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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Günter Weschke.
Veröffentlicht: 12.08.2023. Rubrik: Unsortiert


Die russische Seele

Die russische Seele!

Nach einer eiskalten Januar-Nacht in Moskau, verließ ich mein Zimmer im -Novo-Kosta- Hotel- und begab mich in den Frühstücksraum, in dem jetzt nur wenige Gäste saßen. Alle waren sie beschäftigt, sich vom reichhaltigem Frühstücksbuffet große Mengen auf ihre Teller zu schaufeln. Es sah aus, als würde es 'Morgen' nichts mehr geben! Ich nahm mir etwas Lachs, mild geräuchert, dazu Butter, Brot und Kaffee. Als ich mich etwas umsehe, entdecke ich, an einen Fenstertisch, den Oberst Wladimir Mutschkow, na ja, eigentlich darf ich seit gestern Abend "Wladi" zu ihm sagen. Nicht nur, dass er Oberst ist, er hat auch eine wunderschöne Tochter, mit der ich die ganze Nacht durchgetanzt habe. Sie hat mir für Heute eine Kutschen-Fahrt mit Musik versprochen. Nur ihr Vater darf davon nichts wissen, das alte Blockhaus, vor den Toren Moskaus, es gehört der Famlie Mutschkow, soll das Fahrtziel sein. Der Oberst musste heute, für zwei Tage, an einer politischen Schulung teilnehmen.

Ich stand auf und begrüßte den Oberst und seine Tochter, er forderte mich auf: "Bitte nimm doch Platz!" Nach einigen formlosen Phrasen sagte er mir, dass er noch heute für zwei Tage fort muss und er bat mich: "Kümmere dich doch bitte um meine Tochter!" "Aber ja", das werde ich gern tun"sagte ich. Als er das Hotel verließ, läutete mein Telefon, es war Velaskaja, die Tochter vom Oberst. Sie sagte mir, dass wir um 16 Uhr mit einer Kutsche abgeholt werden, dann werden wir in die schneebedeckte Landschaft hinaus fahren. Ich stellte es mir sehr kalt vor, in einer Kutsche gibt es ja keine Heizung. Aber Kaja, so nannte ich sie, legte um uns eine große Felldecke. Sie kuschelte sich an mich und so fuhren wir etwa eine Stunde in die aufkommende Dunkelheit. An einem abgelegenem Blockhaus, vor dem ein großes Lagerfeuer brannte, stoppten wir. Um das Feuer herum saßen sechs Musikanten, alles Balalaika-Spieler, wir setzten uns zu ihnen, sangen getragene, russische Volkslieder, tanzten und aßen gegrilltes Fleisch, dazu tranken wir Wodka aus großen Gläsern. Der sternenübersäte Himmel, die Balalaika-Musik, der Wodka und Kaja... das alles raubte mir die Sinne.

Wir tanzten wie im Rausch immer näher an das Blockhaus heran, dessen Tür stand offen und man konnte drinnen ein Feuer sehen... dann waren wir drin! Kaja riss mir die Sachen vom Leib und auch ich fummelte an ihr rum, wir sanken auf ein Lager aus Bärenfellen. Von draußen ertönte immer noch, diese wunderbare Musik - wir liebten uns... was sage ich da, wir brachten die Hölle zum Weinen. Die Musiker spielten sich in einen Rausch und als ich glaubte, der Himmel stürzt ein, flog plötzlich die Tür auf und der Oberst stand in voller Uniform im Zimmer... in seiner Rechten Hand eine Pistole! Er sah mich verächtlich an, dann sah er zu seiner Tochter, er spuckte aus und schoss... sie war sofort tot! Man schlug mich zusammen, raubte meine Schuhe und jagte mich aus dem Haus. Ich rannte in die kalte Dunkelheit, immer weiter und weiter. Als ich mich einmal umsah, erblickte ich einen roten Feuerschein, das Blockhaus brannte und dann hörte ich noch einen Schuss. Russische Militär-Polizei fand mich halb erfroren und sperrte mich für sechs Monate ein. Gestern landete ich in Frankfurt, meine Füße sind erfroren und ich gehe an Krücken! In einer Zeitung las ich von einer Familientragödie in Rußland, Vater und Tochter wurden erschossen aufgefunden.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jens Richter am 13.08.2023:

Hallo Günter, da ist dir wieder eine unglaubliche Geschichte gelungen.
So ist die russische Seele tatsächlich, sie sind liebenswert, aber wehe dem Du enttäuscht sie.
Meine Oma wohnte in Wurzen, wo die Russen stationiert waren.
Ich habe diese Menschen als Kind und Jugendlicher erlebt und kann nichts negatives berichten.
Viele Grüße, Jens







geschrieben von Günter Weschke am 14.08.2023:

Hallo Jens, danke für deinen Kommi.
Ich habe die Russen weniger freundlich kennnengelernt.
Eine russische Kommissarin wollte mich erschießen, weil sie meinte, ich müsse ein
H-Jottler sein. (Hitler Jugend) war ich aber nicht,durch irgendeinen Fehler, bin ich bei denen nicht aufgeführt worden.

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