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geschrieben 2018 von Michael Lutz (Michael Lutz).
Veröffentlicht: 03.07.2018. Rubrik: Lyrisches


Menschenzoo

Ich sehe Menschen, so weit das Auge reichet, die weilend auf diesem
Planeten seiend. Alle verschieden und doch so gleich. Menschen
verschiedenen Alters, Geschlechts, Herkunft und doch im Kern gemeinsam.
Menschen mit verschiedener Geschichte und doch Teil eben jener.
Menschen mit freiem Willen und doch Schicksal und Naturgesetzen
unterworfen. Menschen, die unvernünftig handeln und doch des Verstandes
mächtig sind.

Ich sehe die Masse, doch nicht das Individuum. Ich sehe die Oberfläche, die
Maske, das was ich sehen soll, doch nicht das, was ich sehen will, das Wesen
im Inneren. Jene Frau mit der Blume in der Hand. Woher hat sie diese, von
wem oder für wen ist diese? Jener Mann in diesem Buche lesend. Welche
Träume, Ziele verfolgt dieser?

Ich sehe Menschen, die in eine Richtung gehen, doch sehe ich nicht, in
wohin dieser Weg sie führet. Wo sind Start und Ziel? Unzählige Gesichter
und doch sind sie gesichtslos. Ein flüchtiger Moment, ein Blick und für
immer verschwunden. Verlust oder Gewinn, es spielt keine Rolle, sie sind
weg in der Dunkelheit, entgehen meinem Blickfeld, werden verschlungen
von der Ewigkeit. Kehren nie wieder!

Geheimnisvoll, mystisch und doch uninteressant, bedeutungslos. Jene Zeit
vor uns liegt, die niemand von jenen mehr miterleben wird. Nicht mehr als
ein kurzes Aufleuchten stellt die menschliche Existenz dar. Und doch
überwältigt mich das Geheimnis des Seins, der Sinn der Masse. Jeder dort
könnte mein Glück sein. Und doch werde ich diesen unbekannten Helden
nie kennenlernen.

Menschen, Menschen, Menschen umgeben mich. Und doch alleine im
Kosmos. Jeder seinem eigenen Stern folgend, nach seinem eigenen Glücke
strebend. Zusammen im Universum und doch jeder seinen eigenen Kampf
bestreitend. Frei und doch gefangen. Kein Platz, keine Zeit, kein Mensch, nur
die Masse und das Sein an sich.

Ich sehe Kunst. Eine Masse zusammengesetzt aus Einzelnen. Unermesslich in
all dieser Komplexität, ungreifbar in der Schnelllebigkeit des Lebens,
unerreichbar aufgrund des Individualismus jedes Einzelnen. Ich stehe
außerhalb und bin doch mittendrin. Ich bin der Einzelne in der Masse.
Und nichts besonderes, diene nur einem Zweck, meine Existenz so
bedeutungslos wie die eines jeden anderen auch.

Denken sie so wie ich? Sind sie sich ihrer Funktion das einzelne Steinchen im
großen Mosaik des Lebens zu sein, bewusst? Wir sind getrennt, stehen
alleine da. Sind dennoch verbunden und haben eines gemeinsam, das
Menschsein! Ich beobachte, ich denke, ich gehöre dazu. Alle sind wir Teil des
Seins und das ist was ich sehe!

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