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geschrieben von francois.
Veröffentlicht: 31.05.2019. Rubrik: Unsortiert


KLATSCHMAULRAUMTASCHE

Was an einem normalen Samstag alles geschehen kann zu erfahren in meiner Wochengeschichte:

KLATSCHMAULRAUMTASCHE

Es ist Samstag. Ein freier Tag für die meisten Malocher. Doch mein Beruf zwingt mich auch dann zu arbeiten wenn andere ausschlafen, ihren Steckenpferden nachgehen, die Familienspannungen versuchen von Hoch- auf Niedervoltagen zu transformieren. Aber was soll‘s. Es ist so wie es ist. In einem anderen Beruf kann ich nicht wirken. Zu wenige Kenntnisse. Zu hohes Alter. Zu viel Gewicht. Nein, nicht auf der Waage, im Gehirn. Dadurch ein Kritikaster. Kaum ein Chef hält dies aus. Eigentlich nur ich selbst. Bin ja auch der Boss meines Hirns. Oder das Hirn Chef meines Körpers. Ja, da gibt es noch weiter Vorteile der Samstagsarbeit. In der Frühe sind die Bahnabteile noch angenehm leer. Meist gähnend leer, oder doch wenn einzelne Passagiere sich in diesen verirren, gähnen diese im Takt der Schienenklopfer. Laut und ausführlich falls nicht schlummernd.

Doch heute? Was ist an diesem frühen Frühjahrstag, alles scheint heute früh zu sein, nur los? Die Wagen brechend voll. Nicht genügend Sitzplätze. Stehende Menschen. Schlechtgelaunt? Bei weitem nicht! Führen alle Taschen mit sich. Die geöffnet werden. Flaschen gebären. Sekt und Bier, Hochprozentiges und allerlei Vergorenes. Sich zuprosten. Laute Zoten von sich geben. Jubeln. Applaudieren. Ein Geburtstag? Ein Fest? Sind alle ähnlich bekleidet. Trachten. Lederhosen. Blumen stecken im Jungfernhaar. Bin ich in einem Charterzug gelandet? Jedenfalls fährt dieser bereits an drei Stationen vorbei an denen er sonst jeden Samstag anzuhalten pflegt. Muss mich erkundigen. Spreche einen Riesen an. Der schaut nicht weg sondern in seine Flasche. Bei einer hübschen Frau könnte ich mehr Glück haben. Versuche es!

„Sie Wüstling“ ruft sie aus! „Mich mit Worten bekleckern“, fährt sie fort. Ich verkleinere mich vor Scham. Da naht die Rettung der Schaffner. Spreche ihn an. Weise mein Ticket vor. Er schüttelt den Kopf. “Weisen sie ihre Klatschmaulraumtasche vor!“ Ich bin verunsichert. Besitze nichts solches. Er verlangt meinen Ausweis. Schüttelt erneut das Haupt! „Also sie hätten es mit ihrem Jahrgang besonders nötig eine solche Tasche zu besitzen. Dieser Zug nach der Stadt Verjüngung kann nur damit bestiegen werden, wie haben Sie es dennoch geschafft?“ Ich zittere am ganzen Leib. Werde ich jetzt in den Gegenzug Richtung Alt-ona gesetzt? Ich hoffe nicht. Ersteigere unter grossem Klamauk im Bahnwagen eine Klatschmaulraumtasche eines Kleinkinds dessen Eltern zu einem horrenden Preis ab. Das Baby kann das älter werden gebrauchen und die Krachlederhosen des Schuhplättlervaters das Geld für das nächste Gelage wohl auch ...

Wie hat die Geschichte gefallen? Danke für die Rückmeldung auf diesem Link:

https://www.francois-loeb.com/kurzgeschichten-kostenlos-lesen/kurzgeschichte-klatschmaulraumtasche/#ankerlink

Herzlichst mit Wünschen für ein erholsames Wochenende

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