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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Liss.
Veröffentlicht: 17.03.2021. Rubrik: Spannung


Flucht

Hastig schmeiße ich meine Sachen in den Koffer. Jan ist gerade gegangen und ich kann nur hoffen, dass er heute so länger bei der Arbeit bleibt. Denn wenn er mich wieder finden würde, … möchte ich nicht wissen, was dann geschieht. Mein ganzer Plan ruht auf der Hoffnung, dass ich schon im Flieger sitze nach München, wenn mein Freund bemerken wird, dass ich abgehauen bin. Meine Finger zittern und meine Gedanken rasen. Ich fürchte mich vor seiner Reaktion und kann doch die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht zum stillschweigen bringen. Doch noch kann so viel schiefgehen. Mein letzter Check durch die Wohnung zeigt, dass ich alle meine Sachen mitgenommen habe und ich keine Spuren hinterlassen habe. Habe ich die Daten auf dem Laptop gelöscht? Unsicher eile ich ins Schlafzimmer, um nachzuschauen. Aber dann erstarre ich. Jemand schließt die Wohnungstür auf. Ich höre es ganz deutlich. Jan, er ist zurück. Nein, nein, nein. Panisch renne ich zurück zu meinem Koffer. Die Tür wird aufgestoßen und mein Freund tretet ein. „Ich habe Unterlagen vergessen, ich bin gleich wieder weg“, seine Stimme bricht ab, als er meinen Koffer sieht. Sein freundlicher Ton verschwindet und an dessen Stelle tritt glühender Zorn, „wolltest du abhauen, hm? Mich einfach so im Dreck sitzen lassen, nachdem was ich alles für dich getan habe! Den Arsch aufgerissen habe ich mich für dich und das ist dein Dank?! Du glaubst wohl, du kannst alles machen, du Flittchen!“ Mein Kopf ist auf einmal leer und meine Gedanken rasen. Ich bin verloren. Sein muskelbepackter Körper presst mich an die Wand und seine Hände drücken gegen meinen Hals. Panisch versuche ich Luft zu bekommen. Das ist also mein Ende, denke ich, ich möchte nicht sein Gesicht sehen, während ich sterbe. Mein Körper besteht nur noch aus dem Instinkt, zu überleben. Jedoch werden meine Versuche mich zu befreien immer schwächer und in meinem Blickfeld tauchen schwarze Punkte auf. Nein, ich will nicht sterben! Hektisch suche ich einen Ausweg und da fällt mein Blick auf die alte, steinnernde Vase auf dem Tischchen neben mir. Ich erreiche sie gerade noch mit den Fingerspitzen, mein Griff um die Vase wird fester und dann schlage ich sie gegen den Kopf von Jan. Immer wieder, bis der Griff um meinen Hals locker wird. Tief sauge ich die Luft ein und erst jetzt kann ich wieder klar denken. Meine Hand umklammert noch immer die Vase, als ich das Blut an ihr entdecke. Entsetzt beobachte ich meinen Freund, der auf der Stelle nach hinten kippt. Seine Augen starren ins Leere. Ich habe ihn umgebracht. Ich bin eine Mörderin. Mörderin, Mörderin, schreien die Stimmen in meinem Kopf. Ich wollte das doch nicht, das war nicht ich. Schockiert lasse ich die Vase fallen und starre den Toten an. Tief in mir flüstert eine Stimme mir zu, dass es das richtige war, dass ich jetzt endlich frei bin und dass ich keine Angst davor empfinden soll. Angeekelt von mir selbst, presse ich mich an die Wand. Nein, nein, nein. Ich bin nicht so. Das war ein Versehen. Ich sollte die Polizei rufen. Doch die Stimme flüstert weiter: „Niemand wird dir glauben, du bist jetzt eine Verbrecherin. Du musst fliehen, oder möchtest du ins Gefängnis, denn dort werden sie dich wegsperren. Das willst du nicht, gebe es zu.“ Das war Notwehr, dafür können sie mich doch nicht ins Gefängnis wandern lassen, oder? Verzweifelt versuche ich die Ruhe zu bewahren, doch alles, an das ich denken kann ist, dass ich nicht ins Gefängnis möchte. Ich habe zwei Jahre gefangen in der Wohnung verbracht, ich möchte nicht in noch ein Gefängnis. Die Stimmen in meinem Kopf dröhnen, versuchen mich zu überzeugen, ich habe das Gefühl, ich explodiere gleich. Alles in mir krampft sich zusammen und ich tue das Einzige, was mir wirklich sinnvoll vorkommt. Ich fliehe. Ich packe meine Tasche und laufe davon. Immer weiter. Immer weiter.
Doch die Vergangenheit holt einen immer ein. Immer.

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Maleficenta am 02.07.2021:

An ihrer Stelle würde ich auch fliehen. Es wäre zwar natürlich richtig die Polizei zu rufen. Aber ich könnte es auch nicht.

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