Veröffentlicht: 25.03.2026. Rubrik: Satirisches
Mobbing
Gestern waren wir achtbeinig im Forst, Also die Gattin, der Hund und ich. Da wir alle noch über die Originalanzahl an Gliedmaßen verfügen, kann man das leicht nachprüfen (2+2+4 = Acht).
Jedenfalls war es wieder mal schön im Wald. Hund schnüffelte an allen und jeglichem, markierte vorurteilslos Nadel und andere Gehölze, steht eben über jeglichen Konventionen was Typenreinheit der Bäume betrifft.
Das fällt ihm scheinbar leicht da er auch kein reiner Typ sondern ein Mix und aus der Tierrettung ist
Nur was uns wieder einmal mit Befremden auffiel. Fast an jedem Baum waren (bin auf einen Baum mit zwei gestoßen) Tafeln angebracht, nicht etwa mit Holzdübeln, wegen der Verträglichkeit der Pflanzen, sondern schnöden Metallschrauben, auf denen man lesen konnte, dass hier einstmals der große Reformator entlang schlurfte oder wanderte, vielleicht wurde er auch in einer Sänfte getragen, ritt auf einem Esel durch die Natur oder sogar auf einem Pferd. Wobei die nun wiederum damals so teuer waren dass ich daran nicht so recht glauben kann. Ein Reitpferd, das war doch wie eine Art Mercedes und für niedere Einkommensklassen, der ja wohl auch bekannte Reformatoren angehörten, kaum erschwinglich. Aber was ich eigentlich ausdrücken wollte, überall waren sie, diese grün - weißen Schilder. Da kam er lang, der Luther. Hier weihten seine Füße oder die Hufe seines Esels den schnöden Waldboten und das verklickert man auch noch dem heutigen Wanderer.

Vor etwa zehn Jahren ging ich in Rente, verdientermaßen, muss ich da mal anmerken. Schon immer war mein Wunsch, dass ein Zaun um das Grundstück musste und danach wollte ich mir einen Hund zulegen. Nicht etwa so eine kläffende Fußhupe, nö ein ordentlich Großer sollte es schon sein und vor knapp neun Jahren war es soweit. Unser Harzer Fuchs Mix, ein gestandener Rüde, etwa Abmaße wie ein Altdeutscher Schäferhund ,war da und mittlerweile sind wir die besten Freunde, Alfy und wir. Er hat sein eigenes Hundesofa (hätten wir ohne Hund entsorgt) mit original Kunstdrucken von Dali darüber. So gut hat es mancher Mensch nicht. Wir sind jedenfalls jeden Tag mindestens 8 km unterwegs gewesen, davon viel in Parks oder im Wald und da ist keiner auf die Idee gekommen eventuell einen Vermerk an den Bäume zu befestigen aus dem man entnehmen konnte, hier ist es langekommen, das Dreamteam von Alfy und seinen Menschen. Nicht ein Fitzelchen davon. Wenn man bedenkt das wir jeden Tag rund zehntausend Schritte, manchmal mehr gelaufen sind und zwar fast ohne Pausen, sollte doch so ein Hinweisschild seine Berechtigung haben und andere Menschen und Hunde zur Nachahmung animieren.
Wir fühlen uns jedenfalls ausgegrenzt, gemobbt, verächtlich behandelt wenn man hier unserer Leistung keinen Respekt zollt. Luther hier, Luther da, einfach schon fast instinktslos. Der Knabe ist doch schon seit geraumer Zeit tot, ne. Und Thesen an eine Kirchentür pinnen, könnte ich auch, aber da wird man doch gleich abgestraft, von der Staatsmacht. Es gibt eben noch viel Ungerechtigkeit auf der Welt. Nur nebenbei, ich bin schon mehrfach Fallschirm gesprungen, dies kann dieser Luther nicht von sich behaupten oder doch? Ok. Ich habe keine Bibel übersetzt oder sonst ein umfangreiches Werk, Kann aber alles noch kommen, wenn zuvor meine Haltbarkeit nicht abläuft.
(O.R.F.)
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