Veröffentlicht: 11.03.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Der Duft, der großen weiten Welt
Ich stehe am Hafen,
und der Wind erzählt mir seine Geschichten.
Nicht von Luxus und fernen Zielen.
Er sagt:
„Da liegt was in der Luft.“
Und ich denke:
„Ja klar doch, Romantik.“
Er meint:
„Nein, ProFume.“
Ein Gas, das klingt wie ein Parfüm.
Ich atme tief ein und sage:
„Ich riech nichts“.
„Sollst Du ja auch nicht“.
Ich zucke zusammen.
„Kommt das auch auf Lebensmittel?“
„Nein,
die werden streng überwacht.
Sehr streng!
Nur das Holz,
da wird begast was das Zeug hält.“
Und irgendwo steht ein Beamter
und sagt:
„Wir kontrollieren doch.“
Und der Wind pfeift auf dem letzten Loch
und trägt 230.000 Partikel pro cm3
über die Köpfe der Menschen.
230.000.
Das ist nicht Luft,
das ist ein Feinstaub-Buffet.
Ein All-you-can-breathe.
Langlebig und überall sichtbar.
Nicht wie ProFume.
Das ist nach kurzer Zeit weg.
Vollkommen verflüchtigt.
Ohne Rückstände.
Denkt man.
Wenn da nur der Treibhauseffekt nicht wäre.
Mir kommen die Tränen.
Das Taschentuch
mit dem ich sie wegwische ist schwarz.
Die Luft hüstelt:
„Schiffe spucken Ruß
wie Drachen.
Drachen gibt es nur in Märchen.
Diese hier gibt es wirklich.
Und es werden immer mehr.
Ein Kreuzfahrtschiff stößt am Tag
so viele Schadstoffe aus
wie fünf Millionen Autos.“
Und während wir diskutieren,
ob man in der Innenstadt
30 fahren sollte,
fahren draußen auf dem Wasser
schwimmende Städte
mit Schweröl,
das 3.500-mal schmutziger ist
als Diesel.
Der Wind sagt:
„Da liegt was in der Luft.
Es geht nicht um Romantik,
nicht um Postkartenidylle
mit Möwen und Matrosen.
Es geht darum,
dass die Eintrittskarten
zu diesen schwimmenden Riesen
immer billiger werden.
Menschen die die Welt,
die es so bald nicht mehr geben wird
kennenlernen wollen.
Und darum, dass Bequemlichkeit
ein schlechter Kapitän ist.
Und es geht darum,
dass sich Untätigkeit
nicht wie ProFume verflüchtigt,
denn sie hinterlässt bleibende Spuren.
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