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geschrieben von DER WORTKOTZER.
Veröffentlicht: 03.09.2020. Rubrik: Menschliches


DIE SELBSTMÖRDER-WG (1)

Es gab einmal eine WG, in die ausschließlich Personen aufgenommen wurden, die einen gescheiterten Selbstmordversuch hinter sich hatten.
Irgendwann allerdings gab es diese WG nicht mehr.
Das letzte übriggebliebene Mitglied erinnert sich.

3 Episoden von 10.


EPISODE 1:


Tod durch Erschießen

Eine Todsichere Angelegenheit wenn man weiß wie es geht. Ich weiß es. Ein Problem gibt es trotzdem. Das Erstehen einer geeigneten Waffe. Kurz erwäge ich nach Amerika auszuwandern, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Wochen später werde ich auf einem Trödelmarkt fündig. Ich täusche Interesse an alten Waffen vor und ergattere schließlich einen antiken Revolver, der noch aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs stammen musste, mitsamt einer Patrone in einer schmucken Holzschatulle. Auf die Frage des Verkäufers hin, wie viele Sammlerstücke ich denn schon so in meinen Regalen aufbewahren würde, verabschiede ich mich höflich und gehe meines Weges. Zuhause angekommen unterziehe ich das gute Stück erst einmal einem heißen Bad mit etwas Spülmittel und Backpulver versehen, worin es sich eine Nacht lang in Ruhe vom Dreck und Rost befreien kann. Aus Angst ihn nachher nicht mehr zusammensetzen zu können, lasse ich den Revolver so wie er ist. Neugierig sehe ich am nächsten Morgen nach dem Resultat. Wundervoll! Er blinkt und glänzt wie die Englischen Kronjuwelen! Der Patrone gebe ich ganz vorsichtig mit meiner Zahnbürste ihren letzten Schliff und lege alles auf einen kleinen Beistelltisch neben meinem äußerst bequemen Lieblingssessel. Das da wäre: Der Revolver, die Patrone, einen Kopfhörer mit Außengeräuschunterdrückung und ein Glas Bananenmilch. Ich denke der Revolver und die Patrone sind klar. Der Kopfhörer, wenn man sich seine spezielle Zusatzfunktion mal so richtig durch den Kopf gehen lässt, wohl auch. Bleibt noch das Glas köstliche, selbstgemachte Bananenmilch. Natürlich werde ich mir nicht, wie es wahrscheinlich die meisten Suizidalen machen, seitlich versuchen die Rübe wegzupusten. Nein! Ich schieße mir in den Mund! In den gefüllten Mund! Kleiner Tipp an alle, die jetzt vielleicht auf den Geschmack gekommen sind. Apropos Geschmack. Wer keine Bananenmilch mag, kann sich auch gerne für etwas anderes entscheiden. Ein Bier, eine Coke oder einen farblich passenden Tomatensaft vielleicht. Ich mag Bananenmilch! Den Revolver geladen, den Kopfhörer aufgesetzt, den Mund ein letztes Mal so richtig voll genommen, setze ich die Waffe an. Als mich ihre Mündung aufgrund eines Tete-a-tetes mit meinem Gaumenzäpfchen gerade zu einem in diesem Augenblick aber auch so ganz und gar überflüssigem Brechreiz überreden will, drücke ich ab. Kawumm! Mitsamt meines Lieblingssessels kippe ich langsam nach hinten. Da die Lichter auch Sekunden später immer noch nicht ausgehen, muss irgendetwas schiefgegangen sein. Vorsichtig öffne ich meine Augen. Zuerst kann ich aufgrund starker Rauchentwicklung nur wenig erkennen. Dann aber ist mir alles klar. Der Schuss war im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgegangen und hatte mir den Daumen samt halben Zeigefinger meiner rechten Hand weggerissen. Auf die Nachfrage des diensthabenden Arztes im Krankenhaus, wie das denn passiert wäre, antwortete ich nur lapidar, dass sich beim Putzen der Waffe wohl versehentlich ein Schuss gelöst haben müsse.

Hätte ich sie nur vorher einmal richtig auseinandergenommen!


BECU

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Leo Wisch am 25.09.2020:
naja, alter Schwede, Pech gehabt, da du /er noch immer unter uns weilst, gibt's noch andere Sternstunden? Autobahnbrücke in Hütteldorf, Todsicher, leider hat es eine meiner Bekannten 1986 gemacht, direkt vor einen LKW. Zwischen den Zwillingsreifen soll ihr Kopf gesteckt haben. Ja warum? HIV Test war positiv.

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