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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Brigitta.
Veröffentlicht: 24.04.2020. Rubrik: Persönliches


Sprachbarrieren II

Wir waren in Frankreich an der Atlantikküste und hatten Hunger, aber keine Lust auf's Köcheln.
Wir entschieden uns auswärts essen zu gehen, unsere "bescheidenen" Kriterien: einen Tisch mit schönem Blick auf's Meer, eine schlichte Auswahl an Speisen, angemessene Preise und einen netten Service.
Wir wurden tatsächlich fündig und ein Tisch für vier Personen war schnell gefunden.

Wir erhielten die Speisekarten zum Sondieren und es folgte ein kurzer Smalltalk mit der Servicekraft. Hinzufügen muss man an dieser Selle noch, dass unsere beiden Mädels der französischen Sprache mächtig waren, aber sich nicht trauten auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Eines der Phänomene, die mit der Pubertät einhergehen... Ich dagegen, notgezwungenermaßen, traute mich, besitze allerdings nur einen rudimentären französischen Sprachschatz.

Die weibliche Servicekraft war sehr nett, fragte woher wir kämen, was uns an diesen Ort führen würde... und... letztendlich, gemäß meinem Verständnis, äußerte sie ihr Bedauern keinerlei Deutschkenntnisse vorweisen zu können, dies aber baldigst in Angriff nehmen zu wollen.

Nach unserem Geplänkel nahm sie schließlich die Getränkewünsche auf:
"ein Bier, eine Cola, ein Wasser und....!"- Und ich startete mit meinem "Deutschkurs" für Servicekräfte, für Anfänger:

Sie: "Boissons?"- Ich:"Getränke ?". Sie schaute mich fragend an. Ich wiederholte das Wort: "Geeträäänke"... langsam und deutlich. Die deutsche Sprache ist schließlich nicht einfach, insbesondere die Aussprache der Umlaute.
Sie machte keinerlei Anstalten dieses Wort zu wiederholen. Ich startete erneut: "Geeträäänke", klar akzentuiert und deutlich. Ein Moment der Stille verstrich. Statt einen Ausspracheversuch zu starten ging sie nahtlos in das nächste Kapitel über. Sie: "Vin blanc?"- Ich: "Weisswein". Erneute Pause, ich wiederholte: "Weisssswein". Sehr langsam, freundlich, aber auch ein wenig bestimmter. Vielleicht war ich einfach zu leise... Ich wiederholte erneut, nun ein wenig lauter.

Scheu war sie, ein einziger Versuch hätte mir schon genügt, sie traute sich einfach nicht, stattdessen folgte die nächste Frage: "Vin rouge?"
Ich blieb bei meinem Konzept: "Rooootwein"... Pause.... "Rooootwein!".

Sie verließ abrupt den Tisch und wandte sich plötzlich anderen Gästen zu, auch ihr Lächeln und ihre anfänglich freundliche Art waren komplett verschwunden. Ich war mir keiner Schuld bewusst und wandte mich verzweifelt meinen Lieben zu. Die beiden pubertierenden Mädels lagen buchstäblich unterm Tisch vor Lachen, kein Wunder, dass sich die Servicekraft nicht getraut hatte auch nur ein einziges Wort zu wiederholen: Respektloses Verhalten! Ich war empört.

Als ich dies den beiden Mädchen kundtat wurde aus dem Lachen sprichwörtlich ein Grölen, die Tränen liefen ihnen die Wangen herunter. Ich konnte es nicht nachvollziehen, nicht verstehen. Was war das für ein ungebührliches Verhalten, was hatte ich in der Erziehung falsch gemacht?

Irgendwann, nach gefühlt unendlichen Lachsalven, verstand ich endlich was sie mir versuchten tränenerstickt mitzuteilen: " Mama, sie wollte einfach nur wissen...was Du trinken möchtest!"

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Weißehex am 10.06.2020:

Ich habe in Frankreich die Erfahrung gemacht, dass sich niemand mit meinem Schulfranzösisch abgeben wollte, aber auch kein Franzose Lust hatte, mit mir Deutsch zu reden. Kaum hatte ich ein paar Worte gesagt, kam unweigerlich der Satz: "Can you speak English". Nur damit kann man dort Punkte machen, wenn man Französisch nicht beherrscht. Hübsche Anekdote!

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