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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Ernst Paul.
Veröffentlicht: 11.09.2021. Rubrik: Satirisches


Spätsommernachmittag am Waldseestrand

Die Sonne meint es heute noch mal gut und lädt mich ein den Nachmittag am Waldsee zu verbringen. Ich packe meine Badesachen. Ein Buch klemme ich unter den Arm, setze meine Sonnenbrille auf und laufe zum Waldsee. Am Ufer lege ich mir das Badetuch zurecht, entkleide mich bis auf die Badehose und setze mich auf das Badetuch. Über das aufgeschlagene Buch beobachte ich das bunte Treiben der Badenden und der Sonnengenießer.
Ein junges Paar kommt und legt unweit von mir ihre Badetücher in den Sand. Ihrer Körperfülle nach zu urteilen gehören sie zur 3C-Bewegung (Couch, Cola, Chips). Er, ein stiernackiger Testosteronbulle, ohne Kopfhaar und mit ausladendem Kreuz. Der Bauch weit über der Badehose hängend und tätowiert. Auch auf den Oberarmen und Oberschenkeln sind Versuche, Tattoos zu stechen, erkennbar. Auf seinem Rücken jedoch ein Meisterwerk der Tätowierkunst. Ein Alligator mit aufgerissenen Maul, feurigen Augen, spitzen Zähnen und eingekrümmten Schwanz schlängelt sich an der Wirbelsäule. Das Tattoo ist gegenüber den anderen Versuchen eine künstlerische Meisterleistung. Galeristen würden sich bemühen, um dieses Tattoo in einer Glasvitrine ihrer Galerie auszustellen. Schade, dass es der Testosteronbulle selbst nicht sehen kann.
Seine Begleiterin steht ihm in der Körperfülle nicht nach. Ihr Bikini scheint eine Nummer zu klein. Vielleicht gibt es aber auch keine größeren Bikinis. Sie ist weniger tätowiert wie er. Am rechten Pobacken lugt aus dem Bikinislip der Kopf eines Steinadlers. Gierig auf Beutejagt mit stierendem Blick und aufgerissenem Schnabel. Am linken Pobacken sehe ich die straffen Schwanzfedern und einen Fang mit scharfen Krallen des Vogels. Dieses Bild hat ein Meister der Tätowierkunst gestaltet. Einfach grandios, denke ich und bin beindruckt. Auch dieses Bild gehört in einer Galerie gezeigt, aber ohne Bikinislip. Dem Galeriebesucher und auch mich würde schon interessieren, wie der Künstler den Körper des Steinadlers gestaltet hat. Wie es ihm gelungen ist den Körper des Steinadlers in die Höhen und Tiefen der Pobacken so zu gestalten, dass er künstlerisch und ästhetisch allen Ansprüchen genügt. Meinen Gedanken diese Frau einfach zu fragen, ob sie mir den Körper des Steinadlers zeigt, verwerfe ich, als der umherkreisende Blick des Testosteronbullen auf mich fällt. Er ist mir körperlich überlegen.

Das Pärchen geht Hand in Hand ins Wasser. Vorsichtig, erst mit den Zehen die Temperatur des Wassers fühlend, dann bis zur Hüfte watend, tauchen sie kurz unter. Beim Auftauchen lachen sie und bespritzen sich mit Wasser. Es ist mir eine Freude ihnen zuzusehen. Wenn ich mir jetzt noch die üppigen Pfunde wegdenke, sehe ich einen jungen durchtrainierten Mann und eine junge hübsche Frau, einer Nixe gleich aus dem Wasser aufsteigend, lachend und sich mit Wasser bespritzend. Voller Lebens- und Liebeslust. Ohne Diät wird das nichts. Eine Diät aber dürfen sich diese beiden 3C- Fanatiker nicht erlauben. Eine Diät bedeutet den Tod des Alligators und des Steinadlers. Der Alligator würde wie ein kriechender Regenwurm an der Wirbelsäule des jungen Mannes hängen. Gleich einem Regenschirm an einem Kleiderständer. Der Steinadler hätte seine Gefährlichkeit eingebüßt. Die Augen trüb und der Schnabel geschlossen. Keine Gefahr mehr ausstrahlend. Die Schwanzfedern und der Fang mit den scharfen Krallen ein zerknittertes Irgendwas auf einem faltenzerfurchten Pobacken. Wie hässlich. Eine solche Diät bedeutet die Vernichtung dieser Kunstwerke. Sie ruft Tierschützer und Galeristen auf den Plan. Sie würden auf die Straße gehen und für den Erhalt der 3 C- Bewegung demonstrieren. Auch die Cola- und Chips- Produzenten würden protestieren und in ihren Betrieben die Fahnen auf Halbmast hissen. Umsatzeinbrüche können sie sich nicht leisten.

3xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von ehemaliges Mitglied am 11.09.2021:

Ich war fast nur am lachen :) Richtig geil.




geschrieben von Ernst Paul am 12.09.2021:

Danke Ben, es freut mich, dass Dir die Geschichte gefällt.

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