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geschrieben 2019 von Wolff (Wolff).
Veröffentlicht: 11.02.2020. Rubrik: Spannung


Kommissar Wolter 1

Abends gegen 19 Uhr 30 am Unteren Schlossgarten. Es dämmerte schon leicht. Unschlüssig stand Irene am Eingang des Parks. Sie war mit ihrer Freundin Monika verabredet, konnte es aber nur noch schaffen, wenn sie durch den Park ging. Die gute Monika dachte sie, sicher will sie mich wieder mal verkuppeln. Sie lächelte unwillkürlich. Was soll’s dachte sie, dieser Serienkiller wird doch nicht ausgerechnet jetzt hier lauern. Schnelle hastete sie los, ihre helle Jacke leuchtete in der Dämmerung. Nach etwa hundert Metern führte der Weg durch immer dichteres Gebüsch und sie bekam langsam ein unheimliches Gefühl. Hinter sich hörte sie in einiger Entfernung Schritte. Eine dunkle Gestalt folgte ihr und sie begann zu rennen, als der Weg eine Biegung machte. Daher konnte sie nicht sehen, dass der Mann hinter ihr auf einen anderen Weg abbog und sich entfernte.
Als sie um die nächste Biegung rannte, prallte sie gegen etwas großes, Weiches und schrie entsetzt auf. Ihre Tasche fiel zu Boden und sie war wie gelähmt vor Angst ”Jetzt passiert es also” fuhr es ihr durch den Sinn, als sie den großen Mann ansah, gegen den sie gelaufen war. „Keine Angst” sagte der freundlich. „Ich tue ihnen nichts. Haben sie sich weh getan?” fragte er dann und trat auf sie zu. Vor lauter Panik brachte sie keinen Laut über ihre Lippen, wie hypnotisiert beobachtete sie den Fremden. Der bückte sich und hob ihre Tasche auf. Dabei fiel die heutige Tageszeitung heraus. Als der Fremde den Artikel über den Frauenmörder sah nickte er verstehend. „Jetzt weiß ich, warum sie so Angst haben” Er griff in seine Tasche und gab ihr einen Ausweis. „Hauptkommissar Wolter, Kripo Stuttgart” stellte er sich vor, während sie den Ausweis studierte. Sie taumelte fast vor Erleichterung und gab ihm den Ausweis zurück. Mein Gott dachte sie, da hab ich ja noch mal Glück gehabt. „Sie brauchen keine Angst zu haben, ich bin heute Abend mit mehreren Beamten im Park. Gleich wenn sie dort durch die nächste Buschgruppe gehen, kommen sie in offenes Gelände. Dort sind zwei meiner Beamten postiert. Ich werde ihnen gleich durchgeben, dass sie auf sie aufpassen.” Der Kommissar zog ein Funkgerät aus der Tasche und sie hörte, wie er sich mit einer quäkenden Stimme unterhielt. „Pass auf Karl gleich kommt auf eurem Weg eine Frau mit einer hellen Jacke und” er musterte sie, „einem kurzen Rock. Behaltet sie im Auge.” Dann sah er sie missbilligend an. „So sollte eine so hübsche Frau wie Sie auch nicht durch den Park gehen, das heißt ja das Unglück provozieren.” Betreten sah sie ihn an und nickte dann verlegen. Er sieht eigentlich gar nicht so übel aus mit seiner Schildmütze dachte sie. Nur etwas unbeholfen und Schüchtern. Was er wohl macht, wenn er nicht im Dienst ist? „Nun gehen sie schon” unterbrach er ihre Gedanken, „ich passen auf sie auf.” Sie bedankte sich bei ihm und ging zögernd weiter.
Als sie zwischen den Büschen verschwand, holte der Kommissar wieder sein Funkgerät hervor. „Karl sagte er, sie kommt jetzt, ihr müsste sie gleich sehen. Gebt mir Bescheid, wenn ihr sie seht” Eigentlich hätte ich sie begleiten sollen schimpfte er mit sich. Ich bin ein ausgemachter Trottel. Warum habe ich bei Frauen immer so eine lange Leitung. Ungeduldig blaffte er ins Funkgerät. „Was ist den los mit euch? Karl, melden dich” schrie er. „Seht ihr sie denn noch nicht?” „Doch” ertönte nun Karls Stimme, „eben kommt sie um die Biegung.” Erleichtert atmete er auf. Warum hat sie nur so langen gebraucht fragte er sich. Dann ertönte Karls Stimme aus dem Funkgerät. „Da stimmt was nicht, diese Frau hat dunkle Hosen an und ich erkenne sie jetzt, das ist Sylvia” Mit einem lauten Fluch rannte der Kommissar los. Sylvia war eine Kollegin, die den Lockvogel für den Mörder spielen sollte. Während er rannte, schrie er ins Funkgerät: „Alle her zu mir, zu dem Gebüsch, dass zwischen uns liegt.“ Dann war er durch die Buschgruppe durch und sah seine Kollegen auf ihn zu laufen. „Verdammt” murmelte er, wo ist sie geblieben?” Langsam ging er zurück und leuchtet mit seiner Taschenlampe den Weg ab. Plötzlich sah er etwas Weißes. Er ging hin. Es war die Zeitung, die ihr vorher aus der Tasche gefallen war. Hastig leuchtete er die Umgebung ab. Karl, Holger und Sylvia waren inzwischen herangekommen. „Hier” rief Sylvia und deutete auf eine Stelle im Gebüsch. Beim genauen Hinsehen sah man abgeknickte Zweige. Sofort drängte sich der Kommissar hindurch und kam auf eine freie, mit Abfällen übersäte Stelle. Beim Ableuchten mit der Lampe entdeckte er ganz hinten eine Gestalt auf dem Boden. Schnell rannte er hin. Es war ein Penner, der tief im Rausch schlief. Als er ihn wachrüttelte, schlug ihm eine betäubende Wolke billigen Rotweins ins Gesicht. „Kann man den hier nicht ruhig schlafen?” nuschelte der Penner. „War vor uns schon jemand da” fragte er und schüttelte den Penner weiter. „Nur son Typ mit seiner Tussi” lallte dieser. „Der hat mich innen Bauch getreten der Sack” ”Wo sind die hin?” „Wahrscheinlich innen Mauerloch dahinten, da Ficken se immer” lallte der Penner weiter und deutete unbestimmt hinter sich. Der Kommissar ließ ihn los und rannte in die angegebene Richtung. Nach wenigen Metern stand er vor der Mauer des Bahndamms. Etwa fünfzehn Meter höher fuhren die Züge nach Cannstatt.
„Ihr sucht links und ich gehe nach rechts” befahl er hastig und begann die Mauer abzusuchen. Er wurde immer verzweifelter, als er nach mindestens hundert Metern immer noch keine Öffnung gefunden hatte. Er drehte sich um und ging, den Efeu die Mauer bedeckte untersuchend.
Beim näheren Hinsehen bemerkte er, dass an einer Stelle hinter dem Efeu ein Mauerdurchgang war. Er wollte auf die Kollegen warten, hörte dann aber ein Geräusch, wie ein fernes Wimmern. Die zynische Stimme des Gerichtspathologen hallte in ihm. „Mehrfach vaginal und anal vergewaltigt und dann bei lebendigem Leib langsam geschlachtet.” Die grausigen Bilder der beiden Opfer, die er selber gesehen hatte und bei deren Erinnerung er sich jedes Mal fast Übergeben musste, zuckten durch seinen Kopf. Er vergaß alle Regeln und stützte sich wie ein Rammbock durch die Öffnung. Der Strahl der Taschenlampe erfasste kurz die fremde Frau, die in einem Nebenraum in der Ecke kauerte, dann spürte er neben sich eine Bewegung, konnte gerade noch die Hände hochreißen und dann knallte etwas Hartes auf seinen Kopf. Benommen sank er zu Boden. Seine Kappe rettete ihn. Aus Eitelkeit und auch aus Berechnung, war der obere Teil mit zwei dicken Lederstücken, zwischen denen sich eine Schaumstoffschicht befand, ausgepolstert, damit sie besser saß. Dies milderte den Schlag stark ab und er war wenige Sekunden später wieder einsatzfähig.
„So, jetzt zu dir Süße” hörten er den Killer sagen, „jetzt machen wir uns ein paar schöne Stunden.” Er lachte höhnisch und zog ein langes Messer heraus, dass in der schwachen Beleuchtung durch eine Petroleumfunzel, glänzte. Die Fremde begann zu weinen und sah den Mann mit großen, ängstlichen Augen an. Dann verkroch sie sich in die hinterste Eckt und verbarg das Gesicht in ihren Händen. Erregt atmete der Killer und genoss die Situation. Als er sich der wimmernden Frau weiter nähern wollt, presste sich die kalte Mündung einer Pistole an seinen Nacken. „Sofort das Messer fallenlassen oder du bist tot.” Erklang die eiskalte Stimme des Kommissars in seinem Rücken. Das Messer fiel zu Boden und der Beamte schlug ihm geübt die Beine weg. Dann drückte ihn mit dem Gesicht auf die Erde. Mit routiniertem Griff legte er ihm Handschellen an. „Hier bin ich“ schrie er laut, denn er hörte die Kollegen kommen. Er schleuderte ihnen den Mörder zu. „Da habt ihr den Kerl, schafft ihn weg und holt die Spurensicherung. Ich glaube, hierher hat er alle seine Opfer gebracht.” Nachdem er seine Anweisungen herausgestoßen hatte, drehte er sich um und ging zu der Frau. Mit weit aufgerissenen Augen hatte sie die Szene beobachtet. Er setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. Schluchzend krallte sie sich an ihm fest, sie zitterte am ganzen Körper. Bis die Spurensicherung eintraf, saßen sie in enger Umarmung auf dem Boden, dann zog er sie hoch und führte sie hinaus. „Ich bring sie heim, bevor die Presse kommt” sagte er zu Karl. „Mach du hier alles fertig, du bist jetzt der Chef.” Karl nickte und klopfte ihm auf die Schulter. „Alles klar Wolfgang, bis später.”
Langsam gingen sie den Weg zurück. Er hatte den Arm fest um ihre Schulter gelegt und sie ihren um seine Taille. Wie ein Liebespaar dachte er und sah sie an. Sie hatte die Augen geschlossen und ihren Kopf an seine Schulter gelegt.
Als die an seinem Dienstwagen angekommen waren, musste er sie fast mit Gewalt von sich losmachen. Er stellte sie vor sich hin und nahm sie noch mal in den Arm. „Du bist in Sicherheit” flüsterte er ihr ins Ohr, „Komm steig in den Wagen” Er öffnete die Türe und ließ sie einsteigen. Dann setzte er sich hinters Steuer und fragte: „Wohin?” „Taubenheim Straße in Cannstatt, ganz in der Nähe vom Kriminalamt” Er nickte und steuerte den Wagen geschickt durch den Verkehr. Währen der ganzen Fahrt sah sie ihn unverwandt an. Ihre linke Hand lag auf seiner Schulter. Sie sucht nur Körperkontakt sagte er sich. „Du heißt Wolfgang?” fragte sie nach einer Weile, sie war wie er ganz selbstverständlich zum du übergegangen. Er nickte nur. „Und du?” „Ich heiße Irene Weis” antwortete sie.
„Wir sind da” unterbrach er nach einer Weile die Stille, „wo genau wohnst du?” „Noch ein paar Häuser weiter, da, das gelbe Haus.” Genau vor dem Haus war ein Parkplatz frei in den er geschickt einparkte.
Sie sahen sich an, dann bat sie: „Bitte komm noch ein bisschen mit hinauf, ich kann jetzt nicht alleine sein. Oder wartet eine Familie oder eine Freundin auf dich?” Er schüttelte nur den Kopf und stieg aus.
Sie hatte eine kleine, gemütliche Zweizimmerwohnung im ersten Stock. Mit einem „ich komme gleich wieder”, verschwand sie im Bad. Er zog seine Lederjacke aus und setzte sich auf die Couch, nachdem er sorgfältig seine Kleider ausgeklopft hatte. Müde lehnte er sich zurück, dann griff er zu seinem Handy und meldete sich für heute vom Dienst ab. Er hatte über 40 Stunden Dienst hinter sich. Wieder lehnte er sich zurück und wäre beinahe eingeschlafen, wenn sie sich nicht neben ihn gesetzt hätte. Sie hatte ein buntgemustertes langes Kleidungsstück an. Ein Sari, oder wie die Dinger heißen dachte er, und sie sah darin umwerfend aus. Er war wieder hellwach und sah ihr in ihre wunderschönen, blauen Augen, mit denen sie ihn anlachte. Sie ist eine von den Frauen, die mit den Augen lachen können dachte er noch, dann lag sie in seinen Armen. „Lass mich nicht allein” bat sie ihn und dann versank die Umgebung für beide in einem langen leidenschaftlichen Kuss

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