Veröffentlicht: 07.03.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Rettung
Das Licht von Sophias Kristall erleuchtete einen schmalen Koridor. Er war derart eng dass ich unmöglich durch ihn hindurch passen würde.
"Wir sind auf dem richtigen Weg" sagte Sophia "Jetzt brauchen wir nur noch jemanden der klein genug ist."
Mein Blick wanderte zu Manuel.
Er schien zu wissen was ich sagen wollte und nickte zustimmend. Doch zuvor griff ich noch in meine Manteltasche. Aus dieser nahm ich dass Mondwiesenkraut heraus. Dieses reichte ich Manuel.
"Bitte sei vorsichtig" flüsterte ich. "Ja, Meisterin" antwortete er und kroch schließlich durch den Tunnel.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Es passte mir gar nicht meine Meisterin ungeschützt vor dem Eingang des Tunnels zurück zu lassen. Vor allem wenn ich daran dachte das Aurus immer noch irgend wo da draußen war. Doch war dieser Tunnel auch unsere wahrscheinlich einzige Chance Amelia und die anderen zu finden.
Am liebsten hätte ich mich noch einmal herum gedreht um nach Sofia und vor allem meiner Meisterin zusehen, doch die Enge ließ dies nicht zu.
Ich zwängte mich um eine Kurve, wobei die rauen Felswände des Tunnels über meine Haut scharpten.
Nach dieser Engstelle hatte ich endlich das Ende des Tunnels vor mir. Er führte direkt in einen breiteren Koridor. Hier musste ich weder kriechen noch Angst haben irgend wo hängen zu bleiben. Zudem konnte ich mich aufrecht fortbewegen. Doch dies war es nicht was meine Aufmerksamkeiten in diesem Moment erregte.
Es war die lange Reihe brennender Fackeln an der gegenüberliegenden Wand.
Ich griff in meine Manteltasche und nahm das Mondwiesenkraut heraus. Dieses richtete ich auf eine der Fackeln welche augenblicklich erlosch. "Alles klar" sagte ich leise "Sie brennen durch Magie."
Ich ließ meinen Arm sinken, woraufhin sich die Fackel sofort wieder von alleine entzündete.
"Manuel. Ist alles in Ordnung?" Die Stimme meiner Meisterin lenkte mich von Anblick der Fackeln ab. Ich drehte mich herum. "Ja, Meisterin! Hier unten ist ein Korridor voller Fackeln!" Deutlich lies ich die Erkenntnis in meiner Stimme mitschwingen.
Es folgte eine kurze Pause ehe ich sie erneut von oben rufen hörte "Beeile dich, finde Amelia und Andreos und bringe sie da raus!"
Ich drehte mich herum und lief, das Blatt des Wiesenkrautes fest zwischen meinen Fingern haltend, den Korridor entlang. Mein Blick war immer auf die Fackel an der Wand gerichtet. Ich folgte ihnen.
Noch immer ahnungslos wohin dieser Gang mit führte bog ich um eine Ecke. Diese markierte die einzige Abbiegung und zugleich das Ende des Korridors. Genau vor mir erhob sich ein zweiflügliches Holztor. Festverschlossen und mit einer Art Siegel versehen.
Langsam streckte ich meine Hand aus. Erneut entfaltete das Kraut seine Macht und brachte das Siegel zum schmelzen. Obwohl es aus Magie zu bestehen schien zerfloss es wie schmelzenes Eis.
"Ich bin am Ziehl" war mein erster Gedanke. Langsam und unter unheilvollem quietschen, schwang das Tor nach Innen auf. Doch war ich nicht einmal im Traum auf dass vorbereitet was mich hinter ihm erwartete.
Als das Tor weit genug offen war fiel mein Blick auf einen gigantischen, höhlenartigen Raum. In diesem war nichts weiter außer einem See mit dunklem Wasser und...einer Insel im Zentrum. Von dieser ging ein merkwürdiges, weißliches Licht aus.
"Hier bin ich richtig" schoss es mir durch den Kopf. Langsam näherte ich mich dem Ufer des Sees.
Ich streckte meine Hand mit den Kraut aus. Das dunkle Wasser schwappte mehrfach in großen Wellen hin und her ehe es sich genau vor meiner ausgestreckten Hand teilte.
Der Boden unter der Wasseroberfläche war vollkommen eben so dass ich trockenen fusses bis zu der kleinen Insel laufen konnte.
Kaum hatte ich die trockene Eben hinter mich gebracht und die Insel betreten flutete das dunkle Wasser die Ebene genau so schnell wieder wie es sich zuvor zurückgezogen hatte.
Ich blickte erneut nach vorne. Zunächst sah ich niemanden auf der winzigen, felsigen Insel. Doch dann schreckte plötzlich jemand aus einer Senke empor.
Der junge Mann wirkte nur unwesentlich älter als ich und hatte kurze, dunkelrote Haare sowie braune Augen.
Seine Kleidung war teilweise zerrissen, doch wirkte sie immer noch edel.
"Wer...wer seid ihr?" fragte er nach dem wir uns einige Sekunden lang erschrocken angestarrt hatten. Im gleichen Moment tauchen zwei weitere Personen hinter ihm auf. Ein älterer Mann sowie...eine junge Frau. Diese erkannte mich sofort. "Ma...Manuel?" fragte sie. "Amelia" grüßt ich zurück. Im gleichen Moment wurde mir klar wer die anderen beiden Personen waren. Prinz Andreos blickte seine Verlobte genau so verwundert an wie König Sesostris. "Ihr...Ihr kennt euch Liebling?" Fragte Andreos und Amelia nickte.
"Manuel ist der Sklave von Johanna" erklärte sie.
"Meine Meisterin hat mich geschickt um euch zu befreien" erklärte ich und streckte meine Hand aus.
Das Wasser zog sich erneut zurück und gab den Weg frei.
"Was ist das?" hörte ich König Sesostris hinter mir fragen. "Mondwiesenkraut" erklärte ich "Es wehrt jede Form von Magie ab."
Zu viert überquerten wir die Ebene und ließen diesen Raum hinteruns.
Als wir durch das Tor hindurch waren hörte ich etwas neben mir gegen den Fels schlagen. Einer der Felsen aus dem der Tunnel bestand bekam Risse. "Was ist das?" Fragte Amelia erschrocken. Ich tastete instinktiv nach meinem Messer, doch dann vernahm ich eine wohlvertraute Stimme. "Geht zur Seite!"
Mit einem lauten Knall zerbrach der Felsen in Stücke und ließ mich erkennen dass es meine Meisterin und Sofia waren.
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