geschrieben 2025 von Rautus Norvegicus (Rautus Norvegicus).
Veröffentlicht: 26.06.2025. Rubrik: Kinder und Jugend
Das Grauen - ein Schnapsdrabble 222
Ich lag auf dem Bauch und konnte mich nicht von der Stelle rühren, so sehr ich mich auch bemühte. Stocksteif war ich vor Entsetzen, denn ich war dem Tod schrecklich nahe.
Dicht vor mir erhob sich ein frischer Erdhaufen, von dem dicken Friedhofsgärtner ausgehoben, als es noch tiefe Nacht war. Er fluchte, als sein Spaten auf alte Knochen stieß, die bräunlich-gelb vermodert waren.
„Verdammt“, murmelte er, „von dem ist ja noch die Hälfte vorhanden. “ Unwillig klaubte er die Knochen aus dem Grab und schmiss sie achtlos hinter sich, einige davon trafen mich schmerzhaft
und ritzten dabei meine Haut.
Dann stieg der Dicke ächzend und schnaufend aus dem Grab. Mit
einem grünen Taschentuch, das groß war wie ein mittleres Bettlaken, wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Laut rülpsend sah er mich dabei strahlend an.
Ich wusste, mein Ende war gekommen. Seine schwieligen Hände packten mich mit so roher Gewalt, dass mir die Luft weg blieb und führten mich dicht an sein bartstoppeliges Gesicht.
Als er den Mund öffnete, wurden zwei Reihen großer, gelber Zähne sichtbar und sein faulig stinkender Atem nahm mir fast die Luft. Ich sah mich gehetzt schnell noch einmal um, doch es war gar niemand zu sehen, der mich noch
hätte retten können. So ereilte mich also mein Schicksal, das Schicksal vieler Äpfel: Ich wurde gegessen!

