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geschrieben 2024 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 17.08.2026. Rubrik: Unsortiert


Anna - Der geheimnisvolle Briefkasten

Liebesgeschichte

Bei einem Blumenladen arbeiteten die Eheleute Huber schon jahrelang. Sie waren kinderlos geblieben, deswegen war für sie der Blumenladen ihr Ein und Alles. Jetzt, da sie alt geworden waren, beschlossen sie, eine Verkäuferin einzustellen.

Ein Zettel wurde ins Schaufenster geklebt.

Die junge Anna war gerade mit ihrer Lehre als Gärtnerin fertig und auf der Suche nach einer neuen Stelle. Beim Vorbeigehen sah sie den Zettel. Gleich ging sie hinein und stellte sich vor. Sie waren sich sofort einig, und am nächsten Tag fing Anna bei ihnen zu arbeiten an.

In den darauffolgenden Tagen bemerkte Anna, dass sie eine Wohnung suchte. Die Eheleute wussten sofort Rat:

„Hier drüben bei den Nachbarn ist eine Wohnung frei, da kannst du sicherlich einziehen.“

Abends gingen sie zu dritt hinüber, weil die Besitzer die Eheleute gut kannten. Da sie auch noch ein gutes Wort für Anna einlegten, bekam sie die Wohnung und konnte gleich am nächsten Tag einziehen.

Das freute Anna riesig, und sie bedankte sich recht herzlich bei allen.

Am nächsten Tag machte sie sich gleich daran, die Wohnung herzurichten.

Vor der Haustüre fiel ihr, an der Seite hängend, ein kleiner, weißer, altmodischer Briefkasten auf. In das Blech waren Verzierungen eingestanzt.

„Der ist ganz bestimmt schon sehr alt“, dachte sich Anna.

Im Wohnzimmer stellte sie ihre Puppenküche auf. Sie war von ihrem verstorbenen Vater. Er hatte sie ihr gebaut, als sie noch ein Kind gewesen war. Anna hatte immer gerne damit gespielt. Ihr Vater hatte immer wieder etwas daran verbessert, kleine Lichter eingebaut – bei der Küche war alles funktionell. Es gab zwei kleine Herdplatten, Küchengeschirr wie Töpfe und Teller.

Nun hatte die Puppenküche in ihrem Wohnzimmer einen Ehrenplatz erhalten.

Anna hatte ein Ziel.

Sie träumte davon, eines Tages ihren eigenen Blumenladen zu haben.

Draußen auf dem Balkon hatte Anna in den Blumenkästen die schönsten Blumen gepflanzt. Nach dem Feierabend stand sie dort gerne mit einer Tasse Tee und träumte von ihrem eigenen Blumenladen.

Beim Gießen flüsterte Anna den Blumen leise ihren Traum zu.

***

Bei ihrer neuen Arbeit im Blumenladen waren die drei in kurzer Zeit ein richtig gutes Team geworden. Noch dazu hatten die Eheleute Huber Anna in ihr Herz geschlossen.

Einmal in der Woche kam Johann, ihr Lieferant, vorbei. Er hatte eine eigene Gärtnerei. Sie kannten sich gut, denn als Junge hatte er sich gerne bei ihnen im Blumenladen aufgehalten.

Herr Huber sagte lachend:
„Ja, da kommt unser Johann. Weißt du noch, wie du als Junge immer zwischen der Tür herumgelaufen bist?“

Johann grinste über das ganze Gesicht und nickte.

In Eile sagte er:
„Es tut mir leid, ich muss wieder weiter, die nächste Lieferung wartet.“

Dabei lächelte Johann zu Anna hinüber. Eine unsichtbare Verliebtheit lag in der Luft. Die Eheleute Huber nickten sich zu.

***

So vergingen einige Jahre scheinbar wie im Flug.

Anna hatte all die Jahre gespart. Vor Kurzem hatte sie einen Blumenladen gefunden und ihr Ankaufangebot abgegeben. Es waren schon einige Wochen vergangen – das kam Anna seltsam vor.

„Das kann doch nicht sein, dass der Brief immer noch nicht da ist“, redete Anna mit sich selbst.

Sie ging noch einmal zum Briefkasten hinaus und schaute hinein – aber nichts.

Entschlossen montierte Anna den Briefkasten ab, trug ihn ins Wohnzimmer und legte ihn auf den Wohnzimmertisch. Dort rüttelte und schüttelte sie ihn.

Es brachte nichts.

Sie stellte den Briefkasten vor sich hin, da entdeckte sie doppelte Türschienen. Sie holte sich eine Lupe und erkannte einen doppelten Boden an der inneren Rückwand. Mit einem flachen Schraubenzieher schob sie das Blech von der Seite weg.

Da ertönte ein leises: „Aua!“

Anna machte große Augen. Da stand ein kleines Zwergen-Männchen und schimpfte vor sich her:

„Schau mich nicht so an! Musste das sein?“

Anna antwortete:
„Ja! Und wer bist du denn?“

Der Zwerg, der ganz bestimmt nicht größer als ein halber Daumen war, erklärte stolz:
„Ich bin der Briefwächter!“

Anna sagte erleichtert:
„Das trifft sich gut. Ich suche den Brief von der Gärtnerei Hubmaier.“

Als sie das sagte, entdeckte sie ganz flach am Deckel liegend den Brief. Sie nahm ihn heraus und las:

„Leider abgelehnt.“

Da wurde Anna sehr traurig und war enttäuscht.

„Warum hast du den Brief behalten?“, fragte sie den Zwerg.

Aufgeregt erklärte er:
„Eben darum! Es ist meine Aufgabe, Briefe mit schlechten Nachrichten zu behalten!“

Anna nickte langsam.

„Ach so. Hab verstanden.“

Besorgt fragte der Zwerg:
„Was mache ich jetzt? Ich habe kein Zuhause mehr.“

Anna nahm das Zwerg-Männchen auf ihre Hand und ließ ihn beim Puppenhaus wieder hinunter.

Freundlich sagte sie:

„Hier kannst du wohnen.“

Erstaunt bedankte sich das Zwergen-Männchen.

„Wie heißt du?“, fragte Anna.

Der Zwerg überlegte.

„Eigentlich? Briefwächter!“

Anna lächelte.

„Gut, du sollst ab heute Heinz heißen.“

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