Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie Du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
FacebookMenu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben von simpel.
Veröffentlicht: 11.01.2019. Rubrik: Unsortiert


Kinobanditen

„Schnell, Schnell! Beeilt euch!“, flüsterte Pelle den Anderen zu und sah über seine Schulter. In dem dunklen Gang konnte er seine Freunde Dante und Olive kaum ausmachen. Aber es kam ein flüsterndes „Wir sind dicht hinter dir“ als Antwort zurück.
Die drei schlichen den Gang bis zu einer großen Eisentür entlang. Pelle drückte die Klinke und die Tür ging mit einem lauten Knarren ein Stück auf. Durch diesen schmalen Spalt zwängten sich die drei und standen in einem schummrigen kleinen Raum. Es gab keine Fenster. Überall standen Putzeimer, Besen und hohe Regale mit Dosen und Putzmitteln herum.

„Du hattest Recht, Pelle! Durch diesen Gang muss er die letzten Male immer unbemerkt gekommen und gegangen sein. Genau wie heute!“, sagte Dante und deutete auf die Öffnung, aus der sie gerade gekommen waren. Pelle drückte die Tür zu und nun sah man nur die dunkle Wand, an der Stelle, wo vorher die Öffnung gewesen war.
Am anderen Ende des Raumes gab es eine einfache Tür. Die drei sahen sich an und waren sich einig: Da müssen sie durch! Als sie den Raum verließen gingen sie einen langen Flur entlang, an dessen Wänden Plakate von Kinofilmen prangten. Links und Rechts gab es Türen, die in die Kinosäle führten. Endlich erreichten sie die große Halle.
Dort roch es immer so herrlich nach frischen Popcorn. Aber dafür hatten sie jetzt keine Zeit. Es war sehr voll in der Halle. Die Leute standen in langen Schlagen an den Kassen und an den Getränketheken an. Hinzu kam, dass kleine Grüppchen quer durch die Halle verteilt herum standen und sich angeregt unterhielten. Pelle, Dante und Olive schauten sich ratlos an. Wie sollten sie ihn hier bloß finden in diesem Durcheinander?
„Ich habs“, sagte Olive, „einer von uns verständigt die Polizei, und die anderen gehen hierherum und befragen die Leute nach dem Mann. Ich mache mich gleich auf den weg zur Polizei, wäre doch gelacht, wenn er uns wieder entwischt. Dieser Halunke. Die beiden Jungs waren damit einverstanden. Sie teilten sich auf. Pelle ging zu einem großgewachsenen Herren, der ein weißes Hemd mit einer roten Weste darüber anhatte. Auf der linken Seite prangte ein Namensschild. Der musste offensichtlich zum Kinopersonal gehören.
„Guten Tag“, sprach ihn Pelle an, „sie haben doch bestimmt von dem Taschendieb gehört, der hier sein Unwesen treibt, oder?“ Der Mann sah ihn etwas verwirrt an und sagte dann: „Tut mir leid, das ist heute mein erster Tag hier. Aber was erzählst du da? Ein Taschendieb geht hier herum? Und was willst du dann von mir wissen?“
„Ich bin auf der Suche nach ihm. Er hat mir vorgestern mein ganzes Portemonnaie geklaut, während ich im Kino saß. Aber meine Freunde und ich haben ihn ein Stück verfolgen können und können auch fast sagen, wie er aussieht.“
Der Mann sah ihn fragend an. „Also wir suchen einen kleine etwas molligen Mann. Meist trägt er einen schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd und einer blauen Krawatte. Als ich ihn gesehen habe, standen seine wenigen Haare merkwürdig vom Kopf ab. Der sah ganz schön zerzaust aus. Außerdem trägt er rote Turnschuhe. Sein Gesicht habe ich nur kurz gesehen und da ist mir seine kleine Knollennase aufgefallen. Außerdem hatte er große schwarze und buschige Augenbrauen. Falls Sie ihn sehen, müssen Sie auf jeden Fall etwas unternehmen.“
Der Mann nickte zustimmend und wollte sich gerade wegdrehen, da beugte er sich zu Pelle herunter und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich glaube ich habe ihn entdeckt. Schau mal der Herr da drüben an Kasse 4, zu dem würde die Beschreibung passen.“
Pelle wandte den Kopf über die Schulter. Schaute zu Kasse 4. Durch die vielen Menschen hindurch sah er ihn. Er hatte sich gerade eine Kinokarte gekauft. Pelle nickte dem Kinomitarbeiter zu. Dieser hatte verstanden und machte sich augenblicklich auf den weg zum Sicherheitsdienst des Kinos. Pelle wollte aber nicht warten, er schnappte sich Dante, der gerade mit einer Gruppe Mädchen über einen Film fachsimpelte und beide gingen sie zwischen den Leuten geradewegs auf den Herren zu. Kurz bevor sie ihn erreichten, schaute er auf.
Er erkannte die Situation und stürmte los. Pelle und Dante rannten ihm nach. Der Mann hatte schon die Hälfte der großen Halle durchquert, da zwängten sich Pelle und Dante gerade durch eine Gruppe von Rentnern. Da erreichte der Mann auch schon die große Flügeltür des Ausgangs. Dante setzte zum Endspurt an und zog Pelle mit sich. Sie kamen bei der Tür an. Aber... Der Mann war weg. Sie stürzten aus dem Kino heraus und stolperten geradewegs in Olive hinein.
Als sie sich wieder vom Boden aufgerappelt hatten, sahen sie sich um. Zwei Polizisten hielten den kleinen Mann fest, der mit puterroten Gesicht und sehr schnell atmend auf dem Bürgersteig stand. Sein Kugelbauch hob und senkte sich, weswegen sich das Hemd dramatisch spannte. Neben ihnen standen zwei Polizeiautos, aus denen noch einmal vier Polizisten ausstiegen. Ein paar Sekunden später, stürmten auch das Sicherheitspersonal und der nette Kinomitarbeiter aus der Tür.

Am Nachmittag mussten Pelle, Dante und Olive alles zu Protokoll bei der Polizei geben. Sie erzählten von dem Kinobesuch, dann von dem Geld, dass plötzlich weg war. Von einer kleinen Gestalt die sie beobachtet hatten, wie sie wie ein Schatten auftauchte und verschwand und dabei um die Leute herum schlich, wie sie ihn verfolgten, bis sie schließlich, den Dieb zu fassen bekamen. „Alles mit dem richtigen Timing“, schloss Olive lachend ab.
Ein paar Tage später stand sogar etwas in der Zeitung, dort stellte sich heraus, dass der Mann, ein seit längeren gesuchter Taschendieb war, der schon in mehreren Kinos der Stadt sein Unwesen getrieben hatte. Pelle, Dante und Olive waren mächtig stolz, denn sie standen nicht nur in der Zeitung, weil sie einen Dieb gefasst hatten und auch nicht nur, weil sie ihr Geld wiederbekommen hatten, sondern weil sie obendrauf eine saftige Belohnung bekamen.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Weitere Kurzgeschichten von diesem Autor:

„ Strummitiere“