Veröffentlicht: 14.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Zehn Kilometer bis Barstock
Kapitel 1.
Mit der Zeit seines Lebens, taten ihm die Knochen weh.
Immer mehr.
Doch heute war der Schmerz, gerade bei diesem Wetter, nur um so spürbarer.
Denn nichts im Leben, geht spurlos an einem vorüber und es heißt, der Körper merke sich alles.
Kapitel 2.
Es wahren noch etwa ein halber Tag Fußmarsch, Richtung Barstock.
Einem für Ihn nicht unbekannten Kaff, von dem er sich dieses mal mehr erhoffte, als von jenem Ort, aus dem er gerade kam. Er hatte genug für sich heraus geholt. Vor allem Mental. Und nun war es an der Zeit, seine Dämonen zu besänftigen, oder besser noch, für immer zu vertreiben und seine eigene Sehnsucht zu befrieden.
Doch, noch nicht, noch war es nicht so weit.
Es würde bald dunkel werden. Die Sonne gab bereits jeden Vorwand dafür, ihm auf bald den Rücken zu kehren und offenbarte schon den Wegweisenden Ratschlag, sich einen Ort der Nächtlichen Niederlassung zu suchen. Es tat jetzt wirklich Not zu rasten. Sei es drum. Auch seine Füße wollten einfach nicht mehr. Anbei, viel ihm die Merkwürdigkeit auf, schon seid Tagen, hat er niemanden mehr gesehen.
Wen wundert es, dich etwa - murrte Er im Spott.
Diesen Weg, gehen nur die Törichten, oder Halsabschneider und wenngleich er sich selbst, für nichts von beiden, freiwillig hallten würde, hatte er sich dennoch vor einigen Tagen, für diesen alten Pfad entschieden. Es war die kürzeste Strecke und wenn sein ausgemergelter Körper irgendwann mal ankommen wollte, dann musste es eben hier entlang gehen. Man soll keine Gelegenheit an sich vorbeiziehen lassen, ohne diese zu Gunsten seiner, nach Möglichkeit, in vollem Umfang ausgenutzt zu haben. Diese Welt ist hart und Steinig und frisst einen bei lebendigen Leibe.
Sein Blick schweifte ab des Weges, einem Trampelpfad, etwa Fünf Fuß breit, gerade passend für einen Karren, oder einem Vehikel, dessen Weggabelung aus seiner Blickrichtung, aus diesem endlos wirkenden Wald heraus führte. Oder dich direkt und immer tiefer, hinein sog.
Seine Route führte eben gerade heraus und er entschied sich, genau dort, an dem verfallenem Haus, ihm nicht unweit gegenüber zu übernachten. Schon einmal war Er hier, einer Routine gleichkommend. Dem Deja Vu eines Wimpernschlages. Es konnte nicht schaden, sich noch einmal, dort umzusehen. Es würde heute Nacht, so oder so, die letzte Bastion sein.
Bevor er Morgen, gegen Mittag an seinem Ziel ankommen würde.
Im Wald selbst, hatte er sich schon Beeren, Pilze, ein paar Kräuter und essbare Blumen sammeln können. Trockenes Moos taugte nur all zu gut, als Wasserfilter und um seine Füße zu wärmen. Stopfe nur reichlich davon in die Socken hinein. Wirst schon sehen. Getrocknete Rinde vom Baum und Watte werden dem Holz schon Zunder geben. Er schlug sein Werdegang direkt darauf zu und stapfte über das noch halb matschige Feld, der aufgeweichten Erde vom Regnerischen Vortag.
Durchquerte den Wall voller Brenneseln. Zupfte sich reichlich davon ab.
Das Haus, damals war da noch leben, heute einer Ruine gleich, in der niemand mehr wohnen wollte. Stand nun hier. Allein. Verfallen, trist, grau, morsch, verwahrlost, sich selbst überlassen.
Das Dach war vollkommen eingefallen und würde ihn nicht mehr vor Wind und Wetter schützen.
Seine Augen erspähten die noch verbliebene Satellitenschüssel und suggerierten ihm gleich das vertraute Gefühl, von verzerrter Wahrnehmung einer Massenkontrollmaschine. Gott war er Froh, als er seine Klotze, damals mit der Axt zerschlug, um die Ketten seiner Mentalen Geißelung zu zerschlagen. Nichts macht dich träger, als die Gedanken die nicht dir gehören.
Das morsche Wasserfass, umringt vom zweifachen Eisenbeschlag, ganz am hinteren Ende des brüchigen Hauses, stand geradezu passend für ihn aufbereitet. Einem Willkommensgruß gleich kommend, denen man nur noch seltenst in dieser Welt begegnen würde. Womöglich gar nicht mehr, wenn man die kleinen Dinge, nicht mehr zu vernehmen wusste.
Doch scheute Ron zugleich, jegliche und vor allem übertriebene Aufmerksamkeit.
So ward dieser Platz, das ihm keine ungebetenen Gäste am Wegesrand stören würden.
Es war voll vom starken Regenguss, noch aus der Vornacht und dem Garten Eden nahe stehend, das es in der Welt Gottes, eigentlich keinen Mangel gab.
Und so auch hier, in aller Fülle, bis zum Rande hinauf, aufgefüllt war.
Er wird es diese heutige Nacht, ohne großen Aufwand, gut für sich nutzen können.
Es war frisch. Man wird es nur abkochen müssen. Was ihn in Anbetracht seiner Erschöpfung hoch erfreute.
Wahren der negative Part der Regenschauer, das noch immer ein Teil seiner Ausrüstung, trotz Poncho, nass wahren. Hier am Fass, lud er seinen Rucksack ab.
Gute alte Armee Wahre. Verdrehte Welt. Wenn dieses ganze Zeug doch gleich, ohne dem verdammten Krieg, der Bevölkerung zu käme, würden Berge voller Müll gegen Null gehen.
Dieser wird seinen Zweck, auch all die kommenden Jahre noch erfüllen.
Noch bevor es dunkel wird, sollte alles stehen.
Kapitel 3.
Mit geübten Bewegungen, zog Ron an den soliden Schlaufen. Offenbarte den Inhalt, entrollte sogleich die Wasserfeste Unterlage und entlud eine etwa drei mal zwei Meter große Plane, als Überdach. Ein paar Steine aus der Bruchbude und sogar ein rostiges, aber brauchbares Stück Metallgitter, vom Kaminbestand, würden heute dazu dienen, das Feuer an Ort und Stelle nach draußen zu verlagern.
Im Haus selbst, wahren niemand mehr anwesend. Gut zu Wissen. In aller Flüchtigkeit, ging er alle Etagen ab. Viel zu sehen gab es nicht. Die Treppe zum Keller führte zu einer Tür, die immer noch fest verschlossen war und ein ebenso, sonderbar schweres Schloss davor hing.
Es war massiv und würde allen Witterungen noch etliche Jahre widerstehen können. Im Vergleich zum Rest des Hauses, schien es geradezu neu und außer etwas Flugrost, hatte es kaum Schaden davon gezogen. Hmm, was sich wohl dahinter verbirgt?!
Raunzte Ron sarkastisch klingend zu sich selbst. Es kam ihm reichlich ungewöhnlich und vor allem aber auch, Gespenstisch vor.
Auf seinem Gesichtszügen, zeichnete sich eine Erleichterung nieder, das diese Tür, er schlug mit dem Faustballen, im Vertrauen ein paar mal dagegen, doch Massiv genug war, dem was auch immer dahinter, genug Einhalt bieten zu können. Hoffen wir, das uns nichts unliebes bevor steht.
Aus irgend einem Grund, war ihm daran gelegen, Bruchholz, Gestrüpp, das sich über die Zeit darin gebildet hatte, direkt vor diese Tür zu positionieren. Als er damit fertig wahr, war diese bereits nicht mehr sichtbar.
Das Dachgeschoss, bot außer zurückgelassenen Möbeln, dem Anschein eines Kinderzimmers, einem altem Spielzeug Schaukelpferd und den Nebenräumlichkeiten, einem Badezimmer voller Scherben, gebrochenem Guss, nichts weiter, was für Ihn von Interesse war.
Hier gegenüber, wahren noch ein weiteres Schlafzimmer. Ron war es im Moment gleich, wer sich dort damals wohl schlafen legte. Dennoch vermutete er, das es nicht die Eltern wahren.
Zu dieser Zeit, wahren Familien noch Mehrköpfig. Sicherlich nicht Sorgenfrei, aber im Vergleich zu heute, noch intakt, noch funktional und vorhanden. Heute.
Ach sei es drum.
Bedauern. Der Anblick des Hauses, zeigte den Scherbenhaufen von heute, in all seiner Deutlichkeit.
Ihm überkam wieder das Gefühl der Melancholie.
Also begab er sich wieder nach draußen. Etwa eine Stunde brauchte er, um genügend Feuerholz, für sich und die bevorstehende Kälte aufzusuchen. Mit einer kleinen Säge, hatte Ron sich vorgenommen, heute Nacht zu schlafen wie die Könige. Zwei gute, feste und stämmige Äste, würden ihm heute ein angenehmes Bett bescheren. Ein paar dünne Querstreben, flexibles Geäst als Unterlage. Man, das wird ein klasse Bett ergeben.
Es brauchte nicht lange, bis das Feuer tat, was es sollte. Wärmen, trocknen und den Anbeginn seiner heutigen Mahlzeit zubereiten. Gott wie ihm der Magen knurrte, so das es schon weh tat.
Es war die erste Speise, die heute seinen Körper nähren sollte und zumal, bei Leibe keine Seltenheit. Womöglich war es der Ansporn.
Manchmal denkt man nach, um dem zu entkommen, was einem plagte und findet Magische Worte dafür, die sich aus dem Nichts daraus ergaben, um zu Manifestieren, damit es einmal all jene erfahren würden, die es zu hören bekommen werden.
Immer wieder, gingen ihm diese Psalmen, spontaner Worte, ganzer Zeilen, in Reihe und Glied, durch den Kopf. Die Melodie unterzeichnet dem Sog des Mantras. Er kramte daher schon jetzt, in seinem Schlafsack, der sich auf einer alten kratzigen Wollfilzdecke wiederfand, umher und fische einen mit dem Messer angespitzten Stift und das dazugehörige Schreibpapier hervor. Einem ledrigen, vergilbten kleinem Büchlein, um sich Notizen zu machen, um nichts davon zu vergessen, was nicht vergessen werden wollte und dem, was er irgendwann, noch zu tun zu gedenken vermochte.
Das Feuer zerriss die Nacht, darüber brütete ein geschwärzter Kessel, voller gefiltertem Wasser, das nun ausgiebig zum kochen gebracht wurde. Im Bottich wahren reichlich Brenneseln, die gut für seinen Magen sein würden und einem Stopfen, aus einem Tannenzweig. Die Eiserne Bratpfanne schmorte auf dem heißen Gitter, darunter die Glut.
Drei Kartoffeln, die in groben Scheiben, so Roh wie sie wahren, direkt in das heiße Öl wanderten. Dazu zwei große Zwiebeln. Die Pilze wahren genug, um den Rest der Pfanne auszufüllen und kamen als Ganzes hinein. Das letzte restliche Stück Speck dazu.
Das war alles. Aufgebraucht.
Heute wird es eine gute volle Mahlzeit werden.
Gut das er schon bald ankäme, da wo er hinwollte.
Das Feuer knackte, der Rauch stieg empor und der Duft war herrlich.
In einer Dose, bewahrte Ron getrocknete Kräuter auf und in einer anderen, eine eben solche Mischung aus verschiedenen Gewürzen. Von Beiden, kam reichlich auf das Gargut.
Die kleine Tüte, voller gesammelter Beeren, würde seine Mahlzeit heute vollkommen abrunden.
Kapitel 4.
Dem Beisein eines gefüllten Bauches, dem kräftigten Aufguss eines Lebhaften Teegetränks, überkam ihm der stetig stärker werdende Wunsch, von etwas soliderem.
Dem wie hier. Dem, das diesem alten Hauses glich.
Lachend, saß Ron dicht an der Glut und meinte zu sich selbst,- Natürlich mit einem dichten Dach und einem Fundament, das auch trägt.
Wie er das anstellen sollte, wusste Ron noch nicht in voller Gänze, aber es war auch nicht so, das er seines Wunsches wegen, gänzlich unvorbereitet war. Die Zeit die ihm zu gute kam, in Anbetracht seiner Lebenserfahrung, hier zwischen dem Nichts und dem steten und unendlichen Nirgendwo, hatte er gut für sich nutzen können und verbarg dessen Gut, noch bevor er sich auf die Füße stellte, um ferne Wege zu gehen.
Es würde ihm heute, nur allzu gute kommen und sollte an dessen Wert, doch soweit gestiegen sein, das es ausreichen würde, um das in aller Ausführlichkeit zu tun, was er wollte. Auf seinem Notizbuch, notierte Ron erste Zeilen, die nicht Abenden wollten und immer wieder kamen, bis er schließlich den Stift ansetze, damit diese endlich Ruhe gaben,-
Endlich angekommen, nun lass mal sehen,
die Kutte stinkt, alles verdammt unbequem.
Dem Teufel entkommen, nur für kurze Zeit,
getarnt als alter Knabe, weil uns sonnst nichts übrig bleibt.
Auf einer neuen Seite, kritzelte Er rasch noch den nicht abreißenden Fluss dieses Limbus nieder,
den Wogen aus Glut und Asche und dem gebären was unter diesen Umständen erwachsen wollte.
Alles kam jetzt ganz schnell, das er kaum hinterher kam, bevor er es womöglich wieder vergaß.
Den Blick, fixiert auf sein Merkblatt und dem Zauberstab dieser Welt, dieser lauthals aufschrie,-
Der Lohn fällt mal wieder, recht spärlich aus,
damit kommt man in diesen Tagen, nicht wirklich gut aus.
Nur um durch und durch, davon zu kommenden,
Strauchdiebe, Blutsbrüder zwischen Brot und Lohn.
Der Tag war lang und die letzte Nacht nur um so kürzer. Manchmal muss man mitten hindurch laufen. Seine Pfanne glühte aus, Reste gab es bei diesem Loch im Bauch keine. Es wurde kühl, aber heute blieb es trocken. Die verschwitzte Kleidung, würde am Feuer nun doch noch trocken werden. Das knistern war eine Wohltat in den Ohren.
Endlich angekommen,
nun lass mal sehen.
Ron flüsterte zu sich selbst, im Schlafsack liegend, ging hinüber in die Anderswelt, dem hier und jetzt war nun alles gleich. Ihn holte der Schlaf.
Kapitel 5.
Morgengrauen.
Es war noch früh, viel zu Früh.
Und obwohl sein Geist selbst, sich vornahm, so eilig wie nur möglich aufzubrechen, wollte sein Körper ganz und gar nicht. Von wegen Geist über Materie. Zischte er. Am Arsch.
Brabbelte Ron und zog den Schlafsack, sich selbst nachgebend, tief in sein Gesicht hinein.
Manchmal blinzelte Ron, blickte umher, schaute in das weite Nichts, dem Reich voller Erde und Luft, dem was sich ihm im Morgengrauen aufzeigte. Dem alten Aschehaufen, hier am Zipfel der Feuerbrunst. Dann fielen ihm die Augen schwerer zu, als es seine geliebte Eisenpfanne tun würde.
So würde man diese ihm, mit voller Wucht, auf die Füße fallen lassen.
Als er abermals zu sich kam, stand ihm der Nebel, keine zwanzig Meter weit gegenüber.
Eine riesige Nebelwand, die auf ihm zukam. Doch das Erschütternde, an seinem Sprunghaften aufwachen, war mit Sicherheit nicht der Nebel auf leisen Sohlen. Es war ein Markerschütternder Schrei. Was war das denn. Stieß Ron aus. Ron hatte ja schon eine Menge erlebt.
Aber man gewöhnt sich niemals, an solch Außergewöhnlichkeiten.
Wenn er wollte, konnte es schnell gehen.
Es brauchte nicht viel Zeit und wenn er eins gelernt hatte, dann sich immer so vorzubereiten, das alles bereit war, wenn es Nötig war.
Als sein verbliebenes Schlafgepäck, in weniger als einem Augenblick verpackt war, sprang Ron regelrecht in seine vom Rauch gedrängte Kluft hinein und späte anschließend hinter dem Haus hervor, um in jene Richtung, dem des Markerschütternden Schreies zu blicken.
Direkt aus der Nebelwand, schlurfte und humpelte eine ominös zerlumpte Figur, mehr schlecht als recht, den Pfad entlang. Einmal viel der Mann, oder was immer von ihm übrig war, zu Boden.
Nach kurzem spastischen drumherum, kam er wieder auf die Beine, schnappte sich seinen vom Kopf gefallenem Zylinder und steckte sich diesen, vollkommen reaktionär, wieder auf den, krummen, verrenkten Kopf und schleppte sich, in einem noch schlimmeren Zustand, als Ron es jemals war, weiter seines wie von schwarzer Zauberhand geführten Weges.
Womöglich hing er stark an der Flasche.
Das könnte schon sein. Könnte schon sein.
Flüsternd.
Er würde es jedenfalls nicht herausfinden wollen.
Der Anblick der zerrissenen Lumpen, jetzt immer deutlicher Sichtbar, die womöglich schon Jahrelang an ihm hingen, machten das Bild nur noch abstoßender.
Ihm kamen schwere Gedanken der bedenken auf. Die sich auf seinem Körperempfinden deutlich abzeichneten. Diese wahren bei solch einem Lebensdasein, so oder so, ein stetes kommen und gehen und gehörten womöglich immer zu seinem Alltag dazu.
Doch sollte er wirklich, nach diesem ihm hier aufzeichnenden Omen, dieses vom Anschein nach, wahnsinnigen Mannes da drüben, sich wieder da hin begeben, wo er einst geboren und regelrecht verstoßen wurde und was ihm doch schon damals, so viel Unheil einbrachte, um nun genau dahin zurück kehren, einem Ort, das so etwas wie Jenen da drüben, erst gebärt.
Sein Wehmut und Klagen, waren Ohrenbetäubend, ebenso Malerisch wie auf Treibsand zu stehen. Den ganzen Weg zurück, nur um dann sonnst wo anders ab zu biegen und allenfalls wo zu landen, wo es einem ebenso gleich daherkommt, unwillkommen zu sein.
So wie überall anders auch. Während dieser Gedanken, war Ron bereits auf dem halben Weg, die Brücke zwischen verfallen Haus und stetem Pfad zu überbrücken.
Die Konditionierungen sind stark. Dem Handeln, durch bloße Instinkte erlegen, enthemmt die Menschlichkeit in seiner Gänze.
Kapitel 6.
Die Person verschwand in genau diesem Waldstück, wo er selbst herauskam und auch Ron erklomm nun wieder, den mürrisch wirkend vertrauten Weg, der hier im Nebel Dickicht, den Brennnessel Büschen, nur um so verworrener und lebendiger, dem einer intriganten Schlange gleich, daher kam. Den Blick immer wieder über die Schulter werfend und zu sich selbst sprechende Zauberformeln aufrufend,- Hoffentlich folgt der alte Bastard mir nicht noch.
So nahm Ron einen schnelleren Gang ein und umklammerte den Griff seines Bajonetts nur um so fester. Klar trug er stets eine gute Klinge mit sich, wäre ja noch schöner.
Sie würde schon für den Nötigen Abstand sorgen.
Aber, man muss es ja nicht drauf anlegen.
Mit Sicherheit nicht.
Gerade jetzt, bei dem Anblick auf den Boden, bemerkte Ron, das er einen steten roten Faden zu Folgen schien. Einer zerfetzten Blutspur, die sich durch Punktuelle Markierungen, abstrakten Expressionismus gleichkommend und dem hier womöglich entlang geschleiften Siechtum des Mannes, seiner eigenen Gebeine über den Boden brüskierte.
Doch, der eigentliche Anblick des Tages, gebar sich Ron erst jetzt.
Es war schon seltsam, in genau dem Augenblick notierte er sich diese Zeilen,-
Der Lohn fällt mal wieder, recht spärlich aus,
damit kommt man in diesen Zeiten, nicht wirklich gut aus.
Nur um durch und durch, davon zu kommen,
verdammter Strauchdieb, Blutsbrüder zwischen Brot und Lohn.
Diese Zeilen kamen ihn ohne die Spur des Grübelns und sie schienen sich direkt aus dem Äther, über ihn herab zu gießen. Dem des Allseins zu entkommen, musste man versuchen lernen.
Er sah das Tier vor sich, zu bette getragen vom steten Anwesen des Nebels und dem Totengesang jener ominösen Figur, die sich daran ergangen haben musste.
Aus welchen Grund auch immer.
Rons Herz pochte. Und schmerze schon alsbald.
Er nahm seit langer Zeit, ein Schluck aus dem Silber Flachmann, dessen Inhalt, einem eigens erarbeitetem Rezept entstammte, das Fluch und Segen in die Welt brachte.
Er wusste noch wie es ging.
Wenngleich er auch nicht Geübt darin war. Aber das sollte sich nun ändern.
Damals, galt Alkohol nicht darum, die Sinne zu betrüben, so wie es Ron selbst in seiner zukünftigen Taverne, seinem womöglichen Grab und dem Tor zu etwas neuem, vorhatte.
Der Alkohol, das Gift der allgemeinen Haltung in Zeiten aller Sklavereien, war kein Dorn im Auge der Inquisition, solange es Besessenheit in den Adern der Ausgestoßenen mit sich brachte und wurde daher so breit flächig wie nur möglich vertrieben.
Sie wollten es in der Moderne, schon gar nicht, in den unsrigen Karren, denn sie wollten schließlich ihr dreckiges Öl verkaufen. Also nahmen sie dem Mann, auch diese Möglichkeit, freier Gewinnung von Strom und Selbstermächtigung und brachten ihn somit um seiner Seelen Frieden in dem er sich selbst darin einlegt und darin ersoff.
Statt es in den Tank zu füllen, übernahmen sie das brennen, machten daraus ein Geschäft das einer Massen Beerdigung gleich kam und füllten es seither erbarmungslos, in sämtliche herabgestiegene Seelen. Souverän, Freiheit, diese Worte mussten stets für die Tyrannei verbannt werden und zu Blasphemischen Floskeln verkommen, gerade Richtig, wenn es nur noch lallende Schandmäuler darstellen. Und zwar jede Form davon.
Sie schufen sich wie immer, direkt aus dem Nichts, ihre eigenen Regeln, machten aus Unrecht, Recht und stülpten diese mit roher Gewallt, überbracht von falschen Propheten und Wegweisern, all Jenen über, die davon betroffen schienen und nannten es Prohibition.
Dieser Scheiß, fand und findet, letztlich überall statt, unter allen Bedingungen.
Wer sehen kann, der sieht und wer hören kann, wird bereits taub davon
und wer noch die passenden Worte finden zu vermag, der soll sie niederschreiben
und heraus posaunen, auf das er seinen eigenen Leib, endlich wieder spüren würde.
Die Bleistiftmine, kritzelte unentwegt die Worte,
krakelig, kaum leserlich, in das zermarterte Büchlein,-
Die Zeit drängt täglich, Mr. Neu mal Klug, dem Teufel, seine Seele verkauft,
so wird das Schicksal, eines waschechten Trottels getauft.
Als alter Sack, dann Jahre lang, eben durch und durch gequält,
nicht lang genug, vorm Teufel, davon gerannt.
Ron zog weiter und ließ zurück, was ihn da Erblickte. Einem toten etwas, das einem Wolf womöglich ähnlich kam. Dessen Leib, weit aufgerissen am Rande des Pfads daher lag, sein Gedärm ausgeweidet und Biss spuren bis hoch zum Halse trug. Die Schnauze war kaum zu erkennen, grotesk, was davon übrig war, schmückte versteinertes entsetzen und dem Ausdruck von entsetzlicher Pein und argwöhnischer Angst in den Malstrom dieser Welt.
Körperlich sah es aus, als hätte es nie etwas anderes gekannt.
Eins seiner Hinterläufe fehlte gänzlich.
Auch für Ihn, war ungewiss, in genau jene Zukunft zu marschieren, dem einem Krieg gleich kommend, wovor er doch Jahrelang zu fliehen versuchte. Er lachte lakonisch in sich hinein,
und meinte,- Törichter alter Mann, dem eines Narren gleich -, und fing abermals und schlussendlich an zu schreiben, während er seines Weges weiter ging, einem Schild immer näher kommend, bis er es schließlich überquerte und auch dieses, hinter sich brachte.
Einem Schild, auf dem geschrieben stand,> Zehn Kilometer bis Barstock.
Die Mutter allen Übels, tadelt große Sprüche klug,
als hätte man davon, nicht weiß Gott, wie viel genug.
Und weist du was, was würde ich heute tun,
genau das Selbe, hätte ich noch einmal, die Möglichkeit dazu.
Wo bitte gehts denn nun, Richtung, Trug Stadt.
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