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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von RudiRatlos.
Veröffentlicht: 23.05.2020. Rubrik: Unsortiert


die SonnenscheinTulpe

Jeden Morgen der selbe Weg zum Busbahnhof. Ich gehe zwischen den Bauten dieser seelenlosen Wohnblocksiedlung. Tag für Tag, Woche für Monat und das schon ungezählte Jahre.

Kein einziger Baum weit und breit, kein Vogelgesang. Weder Hund, Katz noch andere Leute sind um diese Zeit unterwegs ... Trostlosigkeit heißt die Farbe dieser Gegend.

Alles gleicht dem Abziehbild eines Schwarz-Weiß-Fotos. Und mein Leben einer sich immer wiederholenden Schallplatte.

An der nächsten Kreuzung bemerke ich im ErdgeschossFenster eines Wohnhauses den starren Blick einer alten Frau. Ist sie echt, könnte man denken - so unbewegt, wie sie da steht. Ihr Blick zielt ins Leere, ins Niemandsland.

Ich erlaube mir zu halten und schau eine Weile hoch zu ihr. Eine halbe Minute kann so lang sein - je nach den Umständen.

Viele Tage wiederholt sich dieses Bild, bis ich mich dazu überwinde, der Frau hinter dem Fenster einen WinkGruß zu schicken.

Die Frau erwidert zaghaft, ohne jedoch ihre aussaglosen Gesichtszüge zu verändern.

Nach weiteren Tagen entschließe ich mich, ihr ein Lächeln zukommen zu lassen. Wohl aufgrund der inzwischen gewachsenen Vertrautheit lächelt auch sie. Wie lange sie wohl in ihrem Leben schon nicht mehr gelacht hat ...

Schließlich sind Wochen vergangen und ich fasse den Entschluss, der Frau eine kleine Freude zukommen zu lassen. Mit einer gelben Tulpe erscheine ich eines Tages vor ihrem Fenster.

Mit gelben Tulpen kann man in der Blumensprache eigentlich keine Fehler machen: sie bedeuten 'ein Lächeln wie der Sonnenschein'.

Die Fensterflügel, sie starren mich an, als wollten sie mir etwas sagen. Aber selbst sehend: der Platz dahinter, er ist leer.

Die Blume.
Sie verabschiedet sich aus meiner Hand und gerät unter meine Schritte.

Vor dem Wohnblock ist ein schwarzes Auto mit Vorhängen an den Scheiben abgestellt - die Heckflügeltüren stehen auf.

Die Männer tragen den Sarg zum Fahrzeug, laden ihn darin ab und schließen die Türen, bevor sie los fahren.

Hätt' ich die alte Frau besser gekannt, müsste ich jetzt weinen. Aber so: GemütsTränen verlassen mein aufgewühltes Inneres, die niemand sieht.

Ich begeb mich schleppend nach Hause und stell mich ans Fenster. Suchend, wo nichts mehr ist ...

Unten an der Straße steht ein Kind, das ich erst gar nicht bemerkt habe.

Es lächelt zu mir hoch und winkt ...

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