Veröffentlicht: 24.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Wenn ich nur wüsste, was ich will?
Wenn ich nur wüsste, was ich will?
Eine Sirene, ein Donnern, ein Knall, ein Rasseln an den Fensterscheiben.
Eine Tür fällt laut ins Schloss. Ein angelehntes Fenster wird weit aufgestoßen.
Das Fleißige Lieschen stürzt zu Boden.
Mir ist kalt. Der Rücken schmerzt.
Ganz langsam öffne ich meine Augen. Mein Kopf ruht auf meinen kalten, bewegungsunfähigen Händen, darunter ein weißes Blatt Papier.
Noch hält umklammert die rechte Hand einen Bleistift.
Was mache ich hier, in der Nacht um vier?
Im Licht der Touchlampe erkenne ich eine vereinfachte Skizze auf dem Papier.
Der Entwurf umfasst einen Blumengarten mit einem festlich gedeckten Tisch
sowie einen großen Apfelbaum.
Ohne wirklich nachzudenken, benutze ich den Bleistift, welcher immer noch in meiner Hand ruht.
Ein Haus gemalt in Windeseile, mit vielen großen Fenstern und einer Flügeltür.
Geh hinein in dein Haus, du wirst es nicht bereuen, sagt mir meine innere Stimme.
Ruck, zuck zeichnet mein Bleistift und ich eine Türklinke.
Ohne Erwartung betrete ich das fertige Haus.
Ein Duft eines mir bekannten Parfüms, erreicht meine empfindsame Nase.
Na klar, es ist meins.
Die Fotos an der Wand, mir bekannte Gesichter, Familie und Freunde.
Alle Türen stehen offen.
Kinder rennen und hüpfen von einem Zimmer zum nächsten Zimmer.
Höre ich da Musik sowie ein Raunen, Stimmen von mir sehr bekannten Personen?
Jemand ruft: „Wo kommst du her? Alle warten auf dich.“
Ich drehe mich abrupt um. „Habe ich Geburtstag?
Ja, das auch, herzlichen Glückwunsch.
Hast du es etwa vergessen, wieso wir heute auf deiner Feier sind?
Dein erstes Buch.“
Ich höre Gläser klirren.
Ich höre mein Handy klingeln.
„Ja, bitte?“ Niemand antwortet mir.
Es ist der Wecker, na klar. Ein neuer Tag erwacht.
Ausgeschlafen gehe ich zum offenen Fenster. Ich recke und strecke mich.
Die Straßen sind nass vom Regen der vergangenen Nacht.
Der Apfelbaum im Garten steht in voller Blüte. Achtsam schließe ich das Fenster. Den Blumentopf mit dem Fleißigen Lieschen stelle ich auf die Fensterbank.
Mit dem Bleistift in der Hand beginne ich am Schreibtisch den ersten Satz auf das weiße Blatt Papier zu schreiben.
„Ich weiß, was ich will.“
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