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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Oliver Kästner (Ben Warrik).
Veröffentlicht: 11.03.2021. Rubrik: Märchenhaftes


Hänsel und Gretel in Berlin

Es war einmal ein armer Gullyreiniger, der mit seinen Kindern, Hänsel und Gretel, am Rande von Neukölln lebte. Ihre Mutter war gestorben. Der Vater hatte wieder geheiratet, da die Küche besetzt werden musste.

Eines Nachts hörten die Kinder, wie die Stiefmutter zum Vater sprach: “All unsere Vorräte sind leer, wir haben nur noch Toast mit Ketchup. Die Kinder müssen fort, wir sollten sie tief in den Görlitzer Park führen, damit sie den Weg nicht wieder heraus finden. Sonst müssen wir alle verhungern.” Dem Vater fiel die Entscheidung leicht, nur schnell weg mit den Blagen.

Als die Alten schliefen, begann Hänsel zu weinen. Gretel rügte ihn: “Weine nicht, ein Indianer kennt keinen Schmerz! Versuch zu schlafen, unser Therapeut Dr. med. Dipl.-Agrar Ing. Gernhard Knüppel wird uns schon helfen.”

Am frühen Morgen bekam jedes der Kinder ein Stückchen Brot. Auf dem Weg bröckelte es Gretel in der Tasche und warf nach und nach unbemerkt einen Brotkrumen auf die Erde.

Die Kinder wurden tief in den Görlitzer Park geführt und der Vater entzündete ein großes Feuer. Die Stiefmutter sprach: “Bleibt hier sitzen, wenn ihr müde seid, könnt ihr schlafen. Euer Vater muss jetzt zur Arbeit und ich in die Küche. Heute Abend holen wir euch wieder ab.”

Als es Mittag war, schliefen sie ein. Der Abend verging, aber niemand kam. Sie erwachten erst in der finsteren Nacht. Gretel sagte: “Lass uns warten bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Brotkrumen sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus.” Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden keinen Krumen mehr, denn die vielen Ratten hatten sie aufgefressen. So gerieten sie immer tiefer in den Park hinein.

Als es hell wurde, kamen sie an ein Häuschen, dass aus Gras gebaut war. Die Fenster waren aus hellem Gizeh Papier. “Da wollen wir uns dran machen,” sprach Hänsel, griff in die Höhe und brach etwas vom Dach ab. Gretel machte sich an ein Stück Paper und sie drehten sich gemeinsam eine Tüte. Da rief eine dünne Stimme aus der Stube heraus:

“Knusper, knusper, Knäusschen, wen knuspert an mein Häuschen?”

Die Kinder antworteten:

“Der Wind, der Wind, das himmlische Kind,”

und rauchten entspannt weiter. Da ging auf einmal die Türe auf und eine steinalte Frau, die sich auf einen Stock stützte, kam heraus. Hänsel und Gretel erschraken so sehr, dass sie alles fallen ließen was sie in den Händen hielten. Laute türkische Musik schallte nun aus dem Häuschen. Die Alte wackelte mit dem Kopf und sprach: “Günaydin liebes Kinder, komm rein, geschieht euch nix.” Sie fasste beide an der Hand und führte sie in ihr Häuschen. Dort gab es Döner mit Knoblauchsauce und Ayran. Danach wurden zwei schöne Bettchen gemacht. Hänsel und Gretel legten sich hinein und fühlten sich wie im Himmel.

Früh Morgens, ehe die Kinder erwacht waren, packte die Alte Hänsel und sperrte ihn hinter einer Gittertür ein. Dann ging sie zu Gretel, rüttelte sie wach und rief: “Steh auf, hol mal Ayran und koch dein Bruder lecker lecker, der sitzt in Stall und soll rund werden.” Gretel begann bitterlich zu weinen, aber es war alles vergebens, sie musste tun was die böse Hexe verlangte.

Nun wurde dem armen Hänsel das beste Essen gekocht. Jeden Morgen rief die Alte: “Hänsel, tu mal Finger raus, damit ich merke ob du fett bist.” Hänsel streckte ihr aber nur seinen kleinen Lümmel heraus, und die Alte, die trübe Augen hatte, konnte es nicht sehen, und meinte es sei Hänsels Finger. Sie wunderte sich, dass er gar nicht fetter wurde. Als vier Wochen um waren und Hänsel weiter mager blieb, überkam sie die Ungeduld.

Die Hexe stieß Gretel hinaus zum Backofen, aus dem die Flammen schon herausschlugen. “Kriech mal rein,” sagte die Hexe, “und schau ob genug heiß ist.” Wenn Gretel drin war, wollte sie den Ofen zumachen. Aber Gretel merkte was sie im Sinn hatte und sprach: “Ich weiß nicht wie ich’s machen soll; wie komm ich da hinein?” Die Alte entgegnete: “Loch sehr groß, siehst du, ich selbst pass auch rein”, bückte sich und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, dass sie hinein flog, knallte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor.

Gretel rannte schnurstracks zu Hänsel, öffnete den Stall und rief “Hänsel, wir sind erlöst, die alte Hexe ist tot.” Da sprang Hänsel heraus und umarmte Gretel vor Freude! Dann verließen Sie den unheiligen Ort und schlugen sich durch den Görlitzer Park.

Als sie ein paar Stunden gegangen waren, kam ihnen die Umgebung immer bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem das Haus ihres Vaters mit den kaputten Scheiben. Da begannen sie zu laufen, stürzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann seufzte.

Er war sehr unglücklich, dass er die Brut wieder am Hals hatte. Doch er gab die Hoffnung nicht auf, sie eines Tages los werden zu können.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Susi56 am 11.03.2021:
Sehr modern, musste ganz schön kichern!




geschrieben von Stephan Heider am 11.03.2021:
Genau mein Humor. Hänsel, der Lümmel, hat sich gut aus der Affäre gezogen. 😅




geschrieben von Ben Warrik am 12.03.2021:
Freut mich, dass es euch gefallen hat Susi und Stephan. Und ja, Hänsels spontaner Einfall hat was :D

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