Veröffentlicht: 01.04.2026. Rubrik: Menschliches
Das Grab (Teil 1)
Mein Opa verstarb im Alter von 86 Jahren.
Ich war damals etwa 20.
Mein Opa wurde von uns allen Papaopa genannt, denn er war der Vater meines Papas.
Er war ein ungewöhnlicher, seltsamer Mensch.
Er umarmte uns nie und zeigte kaum Interesse an uns.
Dennoch war er ein gutmütiger Mensch.
Er tat oft eigenartige Dinge. Ich erinnere mich daran, wie Papaopa mit dem Zollstock die Ofenöffnung des Holzofens ausmaß, um festzustellen, wie lang das Holz sein durfte.
Am nächsten Tag brachte er dann mit seinem Gutbrot – einem Dreirad mit angebauten Anhängern – auf dem Anhänger das zurechtgeschnittene Holz mit, das exakt die passende Länge für den Holzofen hatte.
Oder er brachte jeden Monat einen riesigen, runden Laib Käse.
Diesen bekam er von der Molkerei Erding, in der er jahrelang als Molker gearbeitet hatte.
Als Rentner erhielt er zwei solcher großen Käseleibe – und jedes Mal überließ er uns freudestrahlend einen davon.
An seinem 80. Geburtstag kam bei uns die Zeitung vorbei.
Papaopa erzählte dann, dass seine Großeltern ein Gut in Böhmen und Mähren gehabt hatten, ein riesiges Anwesen, so groß, dass er drei Tage gebraucht habe, um es zu umreiten.
Wegen des Krieges flüchtete er damals mit seinem ältesten Sohn zu Fuß über Schlesien nach Erding.
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