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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von francois.
Veröffentlicht: 27.11.2020. Rubrik: Unsortiert


BRAND

Wo brennt es? Zu erfahren in meiner Wochengeschichte:

BRAND
Als Reporter für unser Lokalblatt habe ich mich mit zahlreichen Themen, Ereignissen und auch versteckter Werbung die man mir unterjubeln will, zu beschäftigen. Aber ich will mich nicht beschweren. Es existieren weitaus schlimmere Berufe. Berufe die nur Träumer ergreifen können, wie Strassenwischer, Skilift Aufbügler, Holzhacker und was deren mehr sind. Immerhin wird mir mein Beruf, nein, es ist Berufung, nie leid. Das Wort Langeweile ist ein Fremdwort erster Güte das in meinem Wortschatz nicht vorkommt, für mich und meine Tätigkeit als ein Tabu Ausdruck in meinem Hirn geführt wird. Und trotzdem, es gibt Spannenderes und weniger Aufsehenerregendes über das ich im Auftrag unseres Chefs zu berichten habe, um genau das Tabuwort auch bei unserer Leserschaft nicht aufkommen zu lassen. Heute Morgen, an diesem verregneten Herbsttag an dem die Blätter der Bäume der Erdgravitation zum Opfer fallen, setzt in der verrauchten Redaktionsküche der Boss meinen Wochen-, möglicherweise gar den Monatshöhepunkt, in dem er mich beauftragt den Feuerwehrkommandanten über seine Erfahrungen zu befragen. Und das ohne zu wissen, dass mein Traumberuf, der seit Kindheitstagen in meinem Hirn ein niedermüpfiges Dasein lebt, Feuerwehrmann ist.
So ziehe ich wohlgemut mit meinem alten Damenfahrrad, es ist in meinem fortgeschrittenen Alter leichter zu besteigen, dem Feuerwehrhaus entgegen, den Rauchgeruch der Redaktionsstuben dabei hinter mich lassend, auf rauchige Geschichten hoffend, die ich dann wohltemperiert der Druckerschwärze überlassen kann. Mein Herz beginnt mit der Annäherung an meinen Wunschberuf unbändig zu hämmern, als ob es eine Feuerwehrpumpe zu klonen gälte. Trete ein. Werde von einem glücklich aussehenden jungen Mann, klar der hat seinen Traum erfüllen können, zum Chief gebracht, mir dabei erklärend, dass Chief schlicht besser klinge als Kommandant oder Chef. Dieser sitzt in seinem Office, das Wort Büro wage ich nicht einmal zu denken, hinter einem mächtigen, bereits in die Jahre gekommenen Schreibtisch, den Dutzende von Spielzeug Feuerwehrwagen zieren. Er begrüsst mich freundlich, strahlt Stolz aus, dass seine Person Bedeutung besitzt. Erklärt mir als Erstes, dass auf seinem Desk keine Spielzeug- sondern Modell Autos, alle 1:43, stünden, nicht etwa zum Spielen, sondern gesponsert und überreicht von allen Herstellern solcher Trucks. Ich nicke anerkennend, lobe die Auswahl, setze mich gedanklich in jedes einzelne der Fahrzeuge. Rase mit ihnen, Blaulicht grosszügig verteilend, kakophonische Töne ausstossend, natürlich nur in meinem inneren Ohr vernehmend, virtuell rund um die Schreibtischplatte, dabei Hindernisse wie Tintenfass, Stiftbehälter, Löschblattwippe elegant umkurvend. Befrage dabei mein gegenüber über seinen eindrücklichsten Einsatz der langen Jahre als Haupt der Feuerwehr. Er kratzt sich, in seinen Erinnerungen grabend, am linken Ohr, was eines meiner rasenden Feuerwehr Trucks vollkommen durcheinander bringt, es über die Tischplatte hinaus schiessen lässt. Glücklicherweise nur virtuell, sodass der Chief nichts davon bemerkt und zu erzählen beginnt:
„Wenn Sie mich so fragen, ja dann war das vor sechs Jahren, drei Monaten und zehn Tagen. Sie sehen das Ereignis hat sich in min Hirn eingebrannt. Auf der Notrufnummer bekam ich einen hoch aufgeregten Mann zu hören der mich von einem Grossbrand unterrichtete der ganz in unserer Nähe, er nannte die Adresse, ausgebrochen, schon lange schwele, nun aber nicht mehr zu ertragen sei. Dann war die Leitung unterbrochen. Tot. Ich hatte zu entscheiden. Sah aus dem Fenster. Wunderte mich keinen Rauch zu erkennen. Nun, es gibt Feuer die kaum Rauch erzeugen, so löste ich, der aufgeregten Stimme des Mannes trauend, Grossalarm aus. Mit allen fünf Löschfahrzeugen, dem gesamten Löschzug, rasten wir der nahen Anschrift entgegen. Sprangen aus den Trucks, ich aus meinem Kommandowagen, legten augenblicklich Leitungen, konnten aber keinen Brandherd entdecken. Da kam uns ein in sich zusammengesunkener Mann entgegen. Zitterte am ganzen Leib. Lüftete vor mir seinen Schlapphut und berichtete mir er wisse sich nicht mehr zu helfen. Das Problem mit seiner Frau brenne ihm so unter den Fingernägeln. Ein Grossbrand! Er habe das ganze Haushaltsgeld in einem illegalen Spielclub beim Pokern verloren. Traue sich nicht mehr nachhause. Ob ich ihn begleiten würde. Was ich dann auch tat.“
Glücklich verliess ich darauf den Kommandanten mit einer unüblichen, aber menschlichen Feuerwehrgeschichte beladen den Raum, nicht ohne eines der Modelle beim Danken elegant in meine rechte Manteltasche gleiten zu lassen, mir dabei zuredend, das sei ein Mundraub, denn ein Hungernder, auch wenn nicht nach Nahrung, sondern nach Befriedigung seines Traumes lechzend, begehe bei dessen Erfüllung nichts Rechtbrechendes ...

Eine angenehme und gesunde Vorfestzeit wünscht
François

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