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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Weißehex.
Veröffentlicht: 18.04.2018. Rubrik: Satirisches


Nicht an diesem Tag

Die Wehen hatten vor drei Stunden, gegen 14.30 Uhr eingesetzt. Sie waren noch nicht sehr heftig. Lore und Matthias waren guten Mutes, dass sie es schaffen würden.
"Nicht heute", sagte Lore und Matthias stimmte ihr zu: "Nicht heute, nicht an diesem Tag."
"Wir hätten das besser ausrechnen sollen."
"Schon, aber wer kommt beim Vögeln schon auf so eine Idee?" Matthias grinste.
"Außerdem wusste ich da ja noch nicht, dass du die Pille vergessen würdest."
"Ich auch nicht."
"Na, aber du hast sie doch vergessen..."
"Jetzt fang nicht schon wieder an."
Sie hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als sie wieder eine Wehe spürte und sich krümmte.
"Verdammt, das wird immer schlimmer!"
"Ist das nicht normal? "
"Du kapierst auch überhaupt nichts! Wenn es schlimmer wird, heißt das, dass es schneller geht. Und wenn es schneller geht, schaffen wir es vielleicht nicht mehr bis nach Mitternacht."
Matthias wurde blass. "Das darf auf keinen Fall passieren."
"Ich weiß."
"Das Kind darf auf keinen Fall an dem Tag Geburtstag haben. Nicht an diesem Tag. Nicht am selben Tag wie...."
"Du kannst mir glauben, ich werde mir Mühe geben, das zu verhindern."
"Und ich werde dir dabei helfen."

Gegen 20.00 Uhr kamen die Wehen in regelmäßigen Abständen und waren jetzt so schlimm, dass Lore jedes Mal wimmerte und keuchte und manchmal sogar aufschrie.
"Vielleicht sollten wir doch ins Krankenhaus", sagte Matthias zweifelnd. "Das hältst du doch so nicht mehr lange aus. In der Klinik können sie dir wenigstens Schmerzmittel geben, dann geht es wieder. Es sind ja noch ein paar Stunden bis Mitternacht."
Ohne eine Antwort abzuwarten, griff er zum Telefonhörer und rief in der Klinik an.
"Wir sollen sofort kommen", sagte er dann.
Ohne auf Lores Proteste zu achten, griff er das fertig gepackte Köfferchen und zog Lore dann von ihrem Stuhl hoch.
"Ab mit dir ins Auto."

Eine halbe Stunde später waren sie in der Klinik. Die Hebamme schloss Lore an den Wehenschreiber an und blickte minutenlang auf das Gekritzel desselben.
"Das dauert noch", verkündete sie dann.
"Gottseidank. Es wäre uns sehr lieb, wenn es erst morgen auf die Welt käme."
Die Hebamme sah Matthias an. "Für Ihre Frau wäre es schon einfacher, wenn es nicht so lange dauert. Und für das Kind auch."
"Aber Sie wissen doch, was heute für ein Tag ist?"
"Ach ja - der Tag. Na und wenn schon. Was ist Ihnen denn wichtiger? Dass Mutter und Kind wohlauf sind oder dass das Kind nicht heute auf die Welt kommt?"
Matthias gab darauf keine Antwort.
"Geburtsstillstand", hieß es gegen 22.00 Uhr.
"Ich hole den Arzt", sagte die Hebamme und verließ den Kreißsaal.

"Schaffst du es noch? Es sind nur noch 2 Stunden bis Mitternacht!" Matthias war geradezu euphorisch.
"Ich will nicht mehr." Lores Stimme klang erschöpft. "Ich will nur noch, dass es vorbei ist."
"Die 2 Stunden! Die schaffst du noch."

Die Hebamme kam mit dem Arzt zurück.
Und der sagte nach einer kurzen Untersuchung nur ein Wort:"Sectio."
"Aber doch nicht direkt?"
"Natürlich direkt. Das Kind hat die Nabelschnur um den Hals. Die Geburt steht. Wir werden nichts riskieren."
"Aber dann hat das Kind doch jedes Jahr an dem Tag Geburtstag... "
"Machen Sie sich bitte nicht lächerlich."
Dann wurde Lore auf ein Bett gelegt und in den OP geschoben.

Matthias stand fassungslos vor der verschlossenen Tür.
"Halt durch, Lore", flüsterte er vor sich hin.
"Halte durch. Mitternacht ist bald... "

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Christine Todsen am 18.04.2018:
Zuerst war ich enttäuscht, dass am Schluss keine Auflösung kommt, welcher Tag gemeint ist. Aber dann guckte ich zufällig auf den Kalender…

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