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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Butterblume.
Veröffentlicht: 23.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Weißt du was?

Weißt du was?

Das Taxi wartet bereits.

Vor zwei Stunden.

„Weißt du was, heute erzähle ich es dir.“ Dabei schauen mich ihre hellblauen, munteren Augen an. Die Lippen tragen einen dunkelroten Anstrich. Ihr Lächeln zeigt weiße, gepflegte Zähne.
Galant wirft sie ihre dunkelblonden, schulterlangen Haare zurück; die goldenen Ohrstecker passen zu ihrem immer noch lieblichen Gesicht. An der rechten Hand schimmert am Ringfinger ein weißgoldener Ring. Sie dreht ihn lächelnd hin und her. Dabei holt sie tief Luft und greift nach dem Glas Sekt, welches genau vor ihr steht. Verschmitzt prostet sie mir zu, wispernd haucht sie: „Heute ist ein guter Tag zum Feiern, ich bin glücklich.“ Dabei schaut sie auf den kleinen Tisch, ihr kussroter Mund flüstert:
„Meine Eintrittskarten.“

„Weißt du was, viele Jahre war es mein Geheimnis.“ Dabei reibt sie sich ihre Augen. Ich weine jetzt nicht, diese Worte kommen fast lautlos aus ihrer Kehle.

„Weißt du was, als Jugendliche im Alter von vierzehn Jahren hatte ich ein Vorbild. Genauso wollte ich sein wie diese Person. Die langen Haare mit Mittelscheitel hatte ich bereits. Was mir fehlte, war die Schönheit, das Selbstbewusstsein, die Ausstrahlung, das Geld, das Glück. Jedenfalls glaubte ich das viele Jahre.“

„Weißt du was, mein Vorbild war eine britische Pop- und Rocksängerin. Besonders mochte ich ihre rauchige Stimme. Na ja, zu dieser Zeit sang ich im Schulchor. Gerne wäre ich auch tanzen gegangen, den dazugehörigen Rhythmus hatte ich im Blut. Ich glaube, dass ich ein Bewegungstalent war, und noch bin.
Leider sah dies keiner, oder hatte ich mich versteckt?“

„Weißt du was, ein Poster von ihr hing an der Wand im Kinderzimmer.
Große Druckbuchstaben habe ich damals ausgeschnitten.
Alle liebten sie. Holding Out for a Hero.
Dieser Song berührte mich. Wartete ich auf meinen Helden?
Na klar, damals verstand ich noch nicht, dass niemand mich retten kann.“

„Weißt du was, im Moment bin ich glücklich, einen Menschen an meiner Seite zu wissen, mit dem ich auf Augenhöhe den Sinn des Lebens jeden Tag aufs Neue erleben möchte.“

„Weißt du was, jetzt lege ich eine Schallplatte von meinem Idol auf.“
Immer wieder schaut sie zu mir herüber; das Jeanskleid, welches ihre frauliche Figur umspielt, schwingt zum Takt der Musik.
„Weißt du was, heute erkenne ich mich,“ dabei schauen mich ihre blauen Augen an. Sie greift nach der Haarbürste, den Lippenstift, sowie den Karten auf dem Tisch. Erneut kontrolliert sie ihr Outfit in mir; zufrieden mit dem Spiegelbild verlässt sie pfeifend die Wohnung.

Der Anrufbeantworter blinkt.
Eine KI Stimme meldet sich, sie haben eine neue Nachricht,
Weißt du was, freue mich auf das Konzert mit Bonnie Tyler und meiner Heldin.

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