ich kann mich auch daran erinnern", erklang eine andere Stimme und dann riefen alle durcheinander, dass Kramers Sohn genau das gesagt habe. Garantiert.
„Also gut, ich werde ihn fragen", versprach Kramer resigniert.
„Gut." Schultze nickte bekräftigend. „Dann hatte sich letztes Jahr noch ein Paar gemeldet. Die hatte ich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Er soll mal gerne einen über den Durst trinken und sie..... Naja, sie ist.... halt.... ach, ihr wisst schon. Etwas zu aufgemotzt."
„Soll auch leicht zu haben sein", warf Zimmer ein. „Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber es würde wohl unserem Ansehen schaden."
„Ach, im Karneval ist alles erlaubt", meinte Martin Flanke, der sich bis jetzt kaum zu Wort gemeldet hatte, und alle lachten.
„Also", fasste Schultze zusammen, „ich denke, wir werden trotzdem beide Paare fragen, also Kurts Sohn und seine Frau und dieses andere Pärchen. Sie hatten sich ja auch um diesen Posten beworben und wenn sie jetzt hören, dass das ursprünglich gewählte Prinzenpaar ausscheidet, dann fragen sie sich natürlich, warum man ihnen nichts gesagt hat. Das geht so natürlich nicht."
Es erfolgte zustimmendes Murmeln.
„Also dann werde ich beide Paare fragen und danach treffen wir uns zur Abstimmung übermorgen wieder hier. Die Sitzung ist geschlossen."

Am übernachsten Abend war der gesamte Elferrat wieder vollzählig versammelt. Schultze eröffnete die Sitzung und nur eine Sekunde später bat Kramer darum, das Wort erteilt zu bekommen.
„Ich habe ein Anliegen", begann er danach. „Mein Sohn möchte der Sitzung zugeschaltet werden. Geht das in Ordnung?"
„Aber sicher", Schultze war sichtlich angetan. „Eine tolle Idee."
„Moment." Kramer drückte auf seinem Handy herum. Alle konnten hören, wie es in der Leitung tutete und sein Sohn sich schließlich meldete. „So, wir sind in der Sitzung und ich habe dich auf Lautsprecher geschaltet", sagte Kramer stolz.
„Was will er denn eigentlich?" Der Einwurf kam von Flanke.
„Er will wissen, ob wir ihn wählen", erklärte Kramer. „Also ob er gegen das andere Pärchen eine Chance hat, das will er vor der Wahl wissen, sonst tritt er nicht an."
„Was soll das denn?" Flanke schien völlig entgeistert zu sein. „Ich denke, wir machen eine geheime Wahl? Und außerdem ist es doch Blödsinn. Wenn er jetzt fragt, ob wir ihn wählen, hat er sich doch schon zur Wahl gestellt."
Zwischenrufe waren zu hören. „Genau, was soll das" und: „Das ist ja unglaublich."
„Leute, Leute, beruhigt euch!" Schultze breitete die Arme aus. „Kurt hat mich ja vorher informiert. Ich habe in den Statuten unseres Vereins nachgeschaut. Da steht ausdrücklich, wenn sich zwei Parteien zur Verfügung stellen, dann wird in demokratischer Abstimmung entschieden, wer gewinnt. Und was ist schon verwerflich daran, wenn einer vorher wissen will, ob er eine reelle Chance hat?"
„Schuld ist eigentlich sowieso meine Schwiegertochter", meldete sich Kramer zu Wort. „Sie will sich nicht blamieren, wenn sie nicht gewählt wird. Sie will also, dass das alles geheim bleibt, falls das andere Prinzenpaar in spe gewinnt."
„Oh!" Flanke schien unangenehm überrascht zu sein. „Das geht sowieso nicht mehr. Ich habe es meiner Frau schon erzählt."
„Du Klatschweib!" Kramer sprang auf. „Wenn es deine Frau weiß, wissen es sowieso alle. Wahrscheinlich erzählst du ihr auch noch, wer nicht für meinen Sohn gestimmt hat! Allerhand!"
„Du solltest dich schämen!" stimmte Schultze zu und auch alle anderen waren empört.
„Nur gut, dass mein Sohn alles gehört hat", trumpfte Kramer noch auf, ehe er sich auf ein energisches Zeichen von Schultze wieder setzte.
„Also wir stimmen jetzt ab", begann Schultze in feierlichem Tonfall. „Wer ist für Kurts Sohn und seine Frau?" Alle Hände flogen hoch, nur Flanke rührte sich zunächst nicht. Bis er einen Rippenstoß von Zimmer bekam. Daraufhin flog auch sein Finger in die Luft.
„So, elf Ja-Stimmen. Das Ergebnis ist eigentlich schon klar. Aber ich muss trotzdem fragen: Wer stimmt für das andere Paar?"
Niemand hob den Finger.
„Gut", Schultze war sehr zufrieden. „Kurt, dann kannst du.... " Er kam gar nicht dazu, auszureden, denn Kurt sprach schon in sein Handy. „Du hast gewonnen!"
Laut und deutlich erklang die Stimme aus dem Handy: "Haben mich alle gewählt?"
„Ja! Einstimmig!"
„Auch der, der seiner Frau alles erzählen wollte?"
„Klar! Alle!
„Dann nehme ich die Wahl nicht an. Von so einem lasse ich mich doch nicht wählen."
Klack! Die Verbindung war unterbrochen.
„Jetzt können wir nochmal von vorne anfangen", ärgerte sich Schultze. „Ich will ja nichts sagen, aber das finde ich doch reichlich albern."
„Ach was, er hat völlig recht", jetzt sprach Zimmer, „man kann sich nicht von jedem wählen lassen. Das Ganze kommt sowieso davon, dass du deinen Laden nicht mehr im Griff hast."
„Das brauche ich mir nicht bieten zu lassen!" Schultze lief puterrot an. „Du bist doch dran schuld, dass Flanke mit dafür gestimmt hat! Du hast ihn angestoßen, das haben alle gesehen."
„Dann hättest du das mal gleich für ungültig erklären sollen! Aber du hast ja mal wieder gar nichts gemacht! Weißt du was, Leo, du solltest umgehend zurücktreten!"
„Ich denke nicht daran!" schrie Schultze, und sein Gesicht wurde, sofern das möglich war, noch röter.
Und jetzt redeten alle durcheinander. Bis Schultze schließlich völlig erschöpft die Sitzung aufhob. „Das reicht für heute."

„Dieses Jahr haben wir wohl kein Prinzenpaar", erzählte Flanke später seiner Frau. „Und wahrscheinlich muss Leo zurücktreten."
„Ja? Ich glaube, darauf haben alle gewartet", sagte seine Frau.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Christine Todsen am 13.02.2020:
Ich musste es zweimal lesen, bevor ich es einigermaßen verstand... Parallelen zu Thüringen sind wohl rein zufällig? ;-)




geschrieben von Weißehex am 13.02.2020:
Aber sicher, Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen sind rein zufällig. Ist ja auch eine vollkommen absurde Geschichte....

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