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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 03.12.2018. Rubrik: Lustiges


Das Adventskalender-Dilemma

Wie bitte? Ein so hübsches, freudebringendes Ding wie ein Adventskalender kann doch wohl kein Dilemma verursachen? Und ob es das kann.

In der Regel hat der Adventskalender vierundzwanzig Türchen. Da das letzte erst am 24. Dezember, also Heiligabend, geöffnet werden darf, folgt daraus nach Adam Riese, dass das erste am 1. Dezember aufzumachen ist. Klar?

Ja, rein rechnerisch. Dazu im Widerspruch steht jedoch der Name Adventskalender. Ihm zufolge beginnt der Kalender mit dem ersten Advent. Startet man das Türchenöffnen also dann (wie es in meinem Elternhaus üblich war), sind nur diejenigen Jahre konfliktfrei, in denen der erste Advent tatsächlich auf den 1. Dezember fällt. Leider ist das nur selten der Fall. Es gibt sieben mögliche Daten für den ersten Advent, vom 27. November bis zum 3. Dezember.

Als Kind glaubte ich, dass die Engelchen in der Nacht zum ersten Advent den Kalender brachten. Gleich am Morgen wurde dann das erste Türchen geöffnet. Gut fand ich es, wenn der Advent schon im November begann. Umso früher konnte ich mit dem heißersehnten Türchenöffnen anfangen. Da allerdings auch in solchen Jahren das 24. Türchen auf gar keinen Fall vor Heiligabend geöffnet werden durfte, musste ich zwischendurch ein- oder mehrmals pausieren. In der Regel begann ich mit der Türchen-Abstinenz gleich nach dem ersten Advent, dann war ich ab dem 2. Dezember im normalen Rhythmus.

Was aber, wenn der erste Advent auf den 2. oder gar erst den 3. Dezember fiel? Dann musste ich mich halt in Geduld üben (und durfte dafür am Morgen des Ersten gleich zwei oder drei Türchen öffnen).

Im Folgenden sollen mehrere Ideen zur Lösung des Dilemmas auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft werden.

A. Die Adventszeit müsste generell am 1. Dezember beginnen. Diese Idee stieße auf den Widerstand der Theologen („der Advent beginnt an einem Sonntag“).

B. Man müsste sieben verschiedene Adventskalender-Versionen (Türchen-Anzahl zwischen 28 und 22) herstellen. Diese Idee stieße auf den Widerstand der Kalenderproduzenten („unwirtschaftlich“).

C. Man beginnt einfach am 1. Dezember mit dem Türchenöffnen, unabhängig vom Datum des ersten Adventssonntags. Diese Methode dürfte heutzutage die verbreitetste sein. Nur stimmt dann die Bezeichnung Adventskalender genaugenommen nicht mehr. In manchen Sprachen heißt der Gegenstand stattdessen „Weihnachts“-Kalender (z.B. dänisch julekalender). Damit wird das Problem des Startdatums zwar elegant umschifft, aber ein neues geschaffen, denn Weihnachten beginnt erst, wenn der Kalender aufhört.

D. Sowohl in logischer als auch in theologischer Hinsicht vertretbar erscheint auf den ersten Blick der Name „Christmas Countdown Calendar“, den ich im Internet fand. Diese Lösung vermeidet das Startdatums-Dilemma und weist gleichzeitig auf das Bevorstehen (nicht Schon-da-Sein) des Weihnachtsfestes hin. Doch ach, auch bei ihr gibt es ein Haar in der Suppe (ganz abgesehen vom Aufschrei der Anglizismen-Hasser). Beim Countdown zählt man ja rückwärts, also müsste man bei 24 beginnen… und womit enden? Mit 1 oder Null? Geht auch irgendwie nicht.

Wie gut, dass die Engelchen in meiner Kindheit den Adventskalender immer zuverlässig in der Nacht zum ersten Advent brachten, obwohl es für sie lästig gewesen sein muss, sich jedes Jahr ein anderes Datum zu merken…

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