Veröffentlicht: 20.04.2026. Rubrik: Lustiges
Spinne am Morgen
Schlaftrunken stehe ich früh am Morgen in der Küche und versuche die frisch geschäumte Milch komplett in die Kaffeetasse zu bekommen, klappt nicht ganz, sie schwappt über.
Das Wischutensil liegt im Spülbecken und ausgerechnet da, probiert eine fette Spinne ebenfalls in die Gänge zu kommen. Während sie sich mit ihren acht grausigen Beinen, wankend einen Weg über den Spüllappen bahnt, stehe ich mit meinen zwei schlotternden Knien vor der Spüle und beobachte angewidert diese wackelige Wanderschaft.

Mein lautes Quieken Richtung Schlafzimmer verpufft. Dort pennt der Retter mit Ohropax. Die nahende Apokalypse ist weit von ihm entfernt.
Todesmutig schnappe ich die Haushaltsrolle, rupfe hektisch einige Blätter ab, stehe mit küchentuchbestückter Hand vor dem Ungeheuer und lasse meiner Arachnophobie freien Lauf.
Mit einem Kampfschrei drücke ich panisch das Papier auf den Spinnenkörper und lasse es voller Ekel sofort in die Spüle fliegen. Das haarige Ding weiß sich zu befreien, schnippt auf die Arbeitsplatte und schaut verärgert in meine Richtung.
Ich kreische dieses verfickte Ekelpaket an, es möge doch BITTE, BITTE wieder zurück ins Becken und im Abfluss verschwinden, damit ich es mit einem heißen Wasserstrahl in die ewigen Abwassergründe jagen kann.
Während meine Nerven blank liegen, inspiziert die Monsterspinne seelenruhig die Kaffeetasse. Provokant streicht sie mit ihren widerlich dünnen Gliedmaßen über das Porzellan, leckt die Kaffeenasen ab und lässt mich dabei nicht aus ihren acht Augen. DER Horror am Morgen.
Es schaudert und schüttelt und gruselt mich und es ist mir schnurz, ob diese Kreatur eine Wichtigkeit fürs Ökosystem besitzt. In meinem Biotop hat sie nichts zu suchen. Dennoch gebe ich mich geschlagen und der Spinne, die mittlerweile über den Herd tänzelt, zu verstehen, dass sie gewonnen hat. Resigniert verkrümele ich mich aus der Küche und überlasse dem kleinen Monster das (Koch)Feld.
In diesem Moment hat sich endlich auch der Mann aus der Waagerechten erhoben. Schnell erkläre ich die vertrackte Situation und verkünde, dass ich nie wieder die Küche betreten werde. Das klingt nicht gut in seinen Ohren. Er begibt sich zum Ort des Grauens und ruft wenige Sekunden später, warum ich denn jetzt so einen Aufstand wegen eines Weberknechts probe.
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